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  • 11.01.2017, 17:26 Uhr
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  • Berlin
INTERVIEW / STEADY

Sebastian Esser: „Steady ist kontinuierliches Crowdfunding ohne Drama.“

Business On-Interview mit Sebastian Esser, Geschäftsführer von Steady - einer neuen Crowdfunding-Plattform, mit Sitz in Berlin, die Produzenten von digitalem Content dabei hilft, monatlich finanzielle Unterstützung ihrer Community zu bekommen.

Business-on.de: Was genau macht Steady?

Sebastian Esser: Steady ist eine Plattform, die aus dem Publikum von digitalen Publishern zahlende Unterstützer macht. Wir bieten ein komplettes System zum Erstellen einer Kampagne an, die deine Community motiviert, für deinen Content einen kleinen monatlichen Betrag zu zahlen. Steady kümmert sich dabei um all die nervigen Details, die anfallen, wenn man mit Geld zu tun hat und behält dafür zehn Prozent Provision ein.

Business-on.de: Was hat zu der Idee Steady inspiriert? Welche Vorgeschichte haben die Gründer?

Sebastian Esser: Wir alle veröffentlichen schon lange selbst im Internet und beschäftigen uns mit der Frage, wie Publisher Geld verdienen können mit dem, was sie am liebsten machen: Schreiben, Musik machen, Bloggen, Open-Source-Code entwickeln, Podcasting oder Videoproduktion. Darum haben wir zum Beispiel schon eine Crowdfunding-Plattform für Journalismus gegründet und das digitale Magazin Krautreporter gestartet, dass sich völlig ohne Werbung ausschließlich durch die Beiträge seiner Mitglieder finanziert. Dabei haben wir gelernt: Es ist im Detail verdammt kompliziert, so etwas aufzusetzen – regelmäßige Zahlungen, Rechnungslegung, unterschiedliche, europaweite Mehrwertsteuerabrechnungen und vor allem das Vermarkten. Wie mache ich aus meinen Lesern zahlende Abonnenten? Das Ergebnis: Steady.

Business-on.de: Auf Ihrer Homepage heißt es, dass Steady erprobte Techniken des Crowdfundings nutzt. Inwiefern unterscheidet sich das Modell von Steady vom klassischen Crowdfunding?

Sebastian Esser: Der wichtigste Unterschied: Bei Steady geht es um regelmäßige Zahlungen statt einmalige Projekte. Es gibt kein Alles-oder-nichts, keine tickende Zeitbombe, kein Betteln. Stell es Dir so vor: Unsere Kunden verkaufen mit Hilfe von Steady Abos. Damit das klappt, nutzen wir einige der Vermarktungstechniken, die Crowdfunding so erfolgreich machen: Die persönliche Ansprache, die Transparenz, die Möglichkeit, durch Ziele und Fortschrittsbalken Dringlichkeit zu erzeugen. Steady ist kontinuierliches Crowdfunding ohne Drama. 

Business-on.de: Sie sind von Googles Digital News Initiative (DNI) gefördert, was erhofft Steady sich von der Unterstützung?

Sebastian Esser: Vor allem hat uns die finanzielle Förderung durch Google ermöglicht, Steady zu entwickeln und zu starten und digitalen Publishern ein neues Geschäftsmodell zu ermöglichen. Darüber hinaus erhoffen wir uns eigentlich nichts.

Business-on.de: Inwieweit glaubt ihr, von den Problemen des Printwesens im Magazin- und Zeitungsbereich zu profitieren und bessere Alternativen bieten zu können?

Sebastian Esser: Viele Menschen lesen heutzutage einfach nicht mehr gern gedruckte Medien, sondern sind es gewohnt, auf dem Handy oder am Laptop zu lesen und in sozialen Netzwerken die Inhalte zu finden, die sie interessieren. Für diese Leute gibt es fast nur Medien, die sich mehr schlecht als recht über Werbung finanzieren müssen, das klappt nicht besonders gut. Wir wollen also geruckte Medien nicht verdrängen oder ersetzen, sondern für jüngere, digital orientierte Publisher einen einfachen Weg schaffen, Geld mit ihrer Arbeit zu verdienen.

Business-on.de: Im Moment entfachen Fake-News Seiten wie beispielsweise die rechtspopulistische US-Internetseite “Breitbart News” heftige Debatten in der Gesellschaft. Welche Regulierungsmechanismen gibt es bei Steady, um dem Problem der Fake-News vorzubeugen bzw. dies zu kontrollieren?

Sebastian Esser: Alle Publisher auf Steady stimmen unserem Inhaltekodex zu. Sollte jemand gegen diese Regeln verstoßen, können wir seinen Account sperren.

Business-on.de: Wie schätzen Sie die Zahlungswilligkeit der Konsumenten ein? Online-Nachrichtenportale finanzieren sich über Werbung. Games setzen auf das Freemium-Modell. Ist das Abo-Modell nicht überholt?

Sebastian Esser: Im Gegenteil: Viele eurer Leser haben heute wahrscheinlich mehr Abos als je zuvor: Spotify, Netflix, Amazon Prime, New York Times und so weiter. Alle mir bekannten Studien sagen, dass die Zahlungswilligkeit der Nutzer stark zunimmt und auch ein immer höherer Anteil der User tatsächlich für Inhalte zahlt.

Business-on.de: Was wird der Fokus im Angebotsspektrum von Steady sein?

Sebastian Esser: Da wir selbst aus dem Journalismus kommen, sprechen wir jetzt zum Start vor allem Publisher an, die wir kennen. Wir freuen uns aber über jeden Nutzer, der Steady für sein Projekt einsetzen will. Sprecht mit uns!

Business-on.de: Wo seht ihr Wachstumspotentiale? Wo seht ihr euch selber in 5 Jahren?

Sebastian Esser: Wir glauben, dass es in einer Welt, in der jeder von uns täglich digital publiziert – auf Facebook, Twitter, Instagram und so weiter – ein Werkzeug braucht, dass es jedermann ermöglicht, etwas zurück zu geben. Diese Arbeit hat Respekt verdient. Und jetzt auch Geld.

Mehr Informationen auf Steady 

(Redaktion)


 

 

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