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  • 03.12.2015, 12:05 Uhr
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  • Berlin
Interview / Verband

Jubiläumsrückblick und Kritik am Nannystaat

Michael von Foerster, Hauptgeschäftsführer vom Verband der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR) mit Interview mit Business on: Er blickt mit Stolz auf das Jubiläum zurück, sieht aber auch einen langen und steinigen Weg vor sich.

Business-on.de: Jubiläumsrückblick: Was sind die Highlights in Ihrem Verband bis dato? Worauf sind Sie besonders stolz?

Michael von Foerster: Der Verband der deutschen Rauchtabakindustrie kann mit Stolz auf eine 95-jährige erfolgreiche Arbeit zurückblicken. Wir haben es geschafft, uns als die älteste Stimme der mittelständischen Feinschnitt-, Pfeifentabak sowie Kau- und Schnupftabakindustrie in Deutschland zu etablieren und als wichtiger Ansprechpartner für Politik und Medien Gehör zu finden.

Business-on.de  Wir stehen für mittelständisches Unternehmertum, Tabakkultur, Vielfalt, Individualität und Genuss, als gelebte Prämissen und Werte. Dies ist gerade in der heutigen Zeit, wo wir mit einer sehr starken Regulierung bis hin zur Strangulieren der Tabakwirtschaft zu kämpfen haben, von besonderer Bedeutung.

Business-on.de Was möchten / müssen Sie in Zukunft in der Verbandarbeit Angriff nehmen?

Michael von Foerster: Unser wesentliches Ziel ist es, den Verband nach dem Umzug von Bonn nach Berlin neu aufzustellen, um am Sitz der Bundesregierung im Sinne unserer mittelständischen Unternehmen noch intensiver als bislang als diestarke Stimme der Tabakindustrie Gehör zu finden. Wir wollen am Puls von Politik und Medien als mittelständische Tabakindustrie wichtiger und legitimierter Gesprächspartner zu allen Fragen rund um Tabakgenuss und Tabakkultur sein.

Unser Ziel ist daher ein sachgerechter Umgang mit Tabakerzeugnissen. Wir wollen einen neuen, offenen Diskurs begründen, der die gesundheitliche Aufklärung stärkt und Tabakgenuss weiterhin gleichberechtigt als Kulturgut in der Gesellschaft verankert. Dies wird sicher ein langer und zuweilen steiniger Weg. Aber wir haben den Willen und den langen Atem diesen Weg gemeinsam mit den wesentlichen Stakeholdern zu beschreiten.

Business-on.de Was möchte der Verband gerne generell (politisch) geändert haben?

Michael von Foerster: Die Tabakwirtschaft ist die am stärksten regulierte Branche Deutschlands und Europas. Bei aller sinnvollen Regulierung, zum Beispiel im Bereich des Jugendschutzes, darf es nicht Ziel der politisch handelnden Akteure sein, eine ganze Branche und speziell dessen mittelständische Unternehmen „kaputt zu regulieren“.

Schaut man sich die aktuelle Regulierungswut bei Tabak, Ölkännchen, Duschköpfe usw. an, drängt sich zudem der Eindruck eines zutiefst paternalistischen Weltbildes auf. Ich bin der Überzeugung, dass sowohl die Bundesregierung als auch die Europäische Kommission von einem Weltbild des grundsätzlich mündigen und Verbrauchers ausgehen sollte und nicht über die Hintertür den sogenannten „Nannystaat“ einführen darf. Wenn Wirtschaft und Verbraucher in der Folge nicht mehr bereit oder in der Lage wären eigene Entscheidungen zu treffen und für diese auch Verantwortung zu übernehmen käme eine Gesellschaft sehr schnell an ihre Grenzen hinsichtlich Ideen und Innovationskraft. Dies würde nicht nur die Wirtschaft nebst Arbeitsplätzen gefährden, sondern die Menschen in einer pluralistischen und freien Gesellschaft zu willfährigen und verantwortungslosen und an der kurzen Leine zu haltenden Herde von Schafen herabsetzen.

(Redaktion)


 

 

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