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  • 22.09.2016, 15:42 Uhr
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  • Berlin
KOMMUNIKATIONSKONGRESS 2016

Der Kommunikationskongress stanzt – die Branche steckt fest und wünscht sich kollaboratives Denken

In dieser Woche lud der Bundesverband deutscher Pressesprecher zum Kommunikationskongress in Berlin ein. Aus diesem Anlass trafen sich gestern und heute Kommunikationsmanager, Pressesprecher und Medienschaffende aus Unternehmen, Verbänden, Organisationen und Politik im Berliner Congress Center

Ein launischer Kommentar von mawa, Business On Berlin:

Die dpa / news aktuell verschickte im Vorfeld Einladungen zum Kommunikationskongress an die Redaktionen – unter anderem auch an Berliner (Regional-) Medien. Auf die freudige Zusage wurde dann aber irritiert reagiert: die Einladung sei nämlich keine Einladung, also nicht so gemeint und zumindest nur für die, die dort angemeldet sind (für Geld), und wenn man also dieser Einladung folgen möchte, sollte man sich erstmal akkreditieren. Aha. Man schickt halt mal an alle rum. Gezielte Kommunikation geht anders. Deutsche Sprache (Einladung) auch. Das merken wir in der Redaktion tagtäglich mit den Pressemitteilungen der Unternehmen und Agenturen. Stichwort: „Denn sie wissen nicht, was sie tun". Witziger Weise steht der diesjährige Kongress unter dem Motto der Kollaboration und fragt sich: Warum kollaboratives Denken unsere Organisationen revolutioniert. 

Eine (kollaborative) Akkreditierung von Berlin Medien war jedoch bei der zuständigen Pressefrau des Kongresses vom Pressesprecherverband (Pressefrau heißt eigentlich, dass man sich um die Presse kümmert, in diesem Falle kümmert man sich nur um sich selbst) negativ: man muss sich als Redaktion schon gebührenpflichtig anmelden, um über den Kongress berichten zu dürfen. Dazu hatten die wenigsten Medien wohl Lust ...

Kommunikation 4.0: Public Relation als Geschäftsmodell anstatt als Beziehungsmodell. 

Im Übrigen seien schon zu viele Medien akkreditiert, wurde versichert. Realitätscheck bei Google News: Suche „Kommunikationskongress 2016" bringt gerade mal drei Treffer, nämlich das des eigenen Mediums, des Pressesprechermagazins und das eines Branchenmagazins. Die Branche bleibt lieber unter sich.

Und so sind auch bei den Keynotes wieder die üblichen Verdächtigen (bzw. Sponsoren und Kooperationspartner zu allererst), unter anderem mit Jimmy Wales, Wikipedia Gründer und Dr. Thomas Bellut, ZDF Intendant. Dabei ging es dann mehr um die Medienbranche und sich selbst als um die Kommunikation und die anderen. 

Wer nun tolle Neuigkeiten oder einmal auch Branchenkritik erwartet, ist sowieso fehl am Platze.

Die Themen des Kongresses klingen interessant, aber auch vorgestanzt -  wer im  tag täglich Kontakt mit denjenigen zu tun hat, weiß: Papier und Ohren sind geduldig. Die Basics sind oft – schon nicht mal im Studium oder in der IHK-Ausbildung oder auch nicht über die Presseinstitute vermittelt worden und werden auch nicht in den Presse-Jobs erlernt. Obgleich die Branche ständig Fortbildungen "verkauft". 

Wer mehr zu Fortschritt, Auswirkung von Digital 4.0, Innovation lesen möchte, kann hierzu gerne den müden Facebook Auftritt des Kommunikationskongresses lesen. Dabei wäre viel zu kommunizieren: die Branche, die in Ausbildung und Professionalisierung hinterherhinkt, weil es keine Standards gibt, die Berufsbezeichnung ungeschützt und ungeprüft, die mangelnde (typisch altdeutsche?) Unternehmenskommunikation/-Kultur intern wie extern, Frauen in Führungspositionen (auch hier Mangelware)...

Dass die Herausforderungen stark gewachsen sind, ist klar. Als Redaktion bekommt man Pressemeldungen über ots versandt und der angegebenen Kontakt ist dann direkt im Urlaub, der Link auf Bildmaterial veraltet, die Presseverantwortlichen nicht genügend informiert oder unwillig, mit den Medien zu kooperieren: man hat doch die Meldung und soll diese gefälligst abdrucken. All das könnten man auch mal in einem brancheninternen Treffen wie diesen diskutieren und sich die Kritiker mal einladen und zuhören (=Kommunikation!). Tut man aber nicht.

Wer jahrelang im eigene Saft schmort, zerfällt irgendwann oder wird zu Brei. Dass das viele nicht mehr schlucken wollen , ist verständlich – und gehört zum Grundverständnis einer Kommunikation und eines Kongresses. Und der Kongress stanzt seine Werbesprüche weiter und tauscht Floskeln und Nettigkeiten aus wie auch im letzten Jahr. Übrigens: Auf der Kongress-Homepage gibt es auch kein Presse-Site und keine Pressebilder. Wer also trotzdem berichten oder sich informieren will, muss lange suchen oder liest sich das Programm durch: http://www.kommunikationskongress.de/programm/ . 

Der Kongress (s)tanzt auch so ...

(Redaktion)


 

 

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