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Was kann Zeitarbeit leisten?

Klebeeffekt versus Lohndumping

Der Anteil von Zeitarbeit am Arbeitsmarkt wächst: Studien der Bundesagentur für Arbeit und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge sind in Deutschland mehr als 700.000 Menschen nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz beschäftigt – das sind fast doppelt so viele wie vor drei Jahren. Doch die Beschäftigungsform ist umstrittener denn je. Forderungen nach einem branchenbezogenen Mindestlohn für Zeitarbeit gießen zusätzlich Öl ins Feuer.


Unternehmen schätzen an Zeitarbeit vor allem, dass sie damit einen begrenzten Bedarf an Personal flexibel decken und kurzfristige Auftragsspitzen abfedern können. Außerdem ist Arbeitnehmerüberlassung den Befürwortern zufolge ein Beschäftigungsmotor: „Zeitarbeit ist für viele Menschen die Brücke aus der Arbeitslosigkeit in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung“, sagt beispielsweise Dr. Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

Insbesondere die Vermittlerrolle von Zeitarbeit ist ein Knackpunkt, an dem sich die Geister der Befürworter und Gegner scheiden. Zwar widerspricht kein Branchenkenner der These, dass durch Zeitarbeit Geringqualifizierte eine Beschäftigung finden oder gar Qualifizierung durch Beschäftigung stattfindet. Fraglich ist jedoch, wie stark der so genannte „Klebeeffekt“ ist.

Gewerkschaften bemängeln, dass die meisten Zeitarbeitsunternehmen Übernahmeprovisionen von ein bis drei Monatsgehältern verlangen und damit die Bereitschaft von Arbeitgebern schmälern, Leiharbeiter fest zu übernehmen. Den Unternehmen werfen Kritiker außerdem vor, dass sie mit Hilfe von Zeitarbeit die Gehälter drücken. Obwohl Leiharbeiter die gleichen Löhne bekommen sollten, wie von einer Firma angestellte Kollegen, ist das in der Praxis nicht immer der Fall – so die Position der Zeitarbeitsgegner. Befürworter betonen hingegen, dass in der Zeitarbeit nahezu flächendeckend Tarifverträge zur Anwendung kommen.

Auch die Frage nach dem Sinn und Unsinn eines Mindestlohns für Zeitarbeit erhitzt die Gemüter. Während die einen Lohndumping ausländischer Anbieter befürchten, sehen Arbeitgeber im Mindestlohn ein K.o.-Kriterium für die Branche. „Staatliche Eingriffe in die Lohnfindung der Tarifpartner würden in beträchtlichem Umfang Arbeitsplätze in der Zeitarbeit vernichten“, ist Hundt überzeugt.

(Redaktion)


 


 

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3 Kommentare

von schluffe
11.09.08 10:48 Uhr
Wunschdenken

Ich habe jahrelang als Maler und Lackierer auf dem Bau in Berlin und Brandenburg gearbeitet und..wenn Not am Mann war.. holte sich unser Chef eben auch mal Zeitarbeiter. Die Firmen wurden nur " Sklavenhändler" genannt..denn die Arbeiter ( oftmals wirklich mit einer abgeschlossenen Lehre ) haben niemals den Tariflohn bekommen. Übernommen wurde von den Zeitarbeitern auch niemals jemand. Mittlerweile hat meine damalige Firma zugemacht.. und viele meiner ehemaligen Kollegen müssen nun auch in Zeitarbeitsfirmen ihr Einkommen beziehen. Mir wurde von keinem berichtet, dass er ein Tariflohn bekommt. Das ist nunmal leider die Tatsache..

von big m
14.09.08 16:05 Uhr
sagen wir es mal so,

tatsächlich sind Maler die einzigen in der Zeitarbeitsbranche
die einen tariflich festgelegten Mindestlon erhalten.(etwas über 11 Euro) Dummerweise gibt es bei den Zeitarbeitsfirmen
aber auch schwarze Schafe die bestehende Tarifverträge umgehen indem im Arbeitsvertrag als Beruf nicht Maler oder ähnliches steht, sonden Helfer oder Zeitarbeitnehmer woraus ein bis zu 50% geringerer Stundenlohn resultiert. Die ent-
sprechenden Leute werden jedoch als Facharbeiter verkauft.
Der jeweilige Mitarbeiter kann nur Unterschreiben oder bleibt
weiter Arbeitslos. Bei einigen wenigen Firmen ist das gängige
Praxis. Das Arbeitsamt schaut zu und unternimmt nichts, da jeder der Unterschreibt aus der Statistik fällt.

gruß big m

von fanchon
18.09.08 08:00 Uhr
mmmh

- nicht langfristig überlegt von den schwarzen Schafen unter den ZAFs!

1. Ein gelernter Maler ist ein gelernter Maler. Es geht nicht nach dem Einsatz, sondern nach der Qualifikation.

2. Und das habe ich gerade bei einer Reinigungsfirma erlebt. Durch den Tätigkeitsschwerpunkt (Maschinen- und Gebäudereinigung) kam der allgemeinverbindliche Tarifvertrag zur Geltung. Auch wenn alle Mitarbeiter zu Helfern erklärt waren, die Nachfrage bei der Betriebsprüfung wer, was getan hat, kommt.
Der Arbeitgeber durfte über 4 Jahre Sozialversicherungabgaben plus entsprechende Säumniszuschläge für die Zeit nachzahlen. Ob noch weitere Kosten seitens der Sozialversicherungsträger geltend gemacht werden, ist noch offen.

lG fanchon

 

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