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Jens Kammerer: “Die bunte Mischung ist unser Erfolgsrezept, da Jaumo ebenfalls bunt ist”

Jaumo ist unter den Dating-Apps ein Pionier in Sachen New Work, denn das Unternehmen funktioniert zu 100% remote. Business on befragt einen der Gründer, Jens Kammerer dazu.

Jens Kammerer: “Die bunte Mischung ist unser Erfolgsrezept, da Jaumo ebenfalls bunt ist”

Jaumo ist unter den Dating-Apps ein Pionier in Sachen New Work, denn das Unternehmen funktioniert zu 100% remote. Grund genug, einen der Gründer, Jens Kammerer, zu fragen, wie ihnen das gelingt.

Business-on.de: Könnten Sie für alle, die Jaumo noch nicht kennen, Ihr Unternehmen ganz kurz vorstellen?

Jens Kammerer: Sehr gerne. Mein Studienfreund Benjamin Roth und ich gründeten Jaumo 2011. Für uns standen seit Beginn unsere Nutzer im Fokus und wir passen unsere App kontinuierlich an ihre Bedürfnisse an. Mit unserer App stellen wir nicht nur eine Plattform zum Online-Dating bereit, sondern helfen unseren Nutzern aktiv dabei, erfolgreich den richtigen Partner zu finden. So haben wir jetzt bspw. weitere Auswahlmöglichkeiten integriert, damit unsere Nutzer noch besser miteinander matchen. Lange haben wir zwei ganz allein das Unternehmen gestemmt, aber jetzt beschäftigen wir 24 Mitarbeiter weltweit.

Business-on.de: Jaumo arbeitet, im Gegensatz zu anderen Dating-Apps, zu 100% remote. Wie schafft und erhaltet ihr ein gutes Arbeitsklima trotz kilometerweiter Entfernungen?

Jens Kammerer: Bei 24 Mitarbeitern in 14 Ländern ist die Kommunikation einer der wichtigsten Aspekte, um das Verständnis zu fördern und ein gesundes Arbeitsklima zu kreieren. Daher finden bei uns wöchentliche, gemeinsame Videocalls statt, um alles Wichtige zu besprechen. Menschen wollen sich aber auch mal nur über Privates austauschen und nicht immer nur über die Arbeit reden, dafür gibt es bei uns zwei Mal im Monat einen “Coffee Talk” per Video-Konferenz. Trotz ständiger Verbundenheit und Kommunikation über das Internet, darf, meiner Meinung nach, der persönliche Kontakt nicht fehlen. Um den Teamgeist weiter zu fördern, treffen wir uns einmal im Jahr irgendwo auf der Welt - das letzte Mal in Dubrovnik, in Kroatien. Hier standen der Austausch und gemeinsame Spaß im Vordergrund.

Business-on.de: Bei so vielen Mitarbeitern überall auf der Welt wirft nicht nur die Zeitverschiebung Probleme auf. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit und Kommunikation auf kultureller Ebene?

Jens Kammerer: Mit sehr unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten, die alle einen anderen kulturellen Hintergrund mit in das Unternehmen bringen, bietet vor allem viele Vorteile. Die bunte Mischung ist unser Erfolgsrezept, da Jaumo ebenfalls bunt ist und unterschiedliche Menschen aus aller Welt anspricht. 

Zur Zeitverschiebung kann ich sagen, dass es bislang immer eine Überlappung von wenigstens ein paar Stunden pro Tag im Team gibt, so dass man gemeinsame Zeit für Gespräche oder Calls hat. Die Kommunikation kann aber durchaus auch vollständig asynchron sein, da vieles z.B. über Slack ausgetauscht wird. Allerdings muss man hier viel mehr und auch anders kommunizieren. Man läuft sich beispielsweise nicht täglich mehrfach im Büro über den Weg - dies muss anderweitig aufgefangen werden. Auch ist es üblich, dass man viel und ausführlich kommentiert. Es ist generell wichtig, dass man sich gut schriftlich ausdrücken kann. Natürlich in Englisch….

Business-on.de: Welche Vorteile hat es euch gebracht, das Unternehmen auf Remote-Arbeit zu basieren? 

Jens Kammerer: Einerseits können wir weltweit nach qualifizierten Mitarbeitern suchen und erhalten auch Bewerbungen aus den verschiedensten Ländern. Dabei müssen wir auch nicht mehr darauf achten, ob sie nach Deutschland, oder gar Göppingen, ziehen wollen. Wir mussten auch keine große Stadt mit teuren Mieten als Hauptsitz für Jaumo wählen. Mit hohen Kosten und Mehraufwand wegen Büroräume hatten wir nämlich bereits so unsere Erfahrungen und wollten das von Anfang an vermeiden. Andererseits können viele Remote-Mitarbeiter ohne bürotypische Störungen konzentrierter arbeiten. Das Essentielle sind die Arbeit und die Kommunikation via Slack.

Business-on.de: Welche Herausforderungen haben sich aus diesem Arbeitsmodell ergeben?

Jens Kammerer: Die bedeutendste Herausforderung ist und bleibt die Zeitverschiebung und das Wegfallen des bisher üblichen Arbeitsalltags, bei dem man gemeinsam einen Kaffee trinken oder etwas essen kann. Ich denke aber, dass wir diese Herausforderung durch unseren Fokus auf die Kommunikation gut meistern.

Business-on.de: Wie läuft ein Bewerbungsprozess bei euch ab?

Jens Kammerer: Man kann sich unter careers.jaumo.com die offenen Stellen anschauen und online bewerben. Dort wird auch der Bewerbungsprozess vorgestellt: Zuerst füllt man einen Fragebogen aus und sendet die vollständige Bewerbung mit Lebenslauf ein. Nach einem Online-Test findet für geeignete Kandidaten ein so genanntes “Job Fit Interview” statt, welches ich selbst führe. Hier will ich herausfinden, ob der Kandidat zum Unternehmen passt und auch wir als Unternehmen zum Bewerber passen. Anschließend wird je nach Position eine Hausaufgabe gegeben, welche die Basis für ein so genanntes “Skills Interview” ist. Dies wird gemeinsam mit dem Team und dem Bewerber geführt, so dass sich alle kennen lernen. In diesem Gespräch geht es vor allem um die fachliche Eignung. 

Business-on.de: Inwieweit trägt eine 100%ige Remote-Arbeit zu einem “lean business” bei?

Jens Kammerer: Beim “lean business” geht es um die Optimierung und Effektivität von Prozessen, die im Unternehmen stattfinden. Dabei soll mit höchstmöglicher Effizienz die Kundenzufriedenheit gesteigert und die Kosten gering gehalten werden. Remote-Mitarbeiter können sich meist besser fokussieren, da sie ohne weitere Störungen und Komplikationen arbeiten. Dadurch sind die Arbeitsprozesse bereits optimiert und effektiver. Damit die Zusammenarbeit über mehrere Länder und Zeitzonen hinweg funktioniert, müssen Aufgaben, Prozesse und Abläufe vorher und immer wieder genau definiert und verbessert werden. Also würde ich sagen, dass beide Konzepte sich ergänzen.

Business-on.de: Was würden Sie anderen Gründern in Bezug auf die Remote-Arbeit empfehlen? Eignet sich dieses Arbeitsmodell für jedes Unternehmen?

Jens Kammerer: Bei Unternehmen, die Apps und Software zu ihren Produkten zählen, kann ich das Remote-Arbeitsmodell definitiv empfehlen, da hier die Arbeitsprozesse allein schon wegen der Produkte rein digital ablaufen. Bei Unternehmen mit anderen, analogen Produkten müssen allerdings noch andere Faktoren berücksichtigt werden.

Mehr Informationen unter: https://www.jaumo.com/de/


(Redaktion)


 

 

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