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Interview Joko Winterscheidt

Joko Winterscheidt: Wir werden alles daran setzen, dass German Garment ein Erfolg wird

Schauspieler Matthias Schweighöfer, TV-Moderator Joko Winterscheidt, Modedesigner Kilian Kerner und Labelbetreiber Sebastian Radlmeier haben sich vor rund einem Jahr zusammengesetzt und einen ehrgeizigen Plan entwickelt: Sie wollen eine junge, stylische Modemarke entwickeln, die ausschließlich in Deutschland produziert wird. Im Interview mit business-on.de verrät Joko Winterscheidt, welche Idee hinter dem neuen Label steckt.

business-on.de: Ihr habt euch mit dem Label „German Garment“ das hohe Ziel gesetzt, eine junge, stylische Marke zu kreieren, die komplett in Deutschland produziert wird. Wie schwierig war es letztendlich, das Ziel umzusetzen?

Joko Winterscheidt: Sagen wir mal so, wir haben es uns leichter vorgestellt, wussten aber auch, worauf wir uns einlassen. Man muss ja einfach nur mal seinen eigenen Kleiderschrank durchwühlen und feststellen, 90% meiner Klamotten kommen aus Fernost. Warum? Wir haben uns dann ehrlich mal gefragt: Es muss doch möglich sein, in Deutschland zu produzieren und das zu marktfähigen Preisen. Also Preise, die der Endverbraucher auch bereit ist, zu zahlen. Bis wir dann allerdings alles zusammen hatten, waren locker anderthalb Jahre rum. Wir waren etwas erschrocken darüber, wie wenige Menschen offen für dieses Thema sind und darüber wie viele Anfragen wir gestellt haben und alle uns sagten: In Deutschland produzieren macht doch gar keinen Sinn. In Asien, der Türkei oder Portugal, da kann man viel billiger produzieren. Aber dass es uns genau darum nicht ging, wollte keiner verstehen. Bei genauerem Nachfragen stellte sich dann immer wieder raus, dass die wenigsten wirklich wissen, wer da unter welchen Umständen für sie arbeitet. Das wollen und wollten wir nie und unter keinen Umständen. Allein, um es all diesen Menschen zu zeigen, die nicht an uns geglaubt haben, werden wir alles daran setzen, dass German Garment ein Erfolg wird.

business-on.de: Wie kam es überhaupt dazu, dass ein Moderator, ein Schauspieler, ein Designer und der Chef eines Musiklabels zusammen eine Modekollektion entwickelt haben?

Joko Winterscheidt: Das ist die klassische Schnapsidee - nur ohne Schnaps. Sebastian, der mit dem Musiklabel, ist schon sehr lange ein guter Freund und mindestens genauso lange hatten wir die Idee, was mit Mode zu machen. Ein Traum, den man halt hat. Matthias, als mein ehemaliger Nachbar und mittlerweile bester Freund, hatte auch schon immer Lust auf ein eigenes Label. Da haben wir immer wieder drüber gesprochen. So haben wir uns dann irgendwann alle zusammengetan und gesagt: Versuchen können wir es ja mal. Kilian wiederum ist ein alter Freund von Matthias und so kam er mit ins Boot. Dann ging alles relativ schnell. Wir wussten, wir wollten alles in Deutschland produzieren und haben dann noch jemanden gebraucht, der uns als Creative Director unterstützt. Dafür haben wir Oliver Schleith engagiert. Olli hat einen Abschluss in Mode Design, betreibt mit zwei Freunden die Berliner Designagentur Groupe Dejour und ist die perfekte Ergänzung zu uns vieren.

business-on.de: Wie kann man sich eure Zusammenarbeit vorstellen? Gibt es eine Art Arbeitsteilung oder wirft jeder seine Ideen zu neuen Styles in die Runde?

Joko Winterscheidt: Generell ist es so, dass wir was Ideen angeht alle gleichberechtigt sind. Aber natürlich wird auch kontrovers diskutiert. Ich glaube, am wichtigsten ist, dass wir kein Teil herstellen, von dem wir selber sagen würden: Oh mein Gott, das würde ich nie tragen! Wir stehen hinter dem, was wir machen und ob jetzt einer zwei Ideen mehr hat als der andere, ist uns egal. Das Produkt ist uns wichtig. Die Qualität muss stimmen und unseren Ansprüchen gerecht werden. Deshalb hat es auch so lange gedauert, bis wir endlich mit der Idee an die Öffentlichkeit getreten sind. Bis wir uns alle einig waren, das ist genau die Ware und Qualität, die wir wollen, ist einiges an Zeit vergangen.

business-on.de: Seht ihr euch als Vorbild für andere Unternehmen, über fragwürdige Arbeitsbedingungen im Ausland nachzudenken?

Joko Winterscheidt: Es wäre schön, wenn wir anderen Unternehmen einen Denkanstoß geben. Dass wir als neues Label am Markt nicht den leichtesten Stand haben werden, ist uns klar. Aber wenn andere sehen, dass wir es geschafft haben und das mit in Deutschland produzierter Ware, dann ermutigen wir vielleicht andere Start-Ups, damit auch an Ideen in und aus Deutschland zu glauben. Vorbild klingt uns da ein wenig zu hochtrabend. Wir hatten eine Idee, an die glauben wir. Das ist eher unser Ding, man soll an sich glauben, sich nicht entmutigen lassen und drum kämpfen. Dass wir jetzt mit dem Thema „made in germany“ arbeiten, muss nicht maßgeblich für andere sein, aber natürlich wäre es schön, wenn man irgendwann mal hört, dass man den Anstoß gegeben hat, dass jemand anderes auch an eine Idee mit deutschen Produkten glaubt.

business-on.de: Wird man dich in Zukunft weniger vor der Kamera und mehr auf Modenschauen und Fashionevents sehen?

Joko Winterscheidt: Nein, das glaube ich nicht. Erstmal nicht (lacht). German Garment ist ein berufliches Luxus-Hobby, wenn man das so sagen kann. Beruflich, weil ich es schon als Business und professionell sehe, aber ein Hobby, weil wir weit davon entfernt sind, schwarze Zahlen zu schreiben. Ich habe kein Problem damit, wenn mich die Firma so sehr einspannt, dass ich vielleicht das eine oder andere Engagement absage. Aber im Moment verdiene ich meine Brötchen mit TV und jeder, der ein Unternehmen gegründet hat oder gerade gründet weiß, wie schwer der Anfang ist. So lange wir keine schwarzen Zahlen schreiben, werde ich nicht darüber nachdenken, den Job vor der Kamera aufzugeben. Aber wenn ich merke, dass unser Baby profitabel wird und der Job als Moderator mich nicht mehr erfüllt... wer weiß... (lacht).

(Redaktion)


 


 

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