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  • 22.05.2019, 17:50 Uhr
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  • Berlin
Finanzielle Absicherung im Alter

Studie: Großteil der Selbstständigen fürchtet um die Altersvorsorge

62 Prozent der Selbstständigen in Deutschland haben Angst um die finanzielle Absicherung im Alter, das betrifft insbesondere Frauen. Ärzte bangen aufgrund zunehmenden Preisverfalls um ihre Zukunft beim Praxisverkauf. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Studie der Quirin Privatbank.

Neun von zehn Selbstständigen und Freiberuflern (86 Prozent) in Deutschland würden sich auch heute wieder selbstständig machen. Und fast die Hälfte unter ihnen will auch nach dem Verkauf der eigenen Firma weiterhin selbständig tätig bleiben (47 Prozent). Auf der anderen Seite machen sich fast zwei Drittel der Selbstständigen Sorgen um ihre finanzielle Absicherung im Alter (62 Prozent). Unter selbstständigen Frauen spricht sogar jede fünfte von „sehr großen Sorgen“. Verkaufserlöse für die eigene Firma spielen in diesem Zusammenhang keine große Rolle. So betreiben viele Unternehmer gar keine Verkaufsplanungen oder wünschen sich die Weitergabe innerhalb der Familie, 28 Prozent würden ihre Firma sogar innerhalb der eigenen Familie verschenken. Unter niedergelassenen Ärzten registriert dabei die Mehrheit (53 Prozent), dass der Wert ihrer Praxis im Verlauf der Selbstständigkeit gesunken ist.

Zu diesen Ergebnissen komme eine bundesweit repräsentative Befragung von insgesamt 1.008 Selbstständigen und Freiberuflern in Deutschland inklusive niedergelassener Ärzte mit eigener Praxis, die repräsentativ nach Alter und Geschlecht ausgewählt wurden, heißt es. „Die Begeisterung der Selbstständigen für ihren Beruf beruht auf einem Lebensgefühl und einer unternehmerischen Grundeinstellung“, analysiert Karl Matthäus Schmidt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Quirin Privatbank in Berlin, die die Untersuchung mit der Forschungsgruppe YouGov Deutschland im März und April 2019 durchgeführt hat. „Zugleich überraschen die hohen Erwartungen der Unternehmer an Verkaufspreise für ihre Firmen, wenn man sieht, wie wenig planvoll sie demgegenüber den Verkauf betreiben.“

Firmenverkäufe kaum geplant, Familiennachfolge ist beliebt

Im Mittel gehen Selbstständige davon aus, dass der Verkauf ihrer Firma fast 50 Prozent zu dem beisteuern kann, was sie insgesamt zur privaten Altersvorsorge zur Verfügung haben werden. Im Widerspruch zu dieser hohen Bedeutung steht aber ihre Planung des Verkaufsprozesses: Mehr als die Hälfte der Selbstständigen kann oder will keine Schätzung abgeben, in welchem Alter ein Firmenverkauf erfolgen soll (52 Prozent). Fast jeder Dritte hat auch keine Idee, an wen überhaupt verkauft werden könnte, und fast genauso viele wären bereit, ihr Unternehmen innerhalb der Familie zu verschenken (28 Prozent). Wenn es innerhalb der Familie zu einem Verkauf käme, würden Selbstständige im Mittel um etwa die Hälfte günstiger als zum Marktwert verkaufen (45 Prozent).

Ärzte beobachten sinkende Preise für ihre Praxen

Niedergelassene Ärzte zeigen innerhalb der befragten Selbstständigen und Freiberufler mit eigener Firma Besonderheiten. Während 37 Prozent der Mediziner den Verkauf ihrer Praxis an jemanden außerhalb der Familie am ehesten für denkbar halten, sind es unter allen Selbstständigen nur 23 Prozent. Auch würde ein Verkauf fast der Hälfte der Ärzte „sehr oder eher leicht fallen“. Unter allen Selbstständigen sagt das nur rund ein Drittel. Zudem kalkulieren drei von zehn Ärzten (30 Prozent) schon von Beginn der Selbstständigkeit an mit einem möglichen Verkaufserlös zur eigenen Altersvorsorge. Selbstständige in anderen Bereichen tun das weit seltener (20 Prozent). Schließlich beobachten Besitzer einer Arztpraxis den Markt für Verkäufe auch deutlich intensiver. Und sie zeigen sich dabei viel häufiger ernüchtert: Gut die Hälfte (53 Prozent) haben ihre Vorstellungen zum erzielbaren Preis für ihre Arztpraxis im Laufe der Zeit senken müssen. Das sind fast viermal so viele wie unter allen Selbstständigen (15 Prozent), wo die Mehrheit stabile oder sogar steigende Preise bei einem Firmenverkauf annimmt.

Mit einer Million Euro wollen Unternehmer 23 Jahre auskommen

Wie lange würde der Erlös von einer Million Euro beim Firmenverkauf den eigenen Lebensstandard und den der Familie sichern? Auf diese hypothetische Frage nennen Unternehmer im Schnitt 23 Jahre. Diese Schätzung fällt sehr ähnlich aus unter Männern wie Frauen, in Ost- und in Westdeutschland sowie bei Älteren und Jüngeren. Lediglich Mediziner geben mit 13 Jahren einen deutlich niedrigeren Wert an. Allerdings zeigen sich die Ärzte auch weitaus interessierter an Beratung im Finanzbereich. Nahezu jeder zweite Arzt würde den Rat einer Bank einholen, wenn es um die Anlage des Erlöses aus dem Praxisverkauf geht. Das sind fast doppelt so viele wie unter allen Selbstständigen. Hier vertraut man viel stärker eigenen Fähigkeiten: 28 Prozent würden sich bei der Geldanlage nach einem Firmenverkauf von überhaupt niemandem beraten lassen – dreimal so viele wie unter Ärzten (10 Prozent).

„Viele Selbständige haben gerade in der letzten Finanzkrise schlechte Erfahrung mit Bankberatung gemacht“, gibt Karl Matthäus Schmidt zu bedenken. „Als Deutschlands erste Honorarberaterbank, die jegliche Provisionen von Finanzhäusern für verkaufte Produkte ablehnt, teilen wir dieses Misstrauen gegenüber der Qualität herkömmlicher, provisionsfinanzierter Anlageberatung. Und wir werden deshalb auch die aktuellen Vorschläge zur Durchführung einer pflichtgemäßen Altersvorsorge für Selbstständige sehr wachsam verfolgen.“

Gender Pay Gap auch für selbstständige Frauen

Ähnlich wie unter Angestellten in Deutschland lassen sich laut Quirin-Studie schließlich auch bei Selbstständigen große Einkommensunterschiede („Gender Pay Gap“) zwischen Frauen und Männern feststellen. Einen Jahresumsatz von weniger als 50.000 Euro erreichen 42 Prozent der weiblichen Selbstständigen – bei den männlichen sind es nur 29 Prozent. Umgekehrt sagen lediglich 28 Prozent der Unternehmerinnen, keine Sorgen bezüglich ihrer finanziellen Absicherung im Alter zu haben. Bei Unternehmern sind es mit 37 Prozent weitaus mehr.

Interessant allerdings: Selbstständige Frauen besitzen wie selbstständige Männer im Schnitt fast gleichermaßen oft selbstgenutztes Wohneigentum (43 Prozent bzw. 45 Prozent) oder vermietete Immobilien (18 Prozent zu 21 Prozent). Im Gegensatz zu dieser eher konservativen Anlageform sind die Unterschiede beim Besitz von Investmentfonds (22 Prozent zu 34 Prozent) und einzelnen Aktien (13 Prozent zu 25 Prozent) aber sehr erheblich.

(Redaktion / Quirin Privatbank)


 


 

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