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  • 03.05.2017, 12:26 Uhr
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FRAUEN / WIRTSCHAFT / STUDIE

Traurig, aber wahr: Frauen bleiben weiter außen vor in Deutschlands Wirtschaft

Lediglich vier Prozent Frauen stehen an der Spitze von 400 Unternehmen, die die internationale Personalberatung Heidrick & Struggles untersucht hat.

Nur eine dieser Frauen, Anke Schäferkordt (RTL Group), ist bzw. war * als Vorstandsvorsitzende in Deutschland tätig. Die Unternehmen in den USA weisen eine weibliche CEO-Quote von acht Prozent aus, in Großbritannien beträgt dieser Wert sechs Prozent, in Frankreich zwei Prozent. Michael Oberwegner, Deutschlandchef von Heidrick & Struggles, sagt: "Der Weg nach ganz oben bleibt Frauen nach wie vor weitgehend verwehrt. Die Anzahl weiblicher CEOs in der von uns untersuchten Gruppe von Unternehmen stieg zwischen 2011 und 2016 lediglich von neun auf 18. Dies ist natürlich viel zu wenig und wird den Forderungen nach mehr Diversität nicht gerecht." (*Anke Schäferkordt zog sich in diesem Jahr aus dem Vorstand von Europas größtem Fernsehkonzern RTL Group zurück. Die 54-Jährige bleibt aber Deutschland-Chefin und Mitglied im Vorstand der RTL-Muttergesellschaft Bertelsmann)

Der geringe Anteil von Frauen im "driver's seat" großer Konzerne ist ein Ergebnis der Studie "Route to the Top", die Heidrick & Struggles seit 2011 nunmehr zum vierten Mal durchführt. Einbezogen werden führende börsennotierte Unternehmen aus Deutschland, den USA, Großbritannien und Frankreich. In Deutschland werden im Rahmen der Analyse die Vorstandsvorsitzenden von DAX- und MDAX-Unternehmen berücksichtigt, in den USA die Chefs der 100 größten Konzerne der Fortune 500, in Großbritannien bezieht sich die Studie auf die FTSE-100-Firmen und in Frankreich auf die Unternehmen des SBF 120. Die Untersuchungen zu "Route to the Top" geben den Stand Mitte 2016 wieder.

Internationale Besetzungen

In Deutschland stammen 17 Prozent der untersuchten Vorstandsvorsitzenden aus dem Ausland. Dieser Wert liegt über den USA (13 Prozent) und vor allem auch über dem für Frankreich (10 Prozent). Für Frankreich erklärt sich der niedrige Anteil an ausländischen Wirtschaftsführern zum Teil aus dem geringeren Internationalisierungsgrad der meisten Unternehmen. Auch speist sich die französische Wirtschaftselite zu einem guten Prozentsatz aus Kaderschmieden wie der École Nationale d'Administration, wobei diese Absolventen vor ihrem Wechsel in die Wirtschaft oft Karrieren in der höheren Verwaltung machen. Die Vernetzung unter dieser Gruppe an Topmanagern ist in Frankreich besonders hoch.

Den größten Anteil an ausländischen CEOs verzeichnet Großbritannien mit 40 Prozent, ein Anteil, der gegenüber der vergangenen Untersuchung von vor einem Jahr noch einmal um fünf Prozent gestiegen ist.

Michael Oberwegner kommentiert: "In Deutschland ist es seit einigen Jahren keine Ausnahme mehr, daß bei der Besetzung von Spitzenpositionen auch Topmanager mit ausländischem Paß zum Zuge kommen. Wir sehen aber keinen Trend, daß die jetzt erreichte Anzahl von internationalen Topbesetzungen progressiv steigen würde."

Interne Besetzungen

67 Prozent der untersuchten deutschen CEOs wurden intern besetzt, sie waren im Schnitt 14 Jahre für das Unternehmen tätig, bevor sie an die Spitze rückten. Stärker auf Eigengewächse setzen lediglich die großen US-amerikanischen Firmen, bei denen 85 Prozent der CEOs aus dem Hause stammen, dem sie zuvor im Schnitt bereits 20 Jahre angehörten. Anders in Frankreich, wo lediglich 48 Prozent des Spitzenpersonals große Teile ihrer Karriere in dem Unternehmen absolvierten, das sie heute leiten. Michael Oberwegner: "Auch dieser Unterschied in Frankreich ist darauf zurückzuführen, daß die Grenze zwischen Verwaltung und Unternehmen bei unseren Nachbarn durchlässiger ist und viele Topleute aus Ministerien direkt an die Spitze von Unternehmen wechseln." In Großbritannien wurden 61 Prozent der untersuchten CEOs intern befördert, also eine Quote, die der in Deutschland ähnlich ist.

Alter

Deutsche CEOs werden durchschnittlich mit 55 Jahren an die Unternehmensspitze berufen. Michael Oberwegner erläutert: "Dieser Wert ist seit vielen Jahren ziemlich stabil. Wer mit Mitte 50 in Deutschland die operative Führung übernimmt, hat noch ausreichend Zeit, dem Unternehmen seinen Stempel aufzudrücken und nachhaltige Spuren zu hinterlassen." Mit 59 Jahren sind die CEOs im Durchschnitt deutlich älter, die die Leitung in US-Konzernen übernehmen. "In den USA gelten dafür aber auch keine so strikten Regeln bei Altersgrenzen wie in vielen deutschen Unternehmen", so Oberwegner weiter. In Frankreich (57 Jahre) und Großbritannien (54 Jahre) stellt Heidrick & Struggles bei der CEO-Berufung ein ähnliches Alter wie in Deutschland fest.

Funktionaler Hintergrund

Das inzwischen beste Sprungbrett, um eine CEO-Position zu erklimmen, ist ein funktionaler Hintergrund aus dem Bereich Finance. In Großbritannien sind dies 36 Prozent der CEOs, in den USA 31 Prozent, in Deutschland 26 Prozent und in Frankreich 21 Prozent. Michael Oberwegner hierzu: "Man sieht deutlich, daß in den beiden angelsächsischen Ländern die Steuerung über Finanzkennzahlen eine lange Tradition hat. Aber auch in Deutschland wird diese Perspektive immer wichtiger."

In Deutschland auf Rang 2 mit 20 Prozent der CEOs folgt ein Ingenieurshintergrund, der lediglich in Frankreich mit 24 Prozent noch ausgeprägter ist. Michael Oberwegner sagt: "Vor dem Hintergrund der Struktur der deutschen Wirtschaft waren Ingenieure als Vorstandsvorsitzende immer gefragt. Dieses Profil konzentriert sich natürlich vornehmlich auf Unternehmen in der Automobilindustrie, dem Anlagen- und Maschinenbau und verwandten Branchen." Zum Vergleich: In den USA verfügen 18 Prozent der CEOs über einen Hintergrund als Ingenieur, in Großbritannien 13 Prozent.

In Großbritannien stehen an der Unternehmensspitze zu 18 Prozent Top-Manager mit einem Karriereweg als Stratege, in den USA zu 15 Prozent, in Frankreich zu 12 Prozent und in Deutschland zu neun Prozent. Heidrick & Struggles wird künftig die Studie "Route to the Top" jährlich aktualisieren und dabei Trends, aber auch Kontinuitäten bei den Besetzungsmustern der führenden Positionen in internationalen Konzernen verfolgen.

Mehr Informationen auf: http://www.heidrick.com

(Redaktion)


 

 

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