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Werner Heinen

Ist Hyperinflation die Lösung für die drohende Verschuldung aus der Finanzkriese?

Dramatische Kursverluste an den internationalen Börsen, Geschäftsbanken am Rande der Zahlungsunfähigkeit und mit Island und Ungarn zwei Länder vor dem Staatsbankrott. Die Finanzkrise hat erneut zugeschlagen und allen Beschwichtungsversuchen zum Trotz, ist die Krise damit bei weitem noch nicht ausgestanden. Schadenfreude oder ein erfreutes: „Wir haben es ja immer schon gewusst“, sind in einer derartigen Situation nicht angebracht. Gerade weil die Konjunkturzyklustheorie der Wiener Schule der Ökonomie gute Gründe anführt, warum die Krise noch gar nicht richtig begonnen hat.

Sie liefert eine profunde Orientierung, wie die beschlossenen Rettungsmaßnahmen die nahe Zukunft beeinflussen werden. Die im Eilzugstempo beschlossen Bankenrettungspläne, mögen zu einer kurzfristigen Erholung führen. Die Aufdeckung der von der Inflationierung der Geldmenge hervorgerufenen Verzerrung in einer Rezession, schieben diese Maßnahmen allerdings bloß auf. Denn den Schaden hat das inflationistische Geldwesen und Geschäftsbankensystem schon angerichtet. Sich diesen Fehler einzugestehen und die Konsequenzen dieses Handelns auszustehen, wäre ein Gebot der Vernunft.
 
Eine scharfe, wenngleich nicht allzu lange Rezession, würde die strukturellen Verzerrungen entzerren. Besonders stark von dieser Entzerrung betroffen, wären jene Branchen die von der Inflationierung überdurchschnittlich stark profitierten. Dazu sind neben den Banken und Versicherung speziell die kapitalintensiven Branchen, wie etwa die Baubranche zu zählen. Die Rezession vernichtet allerdings keine Werte. Sie leitet die fehlinvestierten Mittel wieder in jene Produktionsprozesse um, die von den Konsumenten tatsächlich nachgefragt werden. Diese Heilungsphase legt damit das Fundament für eine nachhaltige Wohlstandsmehrung.
 
Werden hingegen die beschlossenen 'Hilfsmaßnahmen' in die Realität umgesetzt, steuern wir direkt auf eine hyperinflationäre Entwicklung zu. Es ist schlichtweg unmöglich strukturelle Verzerrungen mit monetären Mitteln zu bekämpfen. Ebenso unmöglich ist es, den Wohlstand durch inflationistische Konjunkturankurbelungsprogramme nachhaltig zu mehren. Mehr Geld, mehr Liquidität und höhere Schulden führen nur zu höheren Preisen. Der nachhaltigen Wohlstandsmehrung geht dagegen eine erhöhte Sparneigung voraus und diese verlangt eine Verhaltensänderung der Menschen Die kurzfristige Bedürfnisbefriedigung muss einer langfristig orientierten Zielsetzung weichen.
 
Wie tief verwurzelt das Unverständnis über die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten unter den Experten ist, zeigt beispielhaft der amtierende Vorsitzende der amerikanischen Zentralbank, Ben Bernanke. In seinem Lehrbuch „Principles of Economics“ bezeichnet er die Große Depression der 1930er Jahre als den „Heiligen Gral der Makroökonomie“. Eine Wiederholung der damaligen Geschehnisse sei nunmehr ausgeschlossen, weil er und mit ihm die meisten Geldtheoretiker, die Lektion aus der Großen Depression gelernt hätten, versichert uns Bernanke in seinem Lehrbuch. Aus dem Hut zaubert er kein Kaninchen, sondern von den Zentralbanken und Regierungen zu koordinierende Inflationierung als Allheilmittel. Damit verschreibt er als Medikament jenes Mittel, das den Hauptgrund für die gegenwärtigen Probleme darstellt. In den Augen der Zentralbanker müssten die Zentralbanken nur zur rechten Zeit inflationieren und dann könne die Rezession auf ewig hinausgezögert werden.
 
Vor dem Hintergrund dieser tief sitzenden Illusion stehen die Zeichen bei mittlerer Sicht auf Sturm. Weil die Notenpresse als Allheilmittel angesehen wird und steigende Aktienkurse in der Presse und unter den Politikern ein Freudengeschrei auslösen, (wer freut sich dagegen über steigende Brotpreise?) scheint eine Hyperinflation derzeit der wahrscheinlichste Weg aus dem Schlamassel der überbordenden Verschuldung. Und nur mehr als dreist kann das Vorgehen der meisten Politiker und Ökonomen bezeichnet werden, die eine Staatsgarantie für die Bankeinlagen zunächst gefordert und mittlerweile gegeben haben. Schließlich läuft diese Sicherung darauf hinaus, dass die Bürger ihre unsicheren Sicht- und Sparguthaben mit ihren eigenen (zukünftigen) Steuerzahlungen garantieren. Zudem bezieht sich die Garantie nur auf die nominelle Höhe der Ersparnisse und mit Hilfe der Notenpresse kann dieses Versprechen zweifellos eingehalten werden. Allerdings wiederum nur um den Preis einer Hyperinflation.

(Werner Heinen)


 


 

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1 Kommentar

von Ploppy8
17.11.10 20:58 Uhr
Die Konsumenten als Statisten

Der Autor hat die hart arbeitenden Menschen , die letztendlich die Wirtschaft mit Arbeits- und Kaufkraft real darstellen , nur kurz als "Konsumenten" umrissen, von denen er eine "Sparneigung" verlangt.
Wenn diese aber mitansehen , wie Manager,Banker, Politiker usw. ökonomisch und ökologisch das letzte herausholen wollen , wird dies nur schwer vermittelbar sein,vielmehr ist das Ende des sozialen Friedens damit schon heute absehbar.

 

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