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Alexandra Schwarz-Schilling

Frauen in Führungspostionen: Personalvorstand oder Selbstständig

Jährlich wiederholt sich die Nachricht, dass Frauen in Führungspositionen in Deutschland nach wie vor völlig unterrepräsentiert sind. Auch die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen in gleichen Positionen und Berufen klafft nach wie vor um circa 25 % auseinander. Der Equal Pay Day am 20. März 2009 machte deutlich, wie viel Frauen mehr arbeiten müssen, um das gleiche Entgelt zu erhalten wie Männer, nämlich im Schnitt fast drei volle Monate. Tut sich also gar nichts? Doch es tut sich was, aber anders als gedacht.

An den jährlich gleich lautenden Nachrichten können wir ablesen, dass sich in den Unternehmen offensichtlich nicht viel ändert. Die „Selbstverpflichtung“ der Wirtschaft funktioniert nicht. Ihre Spielregeln sind immer noch männlich dominiert und Frauen scheinen auf den höheren Etagen nach wie vor unerwünscht zu sein. Das weibliche Ausbildungsdefizit ist als Erklärung längst überholt. Heute sagt man, Frauen wollen sich dem Kampf um die Top Positionen, den ständigen strategischen Positionierungen und den alltäglichen Durchsetzungskämpfen gar nicht erst aussetzen. Frauen im Vorstand, wenn es sie denn gibt, besetzen die Position des Personalvorstands. Es scheint eine stillschweigende Übereinkunft darüber zu geben, dass sich auf diesem Posten eine Frau gut macht. Weibliche Qualitäten, wie z. B. gute Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz gehören sozusagen zur Position dazu. Sie ist die Quotenposition für Frauen im Vorstand. Dabei sind gerade diese Frauen, die es bis in den Vorstand schaffen (und dort eben meistens auf die Position des Personalvorstands), durch „typisch männliche“ Eigenschaften, wie analytisches Denken und Durchsetzungskraft, dorthin gelangt. Was sagt uns das? Die theoretisch viel diskutierten und vermeintlich so wichtigen Soft Skills sind im Berufsalltag vieler Unternehmen bestenfalls Zusatzkompetenzen. Dabei bezeichnet der Begriff Soft Skills alle Kompetenzen, die neben der reinen Fachkompetenz den beruflichen und privaten Erfolg bestimmen. Dazu zählen soziale Kompetenz, sowie kommunikative und methodische Kompetenz. Auch Aspekte wie interkulturelle, emotionale oder personale Kompetenz spielen eine Rolle. Diese Kompetenzfelder sind nur unscharf voneinander zu trennen und haben große Schnittmengen. Entscheidend für den beruflichen Aufstieg in größeren Unternehmen sind jedoch immer noch Ehrgeiz und Fachkompetenz gepaart mit der Fähigkeit, an anderen vorbeizuziehen. Soft Skills erweisen sich insofern als besonders interessante Ergänzung für Männer. Für sie lohnt es sich diese Kompetenzen auszubauen und damit ihre Chancen auf beruflichen Aufstieg weiter zu erhöhen. Bleibt Frau also nach wie vor nichts anderes übrig als sich männliches Konkurrenzgebaren und den überwiegend strategischen Fokus anzutrainieren?

Im Coaching machen wir immer wieder die Erfahrung, dass viele Frauen einen ganz anderen Weg wählen. Es gibt zahlreiche weibliche Führungskräfte, mehr als man denken würde. Sie arbeiten in ihren eigenen Unternehmen, sind ihre eigene Chefin und entwickeln ihren eigenen Führungsstil. Viele selbständige Frauen haben es von der „One Woman Show“ zur erfolgreichen Unternehmerin mit mehreren oder sogar vielen Mitarbeitern gebracht. Sie genießen genau wie ihre männlichen Pendants, dass sie in ihren Entscheidungen frei sind, sich ausprobieren und ihren eigenen Stil entwickeln. Sie müssen sich nicht mit dem Positionierungsgehabe aufhalten, sondern können sich auf die Arbeit konzentrieren. Diese Frauen haben in der Regel keine Lobby, sie tauchen in wenigen Untersuchungen auf und werden selten befragt - leider. Im Coaching begleiten wir immer wieder Frauen auf ihrem Weg in die Selbständigkeit. Dabei wird deutlich, dass viele Frauen (und viele Männer übrigens auch) die menschenunfreundliche Kultur und den dauernden Druck in den Unternehmen satt haben.

Schreiben wir diese Entwicklung in die Zukunft fort, wird es zwar noch einige Zeit dauern, bis aus den OneWomanShows große Unternehmen geworden sind, in denen vielleicht eine andere Kultur gepflegt wird. Dennoch ist hier eine echte Chance die überwiegend männliche Wirtschaftskultur langsam um Alternativen zu erweitern, die letztlich allen zu Gute kämen.

(Alexandra Schwarz- Schilling)


 


 

Alexandra Schwarz-Schilling
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