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6. Kulturpolitischer Bundeskongress

Die Gesellschaft im digitalen Zeitalter

Der 6. Kulturpolitische Bundeskongress am 9. und 10. Juni 2011 in Berlin hat sich in diesem Jahr der digitalen Wissens-und Kommunikationsgesellschaft gewidmet. Unter dem Titel „netz.macht.kultur“ gingen hochkarätige internationale Referentinnen und Referenten der Frage nach, wie die Digitalisierung unsere Welt verändert.

Unter den Vortragenden waren u.a. bekannte Sozialwissenschaftler wie Gerhard Schulze und Geert Lovink, die Blogger Mercedes Bunz und Markus Beckedahl, der Kulturmanager Armin Klein sowie Musikproduzent Tim Renner. Rund 400 Teilnehmer verfolgten an zwei Tagen die Veranstaltung im Hotel Aquino in Berlin Mitte.
Die Vorträge und Diskussionen während des Kongresses machten deutlich, dass das Internet und die Digitalisierung längst in unserer Gesellschaft angekommen sind. Soziale Medien wie Facebook und Twitter oder Online-Bibliotheken sind kein Trend mehr, sondern Realität. Die Digitalisierung durchdringt alle Bereiche unseres Lebens, ob im Arbeitsalltag, in der Wissenschaft oder auch im privaten Bereich. Bernd Neumann, Staatsminister und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, wies in seiner Eröffnungsrede darauf hin, dass es darum ginge, Chancen zu erkennen und Risiken zu minimieren. Ziel des Kongresses war es daher weniger, Antworten zu finden, sondern die Fragen zu stellen, die in der kulturpolitischen Debatte Probleme und Widersprüche aufdecken.

Neu Medien versus Alte Institutionen

Trotz der Zunahme an digitalen Angeboten und netzbasierten Kulturinformationen waren sich die Referenten und Referentinnen einig, dass alte Medien nicht durch neue abgelöst würden. Neumann sprach in Bezug auf Kulturinstitutionen wie Museen oder Bibliotheken und dem Internet von einer sich fördernden Koexistenz. Anhand der steigenden Besucherzahlen von Museen und der Vergrößerung vieler Bibliotheken sah Neumann seine These bestätigt. „Museen und Archive sind Hüter der unwiederbringlichen Originale“, sagte er in seiner Rede- Er wies darauf hin, dass digitale Angebote eher auf den Geschmack bringen sollten, eine Einrichtung zu besuchen. Auch andere Referenten und Referentinnen teilten diese Meinung. Sozialwissenschaftler und Netzaktivist Geert Lovink erweiterte diese These in seinem Beitrag über den Menschen als Akteur in der digitalen Gesellschaft. Er wies darauf hin, dass die Digitalisierung in Deutschland zwar abgeschlossen sei, dass die Institutionen mit neuen Entwicklungen allerdings nicht mehr hinterher kämen. „Die Gesellschaft ist avantgarde geworden“, sagte Lovink in seinem Vortrag. Er brachte damit eine Annahme auf den Punkt, die während des Kongresses immer wieder aufgegriffen wurde. Die Beiträge der verschiedenen Panels sowie die Diskussionen verdeutlichten, dass auf Seiten der Institutionen noch große Unsicherheiten im Umgang mit neuen Medien bestehen.

Der Traum vom Datenschutz

Das Thema Datenschutz wurde in verschiedenen Vorträgen und Diskussionen immer wieder aufgegriffen. Sachverständige der Enquete-Kommission „Internet und Gesellschaft“ des Deutschen Bundestages stellten Ergebnisse ihrer Arbeit seit der Konstitution der Gruppe im Mai 2011 vor. Zu den Sachverständigen gehören u.a. Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Club und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität zu Berlin, der Künstler und Netzaktivist padeluun sowie Markus Beckedahl, Gründer von netzpolitik.org. Das Fazit der Kommission blieb ernüchternd. Die Kommission machte deutlich, dass Ergebnisse bisher auf sich warten ließen, da viel Zeit vergangen sei, bis sich Arbeitsstrukturen etabliert hatten und deshalb eine tiefgründige und ergebnissorientierte Auseinandersetzung mit dem Thema Datenschutz behindert wurde. Sie sprachen sich außerdem für Netzneutralität aus und plädierten für eine Internet-Währung als neutrales Zahlungsmittel und Alternative zu aktuellen Bezahlsystemen.

Mashup und die Frage nach dem Urheberrecht

Das Thema Urheberrecht im digitalen Zeitalter gehörte ebenso zu den heftig diskutierten Themen des Kongresses. Inke Arns, künstlerische Leiterin des Hartware MedienKunstVereins und Till Kreutzer, Rechtsanwalt und Gründungsmitglied von iRights.info stellten in ihrem Vortrag verschiedene künstlerische Projekte vor, die als so genannte Mashups bestehende Inhalte und Werke neu arrangierten. Die Frage nach der rechtliche Legitimität der Mashups war nicht mehr eindeutig zu beantworten. Kreutzer stellte heraus, dass sich die Produzenten solcher Werke in einem ständigen Spannungsfeld zwischen künstlerischer Arbeit und rechtlicher Legitimität befänden. Er forderte deshalb eine drastischer Vereinfachung des Urheberrechts und u.a. die Einführung neuer Schrankenbestimmungen wie z.B. in den USA mit dem Prinzip des „Fair Use“.

Der 6. Kulturpolitische Bundeskongress wurde im vergangen Jahr konzeptionell entwickelt und vorbereitet. Veranstalter sind das Institut für Kulturpolitik der kulturpolitischen Gesellschaft und die Bundeszentrale für politische Bildung.

Weitere Informationen unter www.netz-macht-kultur.de

(Stefanie Kinsky)


 


 

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