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  • 29.11.2016, 10:22 Uhr
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  • Berlin
INTERVIEW / RICAM HOSPIZ

Maik Turni: „Es würde mich sehr freuen, wenn unsere Aktion gerade in der Weihnachtszeit viel Zuspruch erhält, gern auch von Unternehmen.“

Das Ricam Hospiz wurde 1998 als erstes stationäres Hospiz in Berlin eröffnet. Business On interviewt hierzu Maik Turni, Vorstand und Pressesprecher der Ricam Hospiz Stiftung, auch aktuell auf youtube (Business Berlin TV).

Business-on.de: Was waren die Beweggründe, das Ricam Hospiz in Berlin zu gründen?

Maik Turni: In erster Linie ging es darum, sterbenskranken Menschen beizustehen, ihre Beschwerden zu lindern und ihnen ein Umfeld zu schaffen und in dem sie sich wohl fühlen können und umgeben sind von Menschen, die ihnen nahe stehen. Die Angehörigen und Freunde sollten stark einbezogen werden, sich aufgefangen fühlen in ihrer emotionalen Not und Verzweiflung. Und nicht zuletzt sollten die helfenden Professionen ihren hohen Anspruch an ihrer Arbeit auch tatsächlich verwirklichen können.

Das alles war Mitte der 90er Jahre nicht möglich. Da starben die meisten Menschen in Deutschland im  Krankenhaus. Deshalb entschieden zwei mutige Krankenschwestern in Berlin, dass sie das ändern wollen. Weit und breit gab es damals kein Hospiz. Sie hatten kein Geld, nur eine Idee - und ihre Idee war ansteckend. Sie wollten ein Hospiz in Berlin und sie fanden viele Unterstützer, die das Ricam Hospiz mit aufbauten.

Business-on.de: Was hat sich seither verändert – bei Ihnen und auch bei anderen Hospizen?

Maik Turni: Vieles hat sich verbessert seit der Gründung des Ricam Hospizes. Berlin- und deutschlandweit sind zahlreiche weitere Hospize entstanden, in denen Menschen würdevoll leben können bis zuletzt. Doch noch immer stirbt jeder zweite im Krankenhaus. Für viele sterbenskranke Menschen reichen die existierenden Hilfsangebote zuhause nicht aus. Das wollen wir ändern. Wie vor etwa zwanzig Jahren leisten wir nun wieder Pionierarbeit, indem wir ein Tages-Hospiz aufbauen, das flexiblen Hospiz-Angebote decken kann. Damit Menschen bis zuletzt zu Hause bleiben können und zugleich sicher und gut versorgt sind.

Business-on.de: Das Thema Sterben und Sterbebegleitung ist immer noch ein Tabuthema – wie wirken Sie entgegen – was ist die Herausforderung in der Öffentlichkeitsarbeit?

Maik Turni: Tatsächlich macht der überwiegende Teil der Menschen einen Riesenbogen um Themen wie Tod, Trauer und Sterben.

Die erste kommunikative Hürde ist die Bildwelt: Die Vorstellung, die sich viele von einem Hospiz machen, gleicht nicht selten den Bildern, die wir von Feldlazaretten aus dem 1. Weltkrieg haben. Wie üppig und intensiv in einem Hospiz gelebt wird, wissen eben nur die Betroffenen und deren Angehörigen, die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Die zweite Hürde ist die Haltung des Verdrängens. Oft höre ich: „Ja, ich weiß, Hospiz, das ist ein wichtiges Thema, aber da befasse ich mich erst, wenn es für mich soweit ist. Noch lebe ich ja.“

Und die dritte, aber längst nicht die letzte Hürde: Die Hospizarbeit ist nur denkbar durch breite gesellschaftliche Unterstützung in Form von ehrenamtlichen Engagement und Spenden. Das heißt, wir müssen auch immer um Unterstützung bitten und damit die Bitte in die Welt kommt, braucht es ja auch Mittel – Ideen, Papier, Druckkosten, Webseiten, Events…

Business-on.de: Sie haben gerade die Kampagne „Ein Augenblick Leben“  gestartet, um Spenden für den Aufbau des ersten Tageshospizes für Erwachsene in Berlin zu werben. Was ist ein Tageshospiz?

Maik Turni: Ein Tageshospiz ist eine teilstationäre Einrichtung, das von Menschen mit einer lebensverkürzenden Erkrankung tageweise genutzt werden kann. Menschen sollen sich nicht mehr aus der Not heraus entscheiden müssen, ob sie ihr Zuhause für immer aufzugeben, um ins Hospiz zu gehen. Stattdessen sollen sie tageweise das Hospiz nutzen dürfen – und zwar dann, wenn sie es brauchen.Sie können dort mit anderen Menschen gemeinsam Zeit verbringen, lindernde Therapien erhalten, den Alltag gestalten und später wieder mit der Familie am Abendbrotstisch sitzen. Trotz schwerer Erkrankung bleibt dann das Zuhause als Lebensmittelpunkt erhalten. Und wie damals, als die beiden Krankenschwestern das erste stationäre Hospiz aufgebaut haben, brauchen wir nun viele Unterstützer. Denn wir wollen das erste Tageshospiz in Berlin aufbauen – damit das Leben zuhause möglich bleibt, bis zuletzt.

Business-on.de: Wie kann man den Aufbau unterstützen – gerade auch zur Weihnachtszeit?

Maik Turni: Beteiligen Sie sich an unserer Aktion: „Ein Augenblick Leben!“. Unsere Aktion fragt: Wenn es möglich wäre, einen schönen Augenblick des eigenen Lebens zu geben, jemandem dem nur wenig Lebenszeit bleibt, welcher wäre es? Am Ende ist Lebenszeit das kostbarste Gut. Schicken Sie ein Foto eines schönen Augenblicks, den Sie erlebt haben an Freunde und erinnern Sie mit diesem Foto Ihr Umfeld daran, wie wichtig jeder Augenblick im Leben ist. Gerade für Menschen, die vielleicht das kommende Weihnachtsfest nicht mehr erleben. Bitten Sie mit diesem Foto ihre Freunde um mindestens einen Euro für den Aufbau des ersten Tageshospizes für Erwachsene in Berlin zu spenden.

Spenden kann man direkt auf der Website: www.ein-augenblick-leben.de und natürlich auch auf Facebook. Welchen Augenblick würden Sie geben? Es würde mich sehr freuen, wenn unsere Aktion gerade in der Weihnachtszeit viel Zuspruch erhält, gern auch von Unternehmen. Stellen Sie ihr Unternehmen vor – posten Sie einen Augenblick und sammeln Sie unter den Mitarbeitern. Es muss eben nicht der große Spendenscheck sein. Jeder gespendete Euro ist eben immer ein Euro mehr!

 Mehr Informationen auf der Homepage des Ricam Hospiz http://www.ricam-hospiz.de/

Ein Interview mit Maik Turni gibt es auch aktuell auf Business on Berlin TV

produziert von Video Studio Berlin

http://videostudioberlin.com
publisht von Easy Video Marketing
http://www.easyvideomarketing.de/

(Redaktion)


 

 

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