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  • 08.11.2017, 15:34 Uhr
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FINANZEN / BANKEN

Faule Kredite in Höhe von 1 Billion Euro fordern europäische Banken heraus

Ein Jahrzehnt nach der letzten Finanzkrise summieren sich ausfallgefährdete Kredite in den Büchern europäischer Banken auf über eine Billion Euro. Das ergab eine aktuelle Studie.

Selbst in Deutschland, wo diese Geldanleihen nur einen Anteil von 2,6% des Gesamtkreditvolumens ausmachen, sind knapp ein Drittel dieser Kredite (30%) nicht durch Risikovorsorgen gedeckt. Dabei geht es um eine Summe von etwa 20 Milliarden Euro, wie eine aktuelle Analyse von Strategy&, den Strategieberatern von PwC, belegt. Diese Kredite würden im Falle notwendiger Abschreibungen als Verlust direkt auf das Eigenkapital der Banken durchschlagen.

Ausallgefährdete Kredite - auch "Non-Performing Loans" bzw. "NPL" genannt - sind besorgniserregend

Dabei wird der externe Druck auf die Institute immer größer, die NPL in ihren Bilanzen zu restrukturieren, was niedrige Gewinnmargen zur Folge hätte. Neben der Niedrigzinspolitik der EZB und schwacher Wirtschaftsentwicklung in einigen Kernländern der EU zählen vor allem neue regulatorische Hürden zu den negativen Einflussfaktoren. Zudem führt die hohe Kapitalbindung in den Altlasten dazu, dass viele europäische Banken bei der Vergabe von Neukrediten eingeschränkt sind. Das kann erhebliche Konsequenzen für die Konjunktur, den laufenden Strukturwandel und die notwendige Digitalisierung nach sich ziehen, wodurch auch die relative Wettbewerbsfähigkeit der EU-Staaten gegenüber China und den USA beeinflusst würde. "Der beschleunigte Abbau notleidender Kredite bietet vielen Banken Freiraum für dringend benötigtes profitables Geschäft. Die zuletzt gestiegenen Abbauaktivitäten speziell in Italien stimmen positiv, nachdem knapp ein Drittel aller notleidenden Kredite in den Bilanzen der dortigen Banken liegt", so Dr. Philipp Wackerbeck, Geschäftsführer und Leiter Financial Services bei Strategy& in Deutschland. "Angesichts der anhaltend niedrigen Zinsmargen und zunehmender regulatorischer Anforderungen ist es für Banken unverzichtbar, nötige Abbaumaßnahmen zu forcieren und zügig umzusetzen. Neben notleidenden gilt das auch für unprofitable Kredite, vor allem mit Blick auf den erwarteten Anstieg der Risikoaktiva bei einem Kompromiss in den Basel-IV-Verhandlungen. Vorrangiges strategisches Ziel der Finanzinstitute sollte es vor diesem Hintergrund sein, die auch in Deutschland und anderen wirtschaftlich starken europäischen Ländern noch immer schlummernden Kapitalrisiken zu bändigen."

Die unterschiedliche Entwicklung der NPL-Quoten in den einzelnen Ländern zeigt, dass noch kein ausgewogenes und nachhaltiges NPL-Niveau in Europa erreicht ist. Um bei allen Banken eine NPL-Quote von mindestens 3% sicherzustellen, müssten auf Basis der letztjährigen Erhebungen aus dem EBA Transparency Exercise europaweit NPLs in einem Volumen von fast 600 Milliarden Euro abgebaut werden.

Die Institutionen der Europäischen Union haben den Handlungsbedarf bereits klar erkannt und den Druck auf die Finanzinstitute erhöht. So verständigten sich die EU-Finanzminister in den Eurogruppen- und ECOFIN-Sitzungen am 10. und 11. Juli 2017 vor dem Hintergrund des vergleichsweise hohen NPL-Anteils Europa auf weitere Schritte zur Entwicklung eines Rahmens zur Beschleunigung der Abbautätigkeiten. Angedacht sind dabei u. a. die Optimierung rechtlicher Rahmenbedingungen und die mögliche Schaffung von auch nationalen Einheiten zum Abbau der NPL. Die Minister griffen damit auch einen Vorschlag von Andrea Enria, dem Vorsitzenden der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA, zur Gründung einer europaweiten Abbaueinheit für alle Banken auf.

Trotz dieser Rahmenbedingungen geht Stephan Lutz, Partner im Bereich Financial Services Risiko und Regulierung bei PwC Deutschland, nicht davon aus, dass der Aufbau weiterer hauptsächlich staatlich finanzierter Bad Banks als Einzellösung notwendig oder gar wahrscheinlich ist. "Vor allem die zunehmende Formalisierung und Harmonisierung der Regulatorik in Europa und die politischen Unwägbarkeiten der staatlichen Übernahme von privatwirtschaftlichen Kreditrisiken stehen dem im Wege", so das Fazit von Lutz.

Im Rahmen der Analyse hat Strategy& zudem die bestehenden Vorgehensweisen zum Abbau notleidender und unprofitabler Kredite untersucht. Vier Faktoren ermöglichen den erfolgreichen Start bzw. die Verbesserung laufender Abbauaktivitäten sowohl für existierende Bad Banks als auch für mögliche nationale Abbaueinheiten: Zunächst sollten die Institute im Sinne eines Neuanfangs ihre Organisation neu aufsetzen und berücksichtigen, dass Abbauorganisationen sich in ihren Eigenschaften klar von konventionellen Banken unterscheiden. Das beinhaltet ein maßgeschneidertes Betriebsmodell mit klaren Verantwortlichkeiten und Anreizen für Abbaumaßnahmen, korrekte Kreditbewertungen und einen ganzheitlichen Abbauplan. Außerdem müssen Banken die notwendigen Ressourcen bereitstellen. Für den gesamten Abbau-Lebenszyklus sollte die Organisation mit einem sorgfältig kalkulierten, regelmäßig evaluierten und durchgängig abgesicherten Finanzierungs- und Liquiditätsniveau ausgestattet sein. Mit Blick auf die Abbauaktivitäten muss im Sinne einer professionellen Umsetzung die Wechselbeziehung zwischen Zeit und Ertrag im Rahmen des Kreditabbaus und der Hold-to-Maturity-Aktivitäten gewährleistet sein. Zudem sollten die Banken eine kohärente Abbaustrategie verfolgen, die eine messbare inkrementelle Reduktion des Betriebs und der Organisation mit fortschreitendem Portfolioabbau sicherstellt.

"Es geht für viele Banken um nicht weniger als die eigene Zukunft und das langfristige Überleben", resümiert Wackerbeck. "Nur wenn die von uns identifizierten erforderlichen Abbaumaßnahmen jetzt eingeleitet werden, können die Banken ihre finanzielle Gesundheit verbessern und sich wieder auf strategisches und nachhaltiges Wachstum konzentrieren."

Weitere Informationen unter www.strategyand.pwc.com/de.

(Redaktion)


 

 

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