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  • 15.08.2016, 11:24 Uhr
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IMMOBILIEN /STUDIE

Energetische Sanierung verliert als Vermarktungsargument an Bedeutung

Ein aktueller energetischer Zustand ist Maklern zufolge kaum noch ein Vermarktungsargument. Dies ist das Ergebnis der Studie Marktmonitor Immobilien 2016, die das Immobilienportal immowelt.de auswertete.

Seit Jahren raten immer weniger Makler zu einer energetischen Sanierung vor dem Verkauf oder der Vermietung einer Immobilie. Der Grund: Vielerorts ist der energetische Zustand für die Vermittlung eines Hauses oder einer Wohnung unerheblich, denn aufgrund der Marktlage wechseln Immobilien auch so den Besitzer.

Ein aktueller energetischer Zustand  ist Maklern zufolge kaum noch ein Vermarktungsargument. Möglicherweise können zwar höhere Kaufpreise oder Mieten erzielt sowie Vermarktungsdauer und -aufwand gesenkt werden. Doch diese Vorteile überwiegen nicht den finanziellen Aufwand, der bei der Sanierung einer Immobilie zwangsläufig entsteht.

Dies ist das Ergebnis der Studie Marktmonitor Immobilien 2016, für die das Immobilienportal immowelt.de Antworten von 710 Maklern auswertete. Die Studie erscheint seit 2010 jährlich und noch nie haben weniger Immobilienprofis zu einer energetischen Sanierung vor der Vermarktung einer Immobilie geraten als 2016. Im Jahr 2010 rieten nur zwölf Prozent der Makler, keine einzige Sanierungsmaßnahme hinsichtlich der Vermarktung durchzuführen. Im Gegensatz dazu liegt dieser Anteil 2016 bei 24 Prozent für Mietimmobilien und 28 Prozent für Kaufimmobilien. Das heißt: Nur etwa drei von vier Maklern raten zu bestimmten Sanierungsmaßnahmen.

Die Gründe sind vielfältig: Zum einen möchten viele Käufer ihre eigenen Vorstellungen bei der energetischen Sanierung verwirklichen, zum anderen rentiert es sich oft nicht, eine Immobilie vor der Vermarktung zu sanieren. Den meisten Menschen ist ohnehin die Lage der Immobilie wichtiger als ihre Energieeffizienz. Zudem gibt es in Deutschland vielerorts seit Jahren einen Nachfrageüberhang auf den Immobilienmärkten. Diese Nachfrage wird durch die aktuell sehr günstigen Immobilienkredite befeuert. Verkaufsanreize wie ein aktueller energetischer Zustand sind gar nicht nötig, um Immobilien schnell und zu einem guten Preis zu vermarkten. 

Vorgaben der EnEV durch energetische Sanierung erfüllen

Das heißt aber nicht, dass Makler grundsätzlich von Sanierungsmaßnahmen abraten. Sie empfehlen in erster Linie solche Maßnahmen, die zur Einhaltung der Energieeinsparverordnung (EnEV) beitragen. Diese schreibt bestimmte Dämmwerte für einzelne Gebäudeteile vor. Wer seine eigene Immobilie schon eine bestimmte Zeit selbst bewohnt, muss sich nicht daran halten. Wer eine neue Immobilie erwirbt aber schon. Insofern kann es ein Verkaufsargument sein, wenn eine Immobilie solche Pflichten bereits erfüllt.

Bei Kaufimmobilien raten die befragten Makler deswegen vor allem zu einer Dachdämmung, zur Wärmeschutzverglasung und zum Einbau einer Brennwertheizung, die ebenfalls in der EnEV gefordert wird. Hingegen sind der Einbau einer Erdwärmeheizung oder einer Photovoltaikanlage kaum relevant. In den Grafiken ist aber deutlich zu erkennen, dass die Empfehlungsraten für die einzelnen Maßnahmen der energetischen Sanierung trotz EnEV in den meisten Fällen über die Jahre abgenommen haben.

Bei Mietimmobilien zählen die Wärmeschutzverglasung, der Einbau einer Brennwertheizung und die Fassadendämmung zu den am meisten empfohlenen Sanierungsmaßnahmen der Makler. Doch auch hier ist der Empfehlungstrend für die einzelnen Maßnahmen sinkend. 

Die EnEV schreibt nicht nur einen bestimmten energetischen Zustand von Immobilien vor, sondern auch, dass Eigentümer einen Energieausweis für ihre Immobilie führen müssen. Diesen Ausweis müssen Verkäufer oder Immobilienmakler im Verkaufsgespräch vorzeigen. Aus den Daten des Energiepasses lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie gut das Gebäude gedämmt ist. Das soll die Aufmerksamkeit des Interessenten auf die Energieeffizienz eines Gebäudes lenken. Doch scheinbar spielt diese in der Vermarktung nur eine untergeordnete Rolle. Ob sich eine energetische Sanierung vor der Immobilienvermarktung letztendlich lohnt, ist deswegen auch eine Frage der Marktlage.


(Redaktion)


 

 

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