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BIO SHIRT COMPANY

Gut gekleidet und gutes Gewissen: Mode von der BIO SHIRT COMPANY

Bio-Mode hat ihr angestaubtes Image aus den 80er Jahren abgelegt. Wer sich modisch kleiden will, muss auf ein gutes Gewissen nicht verzichten. Das beweist das Berliner Label BIO SHIRT COMPANY, das moderne Styles mit ökologisch hergestellten Materialien verbindet. Kreativdirektorin und Gründerin der BIO SHIRT COMPANY Susanna Wagner sprach über ihre Haltung zu Bio-Mode und ihr Konzept für ein erfolgreiches Unternehmen mit business-on.de.

business-on.de: Frau Wagner, was genau ist eigentlich Bio-Kleidung?

Susanna Wagner: Für uns ist das Kleidung, die mit zertifizierter Biobaumwolle hergestellt wird, das heißt mit Baumwolle, die ohne den Einsatz von Pestiziden und sonstigen chemischen Substanzen angebaut wurde. Die Einfärbung der Kleidung wird nach dem IMO-Zertifikat gemacht, wodurch eine hohe Hautverträglichkeit gewährleistet wird. Der Druck orientiert sich am Oeko-Tex-Standard. Die Verpackung besteht aus einer Baumwolltasche und alles ist „Made in Europe“. „Fairtrade“ können wir gar nicht machen, weil wir eben in Europa herstellen. Hier geht es nicht erst um die Frage, ob die Arbeitsbedingungen menschenunwürdig sind oder nicht. Für mich ist das ganz klar eine Haltung, die hinter dieser Idee steckt. Ich würde sogar soweit gehen, in Deutschland zu produzieren, aber es gibt diese speziellen Fertigungsbetriebe einfach nicht mehr. Ich wäre die Erste, die sagt, sie produziert wieder in Deutschland.

business-on.de: Wie ist die Idee entstanden Bio-Kleidung zu produzieren?

Susanna Wagner: Für mich stand am Anfang die Frage: Warum kann man ein gutes Bio-Shirt nicht genauso konsumieren, wie einen Joghurtbecher aus dem Regal? In den Bio-Läden gab es zwar Lebensmittel und Kosmetik, aber eben keine Kleidung, die auch modebewusste Kunden anspricht. Dann entstand die Idee trendige Bio-Kleidung zu produzieren. Wenn man dann so lange in Business ist wie ich, kennt man auch die Leute. So fand ich einen Produzenten aus Portugal, der mir angeboten hat, in kleinen Mengen zu produzieren, wenn ich ihm dafür das Know-how gebe. Im Juni 2008 haben wir dann die ersten T-Shirts ausgeliefert.

business-on.de: Es gibt in Berlin sehr viele Labels, die Bio-Kleidung herstellen. Sind die Berliner besonders umweltbewusst?

Susanna Wagner: Diesen Bio-Trend gibt es überall. In Europa ist England ganz klar der Vorreiter. Die Engländer verstehen Bio als Lifestylekonzept. Dort gibt es Bio-Conceptstores, in denen man sein Essen, seine Kosmetik, seine Wohnaccessoires und seine Klamotten kaufen kann. Das hat mit dem Ökotrend der 80er Jahre wirklich nichts mehr zu tun. Das sind schicke und gut verpackte Produkte. Der Bio-Trend ist auf jeden Fall ein städtisches Phänomen. Berlin ist mittlerweile eine Kreativzentrale in Deutschland geworden - auch was Bio angeht. Ich würde innerhalb Deutschlands zwischen den Städten allerdings keinen Unterschied machen. In München gibt es diesen Trend genauso wie in Berlin.

business-on.de: Ein Damen T-Shirt gibt es schon ab 23 Euro. So viel bezahlt man auch für andere, nicht-biologisch hergestellte Kleidung. Wie ist dieser günstige Preis möglich?

Susanna Wagner: Das ist nur möglich, weil wir eine so kleine Firma sind. Wenn man das klassisch auskalkulieren würde, dann könnten wir diese Qualität nicht liefern. Wir produzieren in Europa zu Top-Qualität, das heißt, jeder Schritt ist teurer als üblich. Wir vertreiben zum einen im Handel und zum anderen im Onlineshop. Im Onlineshop sind wir vertikaler und haben vom Produktionspreis bis zum Verkaufspreis die Marge . Durch so eine Mischkalkulation können wir das zu diesen Preisen anbieten. Mein Ziel ist es nicht, in einem halben Jahr ganz reich zu werden, sondern mit einer vernünftigen Haltung und einem coolen Produkt eine Firma aufzubauen. Wenn wir jetzt in einem so hohen Preissegment anfangen, dann wird das nie in die Masse strömen. Lieber verkaufe ich 10 000 T-Shirts zu einem unterkalkulierten Preis, als 10 zu einem Preis, den sich keiner leisten kann.

business-on.de: Ich habe gelesen, dass Naturware nicht immer umweltfreundlicher ist. Die Herstellung von Biobaumwolle verbraucht beispielsweise viel mehr Wasser als die von Chemiefasern. Was sagen Sie dazu?

Susanna Wagner: Wir haben noch nicht aufgerechnet, wie es sich mit dem Wasserverbrauch, Stromverbrauch und Spritverbrauch verhält. Der Trend ist es, etwas Natürliches zu verwenden, deshalb hat sich für mich die Frage gar nicht gestellt mit den Polyester-Qualitäten anzufangen, weil dann der Herstellungsprozess schon nicht mehr viel mit Natürlichkeit zu tun hat. Da wir in Europa produzieren, ist der Spritverbrauch bei der Lieferung schon auf ein Minimum herabgesetzt. Der Betrieb vor Ort ist ein ganz modernes Unternehmen, das auf einem hohen Standard produziert. So eine Firma würde man in Indien oder China beispielsweise nicht finden.

business-on.de: Gibt es ein allgemeines Bio-Siegel für Kleidung, so, wie zum Beispiel für Lebensmittel?

Susanna Wagner:  Es gibt Zertifikate, aber das ist ein Dschungel. Ich habe mir das Zertifikat heraus gesucht, das für mich nach 15 Jahren Berufserfahrung in der Modeindustrie Sinn macht und bei dem ich genau erkenne, woher es kommt. Ich würde es sehr begrüßen, wenn es ein Zertifikat gäbe, das sagt, „Made in Europe“. Wenn das jemand erfinden würde, wäre ich sofort dabei. Für den Endverbraucher ist das bisher überhaupt nicht transparent. Wer sich für den Herstellungsprozess unserer Ware interessiert, kann die einzelnen Schritte auf unserer Homepage nachvollziehen.

business-on.de: Einige große Modefirmen haben schon teilweise auf die Produktion von Bio-Kleidung umgestellt. Glauben Sie, dass der Erfolg der kleinen Bio-Unternehmen in Zukunft noch weitere große Hersteller und Labels zum Umdenken bewegen wird?

Susanna Wagner:  Es müssten sich ganz viele Analysten täuschen, wenn das nicht der Trend für die nächsten zehn Jahre wäre. Einerseits ist es natürlich wichtig, dass die Firmen diesen Trend annehmen. Viel wichtiger ist allerdings, dass die Endverbraucher das Angebot annehmen. Die Absurdität der Globalisierung wird dem Einzelnen langsam klar und das ist ein Prozess, der mit Sicherheit in den nächsten zehn Jahren weiter läuft. Da werden auf jeden Fall die großen Textilunternehmen nachziehen. Das ist ein Prozess, der dauert. Wir können die Produzenten zwingen von heute auf morgen alles umzustellen, aber der Weg ist definitiv der richtige. Durch diese ganzen Einflüsse ändert sich da gerade das Bewusstsein.

business-on.de: Wird es einen eigenen BIO SHIRT COMPANY Laden geben?

Susanna Wagner: Es wird nicht „einen“ Laden geben, sondern ich würde das ganze als Ladenkonzept anbieten. Das wäre dann der Bio-Laden für die Familie, in dem man etwas für sich und seine Kids kaufen kann. Man könnte vielleicht noch eine gute Schuhmarke anbieten. Für dieses Konzept bietet sich das Logo BIO SHIRT COMPANY natürlich an, weil der Name ist schon Programm. Ende des Jahres wären wir vielleicht von der Produktaufstellung her so weit einen ganzen Laden zu füllen.

business-on.de: business-on.de bedankt sich für das Interview!

(Redaktion)


 


 

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