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  • 31.05.2019, 13:49 Uhr
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Paul Claudius: "STOs sind eine Weiterentwicklung von ICOs"

Business On Berlin im Interview mit dem Gründer und CEO der digitalen Fundraising-Plattform für private Anlageobjekte, Blockstate.

 Business-on.de: Wie unterscheiden sich STOs von ICOs und was ist der Unterschied zum herkömmlichen Crowdfunding-Investment?

Paul Claudius: STOs sind eine Weiterentwicklung von ICOs. ICOs gewähren Investoren den Zugang zu einer Art Anbieter-internen, digitalen Währung, die für spezifische Dienstleistungen eingelöst werden. In diesem Kontext werden diese „Coins“ oder „Tokens“ auch „Utility Tokens“ genannt. Utility Tokens beziehen ihren Wert vor allem aus zwei Faktoren: Der Glaube des Marktes an die Nachfrage nach der entsprechenden Dienstleistung und damit indirekt auch nach der erforderlichen Währung und Spekulation an Sekundärmärkten für Utility Tokens. Utility Tokens sind also nicht an reale Vermögenswerte gebunden und im Zuge des ICO-Hypes haben viele, besonders kleinere Anleger große Teile ihres Vermögens verloren – teils durch eine Informationsasymmetrie bei der große Fische durch Insider-Trading große Gewinne auf Kosten der kleineren Anleger einfuhren, teils durch betrügerische Aktivitäten der Emittenten. Security Tokens lösen dieses Problem, indem reale Vermögenswerte an die Tokens gebunden sind – komplett reguliert. Sie spiegeln quasi Besitz in digitaler Form wieder und ermöglichen durch ihre digitale Natur nicht nur sehr viel schnellere und günstigere Transaktionen, sondern auch eine sehr viel günstigere und flexiblere Gestaltung der unterliegenden Verträge. Security Tokens sind also eine technologische Basis, die es ermöglicht, sehr viel günstiger und effizienter Crowdfunding zu betreiben. Gleichzeitig ist diese Form der Finanzierung allerdings auch in anderen Fällen interessant. So können beispielsweise auch Angebote an Private Equity-Firmen oder andere professionelle und institutionelle Investoren attraktiver gestaltet werden, denn wo Geld gespart werden kann, bleibt am Ende mehr für die Besitzer übrig und Vorteile wie eine erhöhte Liquidität werden von allen Arten von Investoren gerne gesehen.

Business-on.de: Welche Vorteile bietet die Tokenisierung für Unternehmen und Anleger?

Paul Claudius: Tokenisierung bietet im Grunde die gleichen Vorteile wie traditionelle Kapitalmärkte, nur werden diese sehr viel einfacher und effizienter zugänglich. Zunächst können eine Reihe von Aufgaben in der Wertschöpfungskette des Finanzmarktes durch die Blockchain automatisiert abgewickelt werden, ohne dass es einer Vielzahl von Intermediären bedarf, die Prozesse verlangsamen und verteuern. Emittenten wird es dadurch also möglich, eine Kapitalmarktinfrastruktur zu nutzen, ohne die bisher gewöhnlicherweise sehr teuren Prozesse und Intermediäre. Die digitale Natur von tokenisierten Vermögenswerten erlaubt außerdem sogenanntes „Fractional Ownership“ – Tokens können theoretisch unendlich klein geteilt werden, was Investments, die bislang nur über hohe Investment-Tickets zugänglich waren, für kleinere Anleger möglich macht. Außerdem wird erwartet, dass durch die geringen Transaktionskosten sowie die einfache Übertragung von Tokens an Dritte sehr viel mehr Liquidität auf Sekundärmärkten entstehen wird, was Investments für Investoren sehr attraktiv macht und im Umkehrschluss Emittenten höhere Bewertungen ihrer Vermögenswerte erlaubt.

Business-on.de: Warum wird BlockState nach Schweizer Recht reguliert?

Paul Claudius: BlockState ist eine Schweizer Firma mit einer Betriebsstätte in Berlin. Die Entscheidung, in Zug zu gründen war aus zwei Gesichtspunkten sinnvoll. Erstens ist die Schweiz in Sachen Regulierung und Implementierung der Technologie Vorreiter. Regulatorische Klarheit mindert das unternehmerische Risiko enorm – gerade im Finanzmarkt ist dies von großem Wert. In Deutschland müssen wichtige Entscheidungen noch getroffen werden – der Regulator bewegt sich hier noch relativ langsam. Zweitens, und sicherlich diesem Umstand geschuldet, existiert in der Schweiz ein sehr viel lebendigeres Ökosystem rund um die Technologie, was für die Geschäftsentwicklung sehr förderlich ist.

Business-on.de: Was für Vermögenswerte wird BlockState in naher Zukunft tokenisieren?

Paul Claudius: Bei den ersten Tokenisierungsprojekten wird es sich vor allem um Unternehmensanteile, Anleihen und Immobilien handeln. Gerade KMUs haben oft nicht die finanziellen Mittel, Anleihen zu strukturieren und klassisches Equity-Crowdfunding bietet nicht die Vorteile, die Security Tokens bieten, insbesondere im Hinblick auf Liquidität. Interesse besteht allerdings bei sehr vielen sehr unterschiedlichen Vermögenswerten. Weitere Projekte werden in Kürze angekündigt.

Business-on.de: Wie wird sich der Investmentmarkt in den nächsten Jahren entwickeln?

Paul Claudius: Wir erwarten, dass in den kommenden 20-30 Jahren ein Großteil der globalen Vermögenswerte digitalisiert werden. Das wird finanzielle Inklusion nicht nur für Anleger sondern auch für Emittenten vorantreiben. Der Kapitalmarkt wird nach und nach entschlackt und von vielen kostentreibenden Intermediären befreit, die bislang zwar notwendig waren, durch Blockchain Technologie allerdings ersetzt werden können. Darüber hinaus werden wir nicht nur eine größere Zahl von Investmentmöglichkeiten sehen, sondern auch neue Arten von Investments. So ist zum Beispiel denkbar, dass beispielsweise auch Sportler, einzelne Produktlinien oder Maschinen oder Kunst über neue, öffentliche Kapitalmarktstrukturen investierbar werden.

Mehr Informationen auf : www.blockstate.com

(Redaktion)


 

 

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