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"Die Welt" führt Bezahlmodell für ihre Website ein

Treue Leser der Online-Ausgabe der Tageszeitung "Die Welt" werden künftig für ihre Lektüre bezahlen müssen. Für die bislang kostenfreie Website führt der Springer-Verlag am heutigen Mittwoch ein nutzungsbedingtes Bezahlmodell ein, wie das Unternehmen am Dienstag in Berlin mitteilte. Zugleich bietet der Verlag unterschiedliche Abo-Pakete an, die sich nach den Lesegewohnheiten der Nutzer richten.

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Berlin.Business-On.de kommentiert:

Die Welt verschließt sich ab Mittwoch dem nicht zahlungswilligen Online-Zeitungsleser. Der Axel-Springer-Verlag setzt damit ein Zeichen. Wir, die es gewohnt sind, dass das Internet uns kostenlos journalistischen Inhalt zur Verfügung stellt, sind empört. Insgesamt leidet die Zeitungsbranche unter sinkenden Auflagen. Traditionsblätter wie die Financial Times Deutschland und die Frankfurter Rundschau sind bereits Geschichte. Warum denn auch eine Zeitung am Kiosk kaufen, wenn wir dank Tablet und Smartphone die neuesten Nachrichten jederzeit überall aus dem Internet faktisch zum Nulltarif abrufen können.

So gesehen, graben sich die Verlage selbst das Wasser ab, wenn sie weiterhin über ihre Printmedien hinaus kostenlos die gleichen Informationen über ihre Onlinemedien verbreiten. Da stellt sich die Frage, was uns guter Journalismus Wert ist und ob wir bereit sind, für geistigen Konsum ebenso zu zahlen wie für andere Konsumgüter? Am neuen Medium Internet kommt keiner vorbei, doch vielleicht werden wir uns zukünftig einfach an „paid content“ im Internet gewöhnen müssen. Zu einem guten Zeitungsartikel gehört Recherche, kritische Betrachtung des Geschehens, ein attraktiver Schreibstil. Das kostet Geld, denn keiner arbeitet gerne umsonst. Selbst das beliebte Online-Lexikon Wikipedia ist nicht so kostenlos, wie es auf den ersten Blick scheint, sondern finanziert sich über Spenden. Im weiteren Sinne ist das auch bezahlter Content.

Solange die Printmedien noch gute Gewinne erwirtschaftet haben, konnten die Verlage es sich erlauben, ihre Onlinezeitungen darüber mit zu finanzieren. Doch abnehmende Auflagen bei den gedruckten Tageszeitungen zwingen Verleger, über neue Geschäftsmodelle nachzudenken. Nicht wenige Tageszeitungen haben bereits „Paywalls“ eingerichtet und stellen dem Online-Leser entweder nur ausgesuchte Artikel oder eine bestimmte Anzahl an Beiträgen im Monat kostenlos zur Verfügung. Andere versuchen es auf der Basis von Freiwilligkeit. Was sich letztendlich durchsetzt, wird die Zukunft zeigen.

(Kerstin Zimprich)


 


 

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