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  • 19.10.2015, 11:18 Uhr
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  • Berlin
INTERVIEW JASMIN TAYLOR

Unternehmensfarbe pink - alles unter einem starken Schirm

Powerfrau Jasmin Taylor von JT Touristik im Interview mit Business On in ihrer Villa und in pinkfarbenem Dekor im Berliner Westend.

Jasmin Taylor ist gebürtige Iranerin. Während des Iran-/Irak-Krieges flüchtete sie im Alter von 17 Jahren nach Deutschland. Sie machte das Abitur in Bonn und ging anschließend in die USA, um dort Psychologie und Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Nach dem Studium kehrte sie nach Deutschland zurück und machte sich im Jahr 2002 mit einem eigenen Online-Reisebüro selbstständig . Im Jahr 2008 gründete sie den Reiseveranstalter JT Touristik in Berlin. www.jt.de.

Business-on.de:Pink ist die Farbe des Unternehmens – ist es auch ihre persönliche Lieblingsfarbe (immer noch)?

Jasmin Taylor:Ja das ist sie und ich mache das mit Überzeugung: Pink ist aber auch meine Geschäfts-Farbe. Unser Logo ist ein pinkfarbener Sonnenschirm. Mit unserer Agentur ging eine umfassende Analyse von und über vorhandene Anbieter auf dem Markt voraus – und wir stellten fest: Die meisten Farben waren schon vergeben. Wir wollten aber speziell Frauen als Zielgruppe –da passt die Farbe sehr gut und erwies sich bis jetzt als beste Wahl.

Business-on.de:Wie viel Zeit verbringen Sie pro Woche in Ihrem Büro – wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

Jasmin Taylor:Das ist unterschiedlich. Nehmen wir beispielsweise diese Woche: Dann ist das die dritte Stunde im Büro – und zwar nur heute. Aber das ist unterschiedlich. Ich war am Montag in Antalya auf dem Expogelände unterwegs, habe dort ein Projekt für Freundschaft und Frieden eingeweiht und am Dienstag in Aachen und habe dort einen Vortrag bei einem Technologie-Unternehmen gehalten. Am Mittwoch hatte ich einige Termine in Essen, gestern war ich in Heilbronn und habe eine Keynote als Eröffnungsrede gehalten. Und jetzt bin ich seit 9 Uhr hier im Büro. Ich arbeite sehr gerne und das ist nicht immer nur im  Büro, sondern auch vor Ort bei Kunden und Geschäftspartnern, um neue Produkte entwickeln, die Firma zu präsentieren und mein Wissen in Form von Vorträgen weiterzugeben an Universitäten und bei anderen Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten. Dort sind dann auch viele Frauen präsent, die ich inspirieren kann. Auch mein Team ist viel unterwegs.

Business-on.de:Wollten Sie schon immer werden, was Sie jetzt sind und wie haben Sie sich vorbereitet?

Jasmin Taylor: Ich hatte immer die Vorstellung, dass ich Unternehmerin werden wollte  – ohne es konkret bis ins Detail geplant zu haben. Ich wollte jedenfalls sehr erfolgreich werden. Ich habe Psychologie studiert, habe auch sehr viele Kurse belegt im Bereich Unternehmensführung und Management, weil ich vorhatte, das Erlernte später einmal umzusetzen. Als ich dann mit dem Studium fertig war und anfing, für den Doktortitel zu promovieren – das Einzige, was ich nicht  abgeschlossen habe – habe ich angefangen, in einem Onlinereisebüro ein Praktikum zu machen und habe dann auch gleich viele eCommerce-Projekte betreut, entwickelt und organisiert. Ziemlich zügig wusste ich, dass das etwas wird, denn diese  Branche war damals (neben Büchern und CDs) die Erfolgversprechendste. Und ich fand Reisen klasse.

Business-on.de: Ihrer Meinung nach verdienen Frauen zu wenig: woran liegt das?

Jasmin Taylor:Ich denke, das große Problem von uns Frauen ist, dass wir nicht genug verlangen. Wir sind auch harmoniesüchtige Wesen und wollen alles organisieren und machen und dabei nett sein und wir wollen, dass sich alle mögen. Nur das Geld kommt dann immer ganz zum Schluss. Wir sollten selbstbewusster werden und sagen, dass man – gemessen an der Leistung – auch entsprechend Geld dafür bekommt. Denn es ist vollkommen okay, wenn wir über Geld reden. Obgleich das in der Gesellschaft meist verpönt ist. Komischerweise halten sich nur Frauen daran, Männer nicht. Wir müssen aber mehr fordern. Das ist völlig in Ordnung, weil wir auch etwas leisten – und meistens sogar mehr!

Business-on.de: Was tun Sie in Ihrem Unternehmen, um Frauen zu fördern?

Jasmin Taylor:Frauen und Männer verdienen bei uns gleich – nach gleicher Leistung. Ich motiviere und fördere unsere Mitarbeiterinnen – auch bei Partnerunternehmen. Unsere Vertriebs- und Marketingdirektorin ist im Home Office tätig – als Führungskraft. Sie hat von Anfang nicht hier in Berlin gearbeitet. So können wir auch Frauen mit Familien in Führungspositionen durch flexible Arbeitsmodelle einbinden. Das funktioniert hervorragend. Das hat auch etwas mit Vertrauen zu tun. Ich habe viel Glück und ein hervorragendes Team.

Business-on.de: Haben Sie Vorbilder / Role Models?

Jasmin Taylor:Nein, nicht wirklich. Es gibt bei uns in Persien ein Sprichwort: "Von wem hast du die Höflichkeit? Von Unhöflichen!" Es sind also eher Negativ-Vorbilder, bei denen ich wusste: so nicht! Ich bin im Iran aufgewachsen und habe viele intelligente Frauen gesehen.Alle Aktivitäten mussten dazu führen, dass der geeignete Mann einen heiratet. Nicht zur Selbstverwirklichung war die Bildung da, sondern für Mann und Familie. Ich wollte so nicht werden...

Business-on.de: Welchen Wunsch möchten Sie sich noch erfüllen?

Jasmin Taylor:Ein Leben ohne Träume ist ja kein Leben, Ich habe viele, viele Wünsche – vor allem Gesundheit. Die kann man nicht kaufen. Am meisten wünsche ich mir diese für meine Mutter, die noch im Iran lebt, so dass sie noch ein langes Leben hat.

Business-on.de: Sie sind mit 17 aus dem Iran geflüchtet. Wenn Sie jetzt die Flüchtlingsströme aus Syrien sehen, weckt das Erinnerungen?

Jasmin Taylor:Oh ja! Es ist vergleichbar. Ich war auch Kriegsflüchtling und kann diese Situation vollkommen nachvollziehen. Keiner kann etwas dafür, wo er geboren wird. Und keiner würde sein Zuhause verlassen, wenn es nicht um Leib und Leben und um die Sicherheit der Familie geht. Da, wo Stabilität im Lande herrscht, gibt es auch ganz wenige Auswanderer. Man sollte anfangen zu handeln und, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt, die Ursachen beheben. Ich selbst habe schon vor längerem mein Projekt SIS mit der AWO und Flüchtlingsfrauen hier im Familienzentrum in Spandau gestartet. Ich habe auch einen Preis dafür bekommen – aber ich habe das nicht dafür gemacht, auch nicht für Werbung, sondern dies einfach nur getan, weil es mich berührt und es auch beweist, was für tolle Frauen (und deren Kinder) das sind, die hierher kommen.

Business-on.de:Fehlt Ihnen Ihre Heimat und wenn ja, wie holen Sie diese hierher nach Berlin (z.B. Essen, Tee, Musik?)

Jasmin Taylor: Meine Heimat ist hier. Aber ich fühle mich als Weltenbürgerin und manchmal auch woanders zuhause. Das Motto meiner Wohnung ist "Persien meets Preußen" – die Berliner Gemütlichkeit ist da, aber auch persische Teppiche und der Samowar. Ich habe selten Heimweh, sondern meistens eher Fernweh.

(Redaktion)


 

 

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