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  • 12.09.2016, 11:04 Uhr
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  • Berlin
FRAUNHOFER-STUDIE / DIGITALE ARBEITSWELT

Schöne, neue Arbeitswelt? Fraunhofer-Studie zeigt: Selbst-Marketing wird wichtiger und Branchen-Grenzen verschwimmen

Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung zeigt, wie die zukünftige digitale Arbeitswelt aussehen könnte

Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften beschäftigen sich momentan intensiv mit der Frage, wie man die Menschen auf die digitale Arbeitswelt vorbereiten kann. Um dies zu unterstützen, ließ die Vodafone Stiftung nun eine Zukunftsstudie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI erstellen, die heute in Berlin veröffentlicht wurde. "Wir können die Zukunft zwar nicht vorhersagen", so die Studienleiterin des Fraunhofer ISI, Dr. Simone Kimpeler, "aber wir sehen zwei Entwicklungen, die mit großer Sicherheit das Berufsleben in den nächsten Jahren massiv beeinflussen werden: das Selbst-Marketing wird wichtiger und die Grenzen zwischen den Branchen verschwimmen". Laut der Studie lässt sich dies wie folgt zusammenfassen.

Steigende Bedeutung von Selbstorganisation und Selbstvermarktung

In der digital vernetzten Wirtschaft können die Wertschöpfungsprozesse in noch kleinere Arbeitsschritte unterteilt und dann flexibel ausgelagert werden. Dies reicht von wissenschaftlichen Analysen, die an einen Verbund aus spezialisierten Forschern vergeben werden, über Grafik-Entwürfe an einen freiberuflichen Designer bis hin zu einfachen Routine-Tätigkeiten an ein Heer aus "Click-Workern". Dies gilt aber auch für Dienstleistungen am Menschen, wie Wellness, Pflege und Kinderbetreuung. Es werden also immer mehr Menschen - aus allen Hierarchiestufen und Berufsfeldern - an immer häufiger wechselnden Projektaufträgen arbeiten, um die sie sich immer wieder neu bewerben müssen. Dies hat weitreichende Folgen.

- Es erfordert nicht nur eine ausgeprägte Fähigkeit zur 
Selbstorganisation, sondern auch zur Selbstvermarktung. Wer diese 
nicht hat, wird schnell abgehängt. Es droht eine weitere Spaltung des
Arbeitsmarktes - zwischen den Menschen, die perfekt vernetzt sind und
ihre Kompetenzen auf den entsprechenden Karriereseiten sowie 
Auftragsvergabeplattformen im Internet sehr gut darstellen können und
all jenen, die dies nie lernen konnten. Dies betrifft den Taxifahrer 
auf Uber genauso wie den Unternehmensberater auf LinkedIn. 

Branchen-Grenzen verschwimmen, mehr fachübergreifende Kompetenzen gefragt

In Zukunft werden immer mehr Aufgaben softwarebasiert erledigt und in automatisierte Prozesse übersetzt - über klassische Branchengrenzen hinweg, zum Beispiel von der Produktion über die Logistik bis zum Handel. Somit steigt die Bedeutung von branchenübergreifenden Kompetenzen, verglichen mit klassischen branchenspezifischen Kenntnissen, spürbar an. Hierzu zählen sowohl digitale Qualifikationen an den Mensch-Maschine-Schnittstellen, als auch bestimmte soziale Fähigkeiten, die nicht durch Computer ersetzt werden können. Insgesamt wird die - in Deutschland verhältnismäßig feste - Berufsstruktur aufgeweicht. Für die Arbeitnehmer wird es dadurch leichter, die Branche zu wechseln, was ihre beruflichen Möglichkeiten erweitert, aber auch den Konkurrenzdruck erhöht, weil mehr Menschen neu in ihre Branche strömen können. Für die Arbeitgeber wird es dadurch leichter, die dringend benötigend Fachkräfte zu rekrutieren, da sie in einem größeren Pool suchen können, aber zugleich wird es schwerer, die Personal-Fluktuation zu begrenzen. All dies birgt große Herausforderungen - in der dualen Berufsausbildung, der Berufsberatung und der Weiterbildung.

- In der Berufsberatung dürfen künftig nicht mehr nur 
hauptsächlich jüngere Menschen im Fokus stehen. Die Bundesagentur für
Arbeit und alle anderen Akteure, die sich in diesem Bereich 
engagieren, sollten sich dabei noch stärker auch weiteren 
Altersgruppen widmen, wenn immer mehr Menschen im Laufe ihres Lebens 
die Branche oder den Beruf wechseln (müssen). Um das lebenslange 
Lernen zu unterstützen, braucht es auch eine lebenslange 
Berufsberatung. 
- In der Weiterbildung bedarf es gezielterer Angebote und Anreize,
die von Staat und Wirtschaft gemeinsam gefördert werden müssen. Dazu 
gehört auch ein Ordnungsrahmen mit besseren Qualitätsstandards, so 
dass es leichter wird, in dem derzeit recht unübersichtlichen Feld, 
diejenigen Weiterbildungen auszuwählen, die wirklich gut und 
anerkannt sind. Schließlich steigt auch die Bedeutung von 
Weiterbildungszertifikaten, wenn es - wie die Studie zeigt - immer 
wichtiger wird, die eigenen Kompetenzen immer wieder neu zu 
vermarkten, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können. 

Die Studie steht zum kostenlosen Download bereit unter: www.vodafone-stiftung.de

(Redaktion)


 

 

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