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  • 19.07.2017, 12:53 Uhr
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  • Berlin
INTERVIEW / GESUNDHEITSWESEN

Thomas Stuke: „Das Konzept lohnt sich ab dem ersten Patienten, da wir es nicht mit einem Luxusgut zu tun haben, sondern mit Menschen, die echte Probleme haben"

Thomas Stuke möchte Menschen mit beratungsintensiven Krankheiten eine Plattform bieten. Business On hat mit ihm über sein Vorhaben gesprochen.

Über 25 Millionen Menschen in Deutschland leiden an beratungsintensiven Krankheiten. Für die erfolgreiche Behandlung ist eine Umstellung des Lebensstils häufig sehr wichtig. Im Schnitt haben Ärzte allerdings nur etwa 8 Minuten Zeit, um die Patienten zu diesem Thema zu beraten. Das Berliner Unternehmen PatientCare möchte mit einer Beratungsplattform, die Patienten direkt nach der Diagnose mit Erstinformationen und individuell abgestimmten Inhalten versorgt, Abhilfe schaffen. Der Geschäftsführer Thomas Stuke erklärt uns im Gespräch, wie das Konzept funktioniert, welche Maßnahmen getroffen werden, um sensible Patientendaten zu schützen und wie PatientCare das Gesundheitssystem entlasten könnte.

Business-on.de: Wie sind Sie auf die Idee zu PatientCare gekommen?

Thomas Stuke: In meinen über zehn Jahren beruflicher Erfahrung im Healthcare-Bereich habe ich immer wieder feststellen müssen, dass Ärzten für die Motivation und die Information von Patienten und Angehörigen viel zu wenig Zeit bleibt. In meinem direkten familiären Umfeld habe ich es dann tatsächlich erleben müssen, wie wenig Zeit sich Ärzte für ihre Patienten tatsächlich nehmen können. Neben der Medikation bleibt keine Zeit für die ebenso wichtigen Themen wie Sport, gesunde Ernährung und mentale Gesundheit. Auf der Suche nach einer Lösung für dieses Problem hat sich die Unternehmung Schritt für Schritt herauskristallisiert.

Business-on.de: Ihr Unternehmen ist in Berlin angesiedelt. Wie sieht denn aus Ihrer Sicht die ärztliche Versorgung in Berlin aus, verglichen mit dem Umland? In Großstädten gibt es ja zumindest noch recht viele Ärzte, auf dem Land eher nicht.

Thomas Stuke: Die Versorgung ist im städtischen Bereich oftmals besser als auf dem Land, das ist sicher richtig. Das geht aber nicht unbedingt damit einher, dass die Ärzte sich ausreichend Zeit für ihre Patienten nehmen können. Bei beratungsintensiven Erkrankungen würde auch ein Stunde nicht ausreichen, um alle wichtigen, die Erkrankung beeinflussenden Themen ausreichend abzudecken. Es geht ja in der Regel um Erkrankungen, die mit notwendigen Veränderungen von Lebensgewohnheiten einhergehen. Da reicht der gut gemeinte Ansatz „Sie müssen dringend abnehmen!“ in der Regel nicht aus, um tatsächlich zum Ziel zu führen.

Business-on.de: Ganz praktisch: Muss man sich als Patient einen Account einrichten? Kann man sich mit Facebook einloggen?

Thomas Stuke: Unser Ziel wird höchste Datensicherheit und bestmögliche Kontrolle über unsere Kundendaten sein. Dementsprechend werden wir nicht alle möglichen Annehmlichkeiten für unsere Kunden als höchste Priorität ansehen. Nach dem Kriterium werden wir Entscheidungen – auch des möglichen Einloggens über Facebook – treffen.

Business-on.de: Man hat es ja mit sensiblen Daten zu tun, die zwischen Patient und Arzt behandelt werden. Wie sieht es mit der Datenverschlüsselung und -verarbeitung aus?

Thomas Stuke: Bei uns wird es keinen direkt aus dem System stattfindenden Datenaustausch zwischen Arzt und Patient geben. Viele Ärzte würde eine Zusammenarbeit auch eher abschrecken, wenn wir einen direkten Austausch über das System anbieten würden. Damit müssten sie sich mit der Software vertraut machen und die Angst vor Softwareproblemen etc. würde abschrecken. Zudem würde der Arbeitsaufwand für den Arzt eher erhöht als reduziert. Per z.B. ausgedrucktem Tagebuchverlauf kann der Patient im persönlichen Arztgespräch dokumentierte Verbesserungen oder Verschlechterungen des Befindens besprechen oder direkt in der App zeigen. Da wir aber dennoch sensible Daten erheben, die für die individuelle Ausspielung der Inhalte notwendig sind, werden ISO 27001-zertifizierte Servertechnik, ein Serverstandort in Deutschland, Transportverschlüsselung etc. zu unseren Standards gehören.

Business-on.de: Ab wie vielen Patienten lohnt sich das Konzept für PatientCare?

Thomas Stuke: Das Konzept lohnt sich ab dem ersten Patienten, da wir es am Ende nicht mit einem Luxusgut zu tun haben, sondern mit Menschen, die echte Probleme haben und ohne ausreichende Hilfe da stehen. Das sollte zumindest unser Grundgedanke bei PatientCare bleiben. Vor dem wirtschaftlichen Hintergrund gehen wir – bei Einhaltung des Businessplans – von ca. 3.100 teilnehmenden Praxen Ende 2019 und 100.000 Abonnenten aus, womit wir auch schon im Jahr 2019 profitabel sein können.

Business-on.de: Welche Inhalte sind denn bisher schon abrufbar bzw. gibt es bereits eine Beta-Version?

Thomas Stuke: Um die Inhalte zu produzieren bzw. die Plattform auf den Weg bringen zu können, benötigen wir das Startkapital. Die aktiv-plattform wird eine sehr umfassende und aus programmiertechnischer Sicht aufwendige Website sein, um von Anfang an den gewünschten Zweck erfüllen zu können. Wir arbeiten an Kooperationen, um die Kosten für ein Launch-fähiges Produkt weiter reduzieren zu können.

Business-on.de: Gibt es bereits vergleichbare Portale oder ist PatientCare Pionier in dem Bereich? Und falls das der Fall ist, woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Thomas Stuke: Es gibt noch kein vergleichbares Portal. Das liegt sicher am entsprechenden Aufwand für die Umsetzung und an der Frage, wie das Ganze werbefrei und neutral finanziert werden kann. Vielleicht hat sich aus dem Grunde auch noch niemand wirklich intensiv mit der Thematik beschäftigt. Wir beziehen den Arzt mit ein und bieten nicht nur den Patienten, sondern auch den Ärzten einen echten Vorteil, womit wir zudem aufwendige Werbeausgaben für Anzeigen oder AdWords-Schaltungen etc. umgehen können, da Ärzte uns als Multiplikatoren unterstützen werden – davon sind wir überzeugt!

Business-on.de: Haben Sie unternehmerische Vorbilder und warum wären es diese?

Thomas Stuke: Es gibt keine direkten Vorbilder sondern eher viele funktionierende Ideen und Lösungen im Markt, die wir zur Unternehmung PatientCare und der aktiv-plattfrom zusammengesetzt haben. Wir erfinden die Welt ja nicht neu. Die Innovation liegt in der Zusammenführung etablierter bzw. sinnvoller Komponenten, die als Ganzes eine erfolgreiche Unternehmung ergeben werden, ergänzt durch neue Ansätze, die es dann rund machen. Etwas völlig Neues kann unglaublich erfolgreich sein, aber auch grandios scheitern. Wir haben enormes Potenzial, sehen das Risiko des Scheiterns aber aus den eben beschriebenen Punkten als geringer an.

Business-on.de: Wenn sich PatientCare durchsetzt, hat das Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. Auf welche Weise genau wird es entlastet?

Thomas Stuke: Wenn sich PatientCare durchsetzt, dann wird ein neuer Standard in der Information und Motivation einer breiten Masse der Bevölkerung eingeführt. Damit gehen sinkende Gesundheitskosten und aktiver am Leben beteiligte Menschen einher. Sehr vielen Menschen wird es einfach sehr viel besser gehen.

Business-on.de: Sie machen derzeit ein Crowdinvesting, um die Plattform in Gang zu bringen. In welcher Weise werde ich als Anleger beteiligt?

Thomas Stuke: Als Anleger haben Sie die Chance, eine beinahe Vervierfachung des eingesetzten Kapitals zu erreichen, bei Umsetzung der angepeilten Ziele im Businessplan. Die Renditechancen sind aber auch bei Nicht-Erreichen der Planzahlen sehr gut. Daneben unterstützen Sie in jedem Fall ein gesellschaftlich sehr relevantes Projekt, das den Betroffenen – sowohl den Patienten als auch den Angehörigen – helfen wird, Erkrankungen aktiv und motiviert entgegentreten zu können bzw. Angehörige und Freunde besser dabei zu unterstützen.

Zur Finanzierung des Markteintritts von PatientCare führt das Unternehmen zur Zeit eine Finanzierungsrunde über die Bio-Tech-Plattform aescuvest (https://www.aescuvest.de/patientcare) durch. Mit Beträgen ab 250 Euro können sich Privatpersonen sowie institutionelle Anleger am Unternehmen beteiligen und von dessen Entwicklung profitieren. 100.000 bis 200.000 € will PatientCare für die Programmierung und Gestaltung der Plattform sowie die Produktion von ersten Inhalten aufnehmen.

(Redaktion)


 

 

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