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  • 07.10.2015, 16:01 Uhr
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  • Berlin
FINANZTIP INTERVIEW

Business on Interview mit Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip

Business on sprach mit Hermann-Josef Tenhagen. Er war 15 Jahre Chefredakteur der Zeitschrift Finanztest (Stiftung Warentest). Seit Oktober 2014 ist er Chefredakteur und Geschäftsführer des gemeinnützigen Online-Verbrauchermagazins Finanztip.

Business-on.de: Ursprünglich saß die Redaktion in München. Warum dann der Wechsel nach Berlin?

Hermann-Josef Tenhagen: In Berlin haben wir sowohl viele Firmen,als auch die Verbände, die Lobbyisten, die Politik, die Journalisten und die Medien an einem Ort. Gerade für uns als gemeinnütziges Start-Up haben wir hier die richtige Community. Hier sind viele junge Menschen, die sich für unsere Themen interessieren und auch mitarbeiten.

Business-on.de: Was war und ist die Herausforderung – was steht im Mittelpunkt Ihres Magazins?

Hermann-Josef Tenhagen: Wir wollen Finanzen aus der Perspektive des Verbrauchers sehen. Aufklärung und Volkswirtschaft als Gemeingut, das ist der Grundgedanke. Damit wollen wir den Verbrauchern die Chance geben, auf Augenhöhe mit Versicherern und Banken, mit Strom- und Telefonkozernen zu sprechen. Die Grundlage dafür sind Informationen.

Business-on.de: Wie stehen Sie zu der Verbraucherzentrale und Stiftung Warentest – wo ist der Unterschied?

Hermann-Josef Tenhagen: Wir kooperieren, kennen uns, sind aber keine Konkurrenz. Wir ziehen am gleichen Strang: Wir wollen, dass die Verbraucher schlauer werden und wir sind uns einig, dass das über Informationen stattfinden sollte. Wie man das macht, da gibt es unterschiedliche Ansätze. Die Finanztip-Idee ist da relativ neu: Wir gehen hin und schauen mit Expertenwissen, wie gewisse Fragen oder Probleme am besten gelöst werden können.Das Wissen stellen wir kostenlos zur Verfügung und lassen das refinanzieren über die Anbieter, die wir empfehlen. Das läuft über sogenannte AffiliateLinks. Wir verlinken nur Produkte, die wir vorher für gut befunden haben. Das funktioniert. Das Verständnis, dass unsere Empfehlungwas Exklusives ist – aus der Sicht der Unternehmen – wächst. Auf der anderen Seite ist der Orientierungsbedarf groß.

Business-on.de: Gibt es auch Themen, über die man gar nicht berichten kann?

Hermann-Josef Tenhagen: Die Frage ist eine andere: Welche Fragen muss sich der Verbraucher/Konsument beantworten?Bei der Entscheidung zwischen unterschiedlichen Produkten und Angeboten müssen wir helfen können. Der Punkt ist, wenn Leute etwasentscheiden müssen, dann muss es Informationen geben, die siedabei heranziehen können. Und das machen unsere Redakteure.

Business-on.de: Wieso ist das denn erst jetzt als Idee entstanden?

Hermann-Josef Tenhagen: Mein Credo: Nicht Fische als Almosen verteilen, sondern Leuten das Angeln beibringen. Wenn man sich anschaut, was imdeutschen Finanzjournalismus stattfindet, ist das in Deutschland oft Berichterstattung über die Unternehmen für die Mitarbeiter in den Unternehmen, also  oft nicht das, was dieKunden wirklich betrifft. Man müsste dann auch – gerade im Lokaljournalismus – den örtlichen Unternehmen, Versicherern und Banken unangenehme Fragen stellen. Das sind dann auch Tabuthemen: über gewisse Gelddinge spricht man nicht. Und viele Anbieter sind auch der Meinung, dass das den Kunden nichts angeht.

Business-on.de: Müsste man den Finanztip nicht auch regionalisieren?

Hermann-Josef Tenhagen: Wenn man das Angeln beibringt, muss man das nicht, weil dann die Verbraucher wissen, welche Fragen sie den örtlichen Banken oder anderen Anbietern stellen sollen.

Business-on.de: Ist das Interesse in Geldanlagen denn überhaupt groß genug?

Hermann-Josef Tenhagen: Es geht ja nicht nur um Aktien und Geldanlagen, sondern um das Geld, das ich im Haushalt zur Verfügung habe: wie ich daraus mehr mache. Es geht um Auto, Girokonto, Versicherungen, Handyvertrag, Sprit, Riester – sie kommen ganz schnell im Schnitt auf zweieinhalbtausend Euro im Jahr für einen normalen Haushalt, die sie sparen oder falsch ausgebenkönnen. Das wären 50 Milliarden Euro im Jahr, die die Verbraucher ausgeben können, für Dinge, die sie wirklich gerne haben wollen, statt sie überflüssigerweise und zu teuer für Finanzdienstleistungen auszugeben.

Business-on.de: Das ist eine sehr große Dimension. Was soll damit passieren?

Hermann-Josef Tenhagen: Der Verbraucher hat die Macht und das Geld in der Tasche. Damit kann erentscheiden:Möchte ich lieber mit meinen Kindern Eis essen gehen,oder zu viel Geld für die Haftpflichtversicherung bezahlen. Möchte ich lieber in den Urlaub fahren oderim Jahr 500 Euro zu viel für das Autofahren ausgeben.

Business-on.de: Ist das nicht schon alles bekannt?  Wie wollen Sie das Verhalten der Verbraucher ändern?

Hermann-Josef Tenhagen: Wir wollen gar nicht das Verhalten ändern. Wir wollen unabhängige Informationen bieten und Verbrauchern damit die Chance geben, sich bewusst zu verhalten, vielleicht dann auch anders. Die Informationen liefern wir auf zwei Ebenen. Auf die Finanztip-Website kommt derjenige, der bei Google eine Information sucht: dort wird ordentlich aufgeklärt und am Ende des Tages weiß der Nutzer, welche Versicherung er gut abschließen kann. Das andere ist: es gibt bei uns einen Newsletter: der liefert die Infos frei Haus und alles, was wichtig ist. Aber auch Banales wie: kann ich Carsharing billiger machen und wie reduziere ich die Heizölrechnung? Da gibt es ganz konkrete Tipps, die jeder sofort umsetzen kann. Der Bedarf ist bei jungen und älteren Menschen natürlich unterschiedlich, das wird berücksichtigt. Unser Spektrum geht von Elterngeld bis Studienfinanzierung, von Giro- bis Sparkonto. Viele nutzen das bereits sehr erfolgreich für ihre Haushalts-Finanzen. Man muss selbst was dafür tun und viele haben das verstanden. Durch unsere starke Präsenz in den Medien und eine hohe Trefferquote bei der Internet-Suche kommen monatlich bereits 2 Millionen Menschen zu uns.

Tenhagen studierte Politik und Volkswirtschaft in Bonn, verbrachte ein Jahr an einem Graduiertenkolleg in den USA und machte an der Freien Universität Berlin ein Diplom in Politikwissenschaften. Journalistische Erfahrungen sammelte Tenhagen bei der Nachrichtenagentur AP, der Tageszeitung taz und als Nachrichtenchef der Badischen Zeitung. 1999 wechselte er als Chefredakteur zur Zeitschrift Finanztest. Hermann-Josef Tenhagen ist Mitglied der Jury des renommierten Helmut-Schmidt-Journalistenpreises. Weitere Informationen unter: http://www.finanztip.de/presse/hjtenhagen/

Über Finanztip: das ist ein gemeinnütziges Online-Verbrauchermagazin. Die Experten unterstützen Konsumenten dabei, ihre täglichen Finanzentscheidungen richtig zu treffen, Fehler zu vermeiden und Geld zu sparen. Kern des kostenlosen Angebots sind praktische Ratgeber und der Finanztip-Newsletter, der wöchentlich per E-Mail verschickt wird. Darin beleuchten Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen und sein Team alle Themen, die für Verbraucher wichtig sind: von Geldanlage, Versicherung und Kredit über Energie, Medien und Mobilität bis hin zu Reise, Recht und Steuern. Die Redaktion recherchiert und analysiert ausschließlich im Interesse des Verbrauchers und bietet praktische Handlungsempfehlungen. Zudem können sich Leser in der Community von Finanztip mit den Experten und anderen Verbrauchern austauschen. Täglich neue Tipps auf Twitter (https://twitter.com/Finanztip), Google+ (https://plus.google.com/+FinanztipDe/posts) und Facebook (https://www.facebook.com/Finanztip).

(Redaktion)


 

 

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