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  • 06.04.2018, 12:51 Uhr
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  • Berlin
IMMOBILIENMARKT / WOHNUNGSBAU

Auf Aldi & Co kann man nun bauen: Discounter starten Immobilienprojekte im Raum Berlin und bundesweit

Aldi Nord schafft Wohnraum. Der Lebensmittelhändler will an mindestens 30 Standorten in Berlin "gemischt genutzte" Immobilien umsetzen. Auch andere Discounter entrdecken die Wohnungs- und Marktlücke - auch auf der Druck der Politik.

Angesichts der Wohnungsnot rücken Handelsketten von Filialen mit großem Parkplatz ab. Sie setzen auf Kombinationen mit Wohnungen - nicht uneigennützig. Lebensmittelketten und Discounter wollen damit ihre Grundstücke besser ausnutzen und planen dort den Bau von Wohnungen. Zuletzt machte Aldi mit solchen Projekten von sich reden. An mindestens 30 Standorten in Berlin sollen in Kombination mit Aldi-Nord-Märkten rund 2000 Wohnungen entstehen, wie das Unternehmen kürzlich mitteilte. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sieht ein Potenzial von insgesamt 330 Standorten in der Stadt. Dort könnten 14.000 bis 36.000 Wohnungen entstehen. Weitere Discounter schliessen sich mit Bauprojekten  - auch bundesweit - bereits an.

Die Bevölkerung in Berlin wächst und damit auch die Nachfrage an Mietimmobilien

Bis 2030 erwartet die Hauptstadt ein Bevölkerungswachstum von rund 300.000 Einwohnern. Weitere 90.000 Menschen sind es im Berliner Umland. Vor allem bezahlbarer Wohnraum ist gefragter denn je. Nicht nur die Stadt Berlin, sondern auch Unternehmen stellt die rasante Wachstumsrate vor neue Herausforderungen. So auch den Discounter Aldi Nord bei der Suche nach neuen, geeigneten Filialstandorten. "Die Situation in und um Berlin betrifft uns gleich in zweierlei Hinsicht", sagt Jörg Michalek, Geschäftsführer der Aldi Immobilienverwaltung GmbH & Co. KG. "Selbstverständlich wollen wir auch weiterhin für unsere Kundinnen und Kunden als Nahversorger vor Ort sein. Dafür müssen wir expandieren." Je höher das Bevölkerungswachstum, desto höher sei auch der Bedarf an Aldi Märkten. Dazu kommt die Modernisierungsstrategie, die Aldi Nord seit einigen Jahren konsequent verfolgt und die den Umbau des gesamten Filialnetzes vorsieht. Die neuen Märkte im ANIKo-Stil (Aldi Nord Instore Konzept) haben eine geplante Größe von bis zu 1.400 Quadratmetern.

Leuchtturmprojekte bereits in der Umsetzungsphase in Berlin - bundesweit ging es schon los

Zwei Leuchtturmprojekte werden in einer ersten Phase bereits umgesetzt. Hier wird das Konzept "Gemischt genutzte Immobilien" exemplarisch realisiert. 200 Wohnungen sollen im ersten Schritt in den Stadtteilen Neukölln und Lichtenberg entstehen. Weitere fünfzehn Standorte in der Kombination aus Aldi Markt und Wohnungsbau befinden sich in konkreter Planung.

Aldi Nord setzt bei diesem Vorhaben auf eine enge Zusammenarbeit mit den Stadtbezirken und dem Berliner Senat. "Mit den Leuchtturmprojekten wollen wir den Startschuss für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Stadt Berlin und insbesondere den Stadtbezirken setzen. Wir möchten aktiv bei der Nachverdichtung Berlins und beim ökologischen Stadtumbau unterstützen", sagt Jörg Michalek. Die Schaffung von Aldi Märkten in Kombination mit Wohnraum sei nicht nur ein Vorteil für das Unternehmen und dessen Kunden, sondern "ein Mehrwert für ganz Berlin". Mit dem Projekt geht Aldi auch auf Berlins Senat zu, dem die üppigen Discounterflächen wegen der Wohnungsnot ein Dorn im Auge sind. Handelsketten dürften mit gemischt genutzten Immobilien leichter Baugenehmigungen in Städten erhalten.

Deutschlands Supermärkte haben somit und endlich ein neues nützliches Geschäftsfeld entdeckt

Statt nur Lebensmittel zu verkaufen, vermieten sie nun auch Wohnungen. Aldi Süd hat ähnliche Pläne: In Ballungsräumen wie Köln und München würden Filialen in Kombination mit Wohnungen realisiert, teilte das Unternehmen mit. Man stehe neuen Konzepten „offen gegenüber“. Das ist vielleicht nicht unbedingt lukrativ, hat aber einen großen Vorteil. Der Immobilienmarkt und auch die Politik machen bundesweit Druck: auch Lidl und Ikea ziehen nach. Nach Berechnungen von Stadtentwicklungsexperten könnte so in ganz Deutschland 1 Million neuer (bezahlbarer) Wohnungen im  Innenstadtbereich entstehen.

Vielleicht wird es in der Werbung bald nicht mehr heißen: "Geh doch zu Netto!" - sondern "wohn doch bei Netto!"

(Redaktion)


 

 

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