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  • 28.04.2016, 11:52 Uhr
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GESUNDHEITSWESEN

4. Forum Digitaler Gesundheitsexperten in Berlin: Branche blickt kritisch auf Digitalisierung des Gesundheitswesens

Am 22. April 2016 lud das Berliner eHealth StartUp Medexo bereits zum vierten Mal Vertreter des Gesundheitswesens, der Wirtschaft und Politik zum Forum Digitaler Gesundheitsexperten nach Berlin.

Die Teilnehmer diskutierten über die Einführung des eHealth-Gesetzes und zum Stand der Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland. Sie zeigten sich kritisch aber zuversichtlich bei der Bewertung der Entwicklungen und diskutierten Chancen und Möglichkeiten zur Verbesserung.

Der Bundestagsabgeordnete Dirk Heidenblut (SPD) betonte die wichtige Rolle von Wirtschaft und Industrie bei der Entwicklung digitaler Innovationen im Gesundheitswesen. Mit dem eHealth-Gesetz seien die ersten gesetzlichen Rahmenbedingungen für Neuentwicklungen geschaffen. Nun müsse man das System mit Leben füllen und Geschäftsmodelle im eHealth-Bereich fördern, um echte, international wettbewerbsfähige Alternativen zu schaffen. "Ich wünsche mir mehr pfiffige Gründungsideen für den Gesundheitsbereich", sagte er in einer Paneldiskussion. Heidenblut sprach sich zugleich für eine Neuerung des eHealth-Gesetzes aus. Besonders in ländlichen, unterversorgten Regionen sei die Vernetzung und Versorgung mit telemedizinischen Anwendungen noch zu gering.

Min-Sung Sean Kim vom Investor XL Health bemängelte die geringe Anzahl von StartUps im Diagnostik- und Präventionsbereich, was vor allem an der Natur der Sache läge. "Business Angels für die wichtige Frühphasenfinanzierung kennen sich schlicht mit den Themen nicht aus und können sie nicht hinreichend bewerten." Zudem sei auch auf europäischer Ebene die Infrastruktur noch nicht bereit für große Innovationen. Juliane Zielonka vom Startupbootcamp fügte hinzu, dass komplexe Regularien und fehlende Seedfinanzierungen große Herausforderungen für eHealth StartUps seien. Ein großer Impulsgeber für die Entwicklung von Innovationen im digitalen Gesundheitswesen sei die Verzahnung von Old und New Economy, erläuterte Jan Dzulko von M Cube. StartUps könnten von traditionellen Industrieunternehmen in puncto Prozessoptimierung, Skalierbarkeit und Risikominimierung lernen. Die Kleinen müssten das Wissen der Großen nutzen, die Großen im Gegenzug von der Agilität und Geschwindigkeit der Kleinen profitieren.

Wesentliches Diskussionsthema war auch das Sammeln und Verwalten von Daten als Grundlage für die zukünftige Gesundheitsversorgung. Benedikt Aichinger von x-tention argumentierte, es mangele bislang an guten Lösungen, um Datenmassen hinreichend zu verarbeiten und zu strukturieren. Er forderte technische Standards auf dieser Ebene der Kommunikation, die es auch der StartUp -Welt ermöglichen würde, schneller Fuß zu fassen. Anne-Kathrin Klemm vom BKK Dachverband wies darauf hin, dass die Kassen zwar viele Daten sammeln könnten, sie jedoch aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht für die Beratung am Patienten genutzt werden dürften. Der eigentliche Mehrwert für den Patienten bliebe so aus.

Wie groß das Potenzial unter anderem für telemedizinische Zweit-Diagnosen ist, führt Dr. Jan Loh, Geschäftsführer von Medexo, an. "In bereits 57% der Fälle empfehlen wir nach der Erstdiagnose eine alternative, konservative Therapie und keine Operation. Diese Entwicklung hat dramatische Auswirkungen, zum einen auf die Krankenkassen, vor allem aber auch auf die Lebensqualität der Patienten, denen ein oft schwieriger Eingriff erspart bleibt. Medizin ist eine Vertrauensfrage. Die Zweitmeinung führt demnach nachweislich zum Rückgang der Operationszahlen."

Herr Prof. Dr. Neugebauer vom Deutschen Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) unterstrich in seinem Vortrag zum Innovationsfonds der Bundesregierung die Möglichkeiten, die Medexos digitalisierte Prozesse zur Zweitmeinung bieten. So soll das softwarebasierte System von Medexo genutzt werden, um in einer Studie das beste Verfahren für die gesetzlich verankerte Zweitmeinung zu erforschen.

Über das Forum Digitaler Gesundheitsexperten (#ForumDG):  Das Forum Digitaler Gesundheitsexperten ist eine Weiterentwicklung der Medexo Krankenkassen Workshops (MKW). Von einer kleinen Runde hat es sich zu einer Plattform entwickelt, die Beteiligte im Gesundheitswesen, Industriepartner und Vertreter der Politik zusammenbringt, um über das Thema Digitalisierung des Gesundheitswesen zu diskutieren. Zwei Mal im Jahr kommen die Teilnehmer zusammen und berichten über gemeinsame Erfahrungen, Ideen für die Weiterentwicklung der Prozesse, Herausforderungen und Chancen.

(Redaktion)


 

 

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