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  • 29.04.2016, 14:51 Uhr
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  • Berlin
INTERVIEW / MOVIDIUS

Remi El-Quazzane: „Deutschland hat einen exzellenten Ruf im Bereich maschinelles Sehen und Maschinenintelligenz“

Der technologische Fortschritt schreitet immer weiter voran. Das Unternehmen Movidius zum Beispiel bringt Maschinen das Sehen und Wahrnehmen ihrer Umgebung bei. Business on im Interivew mit Remi El-Quazzane, CEO von Movidius.

Business-on.de: Herr El-Ouazzane: Können Sie in kurzen Worten einmal erklären, was Sie genau machen bei Movidius?

Remi El-Quazzane: Bei Movidius haben wir einen Chip, Myriad 2, entwickelt, der mit seiner starken Rechenleistung und seinem geringen Stromverbrauch überall dort eingesetzt werden kann, wo Maschinen nicht nur sehen müssen, sondern und auch verstehen, was sie sehen. Vereint mit unseren hochentwickelten Computer-Vision-Algorithmen ermöglicht der Chip uns, Geräten wie Drohnen, Robotern oder sogar Ihrem Smartphone Augen zu verleihen. Ich habe in meiner Funktion als CEO die kommerzielle Einführung von Movidius Technologie geleitet, z.B. unsere Myriad 2 Vision Processing Unit wie auch unsere Verfahren für Computer Vision-Algorithmen. In die Zeit, in der ich nun bei Movidius bin, fällt auch die Eröffnung des Hauptsitzes im Silicon Valley, die Gründung mehrerer Büros in China sowie der Abschluss von Verträgen mit Google, DJI und FLIR Systems.

Business-on.de: Sie bringen also mit Ihrem Chip Maschinen bei, zu sehen und auf ihre Umwelt zu reagieren. Welche Einsatzgebiete gibt es bisher für die von Ihnen entwickelten Chips und welche stellen Sie sich für die Zukunft vor?

Unser Schwerpunkt liegt auf der Wahrnehmungsfähigkeit: Wir möchten Maschinen dazu bringen, auf eine intelligente Weise die reale Welt zu verstehen. Dies eröffnet eine Reihe von interessanten Anwendungen für uns. Eine davon ist die Robotertechnik, wo autonome Maschinen ihre Umgebung sehen müssen, um sich sicher bewegen zu können. Ein weiterer wichtiger Bereich ist Sicherheit. So helfen wir dabei, Kameras zu entwickeln, die nicht nur Rohdaten aufzeichnen, sondern auch ihr Umfeld verstehen und Meta Daten weiterleiten können. Ein weiteres spannendes Gebiet ist Virtual und Augmented Reality (VR / AR). So müssen die neuen Headsets in der Lage sein, ihre Umgebung wahrzunehmen, um uns ein faszinierendes Erlebnis bieten zu können. Viele dieser Bereiche stecken noch in den Kinderschuhen. Daher sehen wir noch viel spannende Arbeit vor uns liegen, bis diese Geräte auf den Markt kommen. Insbesondere AR ist auf dem Weg, die neue Plattform für Personal Computing zu werden, so dass wir uns sehr darüber freuen, einen wesentlichen Beitrag in diesem Bereich liefern zu können.

Business-on.de: Besonders VR-Brillen liegen ja derzeit im Trend. Wie kommt Ihre Technik hier zum Tragen?

Remi El-Quazzane: Lassen Sie es mich so sagen: Je stärker das VR-Headset den Benutzer von der Außenwelt abschottet, desto besser muss es gleichzeitig in der Lage sein, im Namen des Nutzers sehen zu können. Das Headset muss daher sehen können, wie man sich bewegt und diese Bewegungen in die virtuelle Welt übertragen. Des Weiteren müssen die Augenbewegungen verfolgt werden, damit das Gerät automatisch anpassen kann, worauf man gerade schaut. Außerdem ist eine konstante Überwachung des Umfeldes notwendig, um nicht mit Hindernissen im Raum zusammenzustoßen. Letzten Endes gibt es im Bezug auf die Wahrnehmungsfähigkeit einige Vorgänge, die alle auf einmal und in einem hohen Tempo verarbeitet werden müssen, ohne dabei die Akkulaufzeit oder die Datenübertragungsrate zum Endgerät zu beeinflussen.

Business-on.de: Es stellt sich die Frage: Wie kommt man auf so eine Idee - und woher weiß man, dass sie umsetzbar ist? Wie war das bei Ihnen? Wer unterstützt Sie bei Ihrer Vision?

Remi El-Quazzane: Movidius wurde vor zehn Jahren von Sean Mitchel und Dr. David Moloney gegründet. Damals war es ihre Vision, einen Chip zu entwickeln, der einen besseren Datenfluss ermöglicht. Die beiden verfolgten dabei die unglaublich herausfordernde Idee, die Rechenleistung, die man normalerweise von Rechenzentren gewöhnt ist, auf ein mobiles Endgerät zu übertragen. Ein Jahrzehnt später erntet Movidius nun die Früchte dieser Idee. Dabei sind wir fest davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Schließlich geht mittlerweile fast jede Zukunftsprognose davon aus, dass Maschinen zukünftig ihr Umfeld wahrnehmen und verstehen können. Sie können sich diverse Science Fiction Werke anschauen und Sie werden feststellen, wie universell akzeptiert dieser Traum ist. Wir möchten diesen Science Fiction Traum real werden lassen. Dies treibt uns an, einige der schwierigsten Probleme im Bereich Computer Vision und Künstliche Intelligenz in Angriff zu nehmen.

Business-on.de: Movidius wurde in Irland gegründet - jetzt sitzen Sie im Silicon Valley. Warum? Welche Vorteile hatte Ihr Umzug? Und: Vermissen Sie Europa?

Remi El-Quazzane: Durch die Verlagerung unseres Hauptsitzes in das Silicon Valley sind wir in der Lage, unser Silizium wirtschaftlich bedeutend zu machen. Seit dem Umzug ist es uns gelungen, große Entwicklungsaufträge von Google und anderen an Land zu ziehen. Außerdem hilft uns die geographische Nähe zu anderen Tech-Riesen enorm, unsere Botschaft zu verbreiten. Trotzdem sind wir noch immer stark in Europa vertreten: So betreiben wir Forschungs- und Entwicklungszentren in Dublin, Irland und in Timisoara, Rumänien. Wir stellen aktiv in Europa ein und sind ständig auf der Suche nach den herausragenden  Talenten, die uns in der EU zur Verfügung stehen. Letztendlich kann ich  schwer sagen, dass ich Europa vermisse, schließlich bin ich alle paar Wochen hier.

Business-on.de: Nun sind Sie für eine Stippvisite nach Berlin gekommen. Das ist eine lange Anfahrt. Es wird gesagt, dass Sie sich hier für lokale Unternehmen interessieren - und vielleicht übernehmen wollen. Was ist da dran und für Unternehmen welcher Branchen interessieren Sie sich?

Remi El-Quazzane: Deutschland hat einen exzellenten Ruf im Bereich maschinelles Sehen und Maschinenintelligenz. Je stärker wir wachsen, desto stärker sind wir auch auf der Suche nach Teams und Technologien, die uns ergänzen können. Wir haben ein Auge auf eine Reihe von Leuten in Deutschland geworfen und ich verrate wahrscheinlich nicht zu viel wenn ich sage, dass ich wahrscheinlich meine Deutschkenntnisse aufpolieren sollte.

Business-on.de: Als Ihnen klar wurde: “Ich mache etwas Begeisterndes - und das funktioniert!” Welche Einsatzmöglichkeit Ihrer Technologie kam Ihnen als erstes in den Sinn?

Remi El-Quazzane: Ich denke, dass wir die Tragweite unserer Technologie 2014 begriffen haben, als Google sein Project Tango Handy vorstellte, welches durch Myriad Prozessoren betrieben wurde. Dieses Gerät hatte einige wilde neue Features wie 3D-Tiefenerkennung und Objektverfolgung, und war seiner Zeit um einiges voraus. Heute sehen wir wie Handys, Tablets und Headsets diese Technologie nutzen. Aber damals war es ziemlich surreal, dass es ein Gerät gab, das mit Hilfe unseres kleinen Chips arbeitete. Ich werde jeden Tag daran erinnert, wie wegweisend die Arbeit meines Teams ist und es sind die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, angefangen von Smart Sensors bis zu selbständig fliegenden Robotern, die mich ständig aufs Neues motivieren.

Weitere Informationen unter: http://www.movidius.com 

(Redaktion)


 

 

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