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Studie über Berliner Kreativwirtschaft

Kreativwirtschaft in Berlin erforscht

Heute wurde in Gegenwart der Berliner Bürgermeisterin und Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer eine neue Studie zur Kreativwirtschaft in Berlin vorgestellt. Autor ist der TU-Professor Dietrich Henckel.

Der Geschäftsführer des Wissenschafts- und Technologieparks WISTA Adlershof Hardy Schmitz hat die Studie mit einem Praxisbericht zum „Innovation Habitat“ Adlershof und Berlin-Charlottenburg ergänzt. Die Studie entstand im Auftrag von ORCO und Berlin Partner und basiert auf der Befragung von mehr als 9000 Unternehmen. Sie dürfte damit die umfassendste lokale Studie für Deutschland zu diesem Thema sein.

Die Ergebnisse in Kürze:

  1. Kreativwirtschaft in Berlin ist jung: Nur 20% der Unternehmen wurden vor 1990 gegründet oder haben sich vorher in Berlin angesiedelt. Der weitaus größte Teil hat sich seit Mitte der 90er Jahre gegründet, 10 Prozent der Unternehmen sind sogar erst zwei Jahre alt oder jünger.
  2. Kreativwirtschaft in Berlin ist selbstbewusst: Die Aufwertung von Quartieren bewegen die Branche nicht dazu, den Standort zu wechseln. Aber vier Fünftel der befragten Unterneh-men in Berlin sind ganz oder teilweise davon überzeugt, dass die Kreativwirtschaft selbst die Stadt prägt und zum Entstehen von Szenevierteln beiträgt.
  3. Kreativwirtschaft in Berlin ist standorttreu: Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil, dass Unternehmen der Kreativwirtschaft „Standortnomaden“ seien, fand die Studie heraus: Nur ein Viertel der Unternehmen der Kreativwirtschaft in Berlin sind bereits mehrfach umgezogen. Den Standort wechseln meist ältere Unternehmen, und dies vor allem dann, wenn sie wachsen. Zwar werden auch in Berlin ständig neue Quartiere außerhalb der Innenstadt entdeckt – nach Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain sind dies derzeit Wedding und Neukölln. Sich dort ansiedelnde Unternehmen der Kreativwirtschaft sind aber meist neu entstanden.
  4. Kreativwirtschaft sitzt mitten in Berlin: Deutlich erkennbar sind zwei Cluster, City West und Mitte. Anders als in Städten wie London oder Paris, wo in den Innenstadtbezirken die Mieten oft unerschwinglich hoch für Unternehmen der Kreativwirtschaft sind, bietet das Zentrum Berlins noch genügend Raum zum Gründen und Wachsen.
  5. Unternehmen der Kreativwirtschaft in Berlin sind klein, aber sie wachsen: Vier Fünftel sind Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern. Nur ein Prozent zählt zu den mittleren bis großen Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern. 15 Prozent der Befragten arbeiten ganz alleine. Mehr als die Hälfte der Unternehmen sehen ihre Zukunft positiv. Ein Drittel schätzt die Lage stabil ein, ein Viertel wächst, weniger als jeder Zehnte sieht sich in einer Phase der Konsolidierung oder Schrumpfung. Bereits heute hat die Kreativwirtschaft ein Beschäftigungspotenzial von 150.000 Arbeitsplätzen.
  6. Kreativwirtschaft in Berlin profitiert von der Infrastruktur der Stadt: Vor allem der öffentliche Nahverkehr wird intensiv genutzt und als Standortvorteil erkannt. Gleichzeitig erwarten die Unternehmen der Kreativwirtschaft vom Senat, dass weiter öffentliche Mittel in diese Infrastruktur investiert werden.
  7. Kreativwirtschaft in Berlin engagiert sich für den sozialen Zusammenhalt in der Stadt: Etwa ein Fünftel der Unternehmen der Kreativwirtschaft sind bereit zu Engagement in ihrer unmittelbaren Umgebung. Kein geringer Prozentsatz angesichts der Tatsache, dass die Unternehmen der Branche in Berlin oft sehr klein sind. Die Unternehmen unterstützen vor allem Unternehmensnetzwerke, Stadtteilfeste, Kultursponsoring, Schulen und Hochschulen sowie kommunale Sozialarbeit in den Stadtteilen.
  8. Kreativwirtschaft in Berlin hat Forderungen an Politik und Wirtschaftsförderung: An erster Stelle steht der Wunsch nach leichterem Zugang zu finanzieller Förderung. Oft sind die Investitionssummen der Unternehmen zu niedrig, oder bankübliche Sicherheiten nicht vorhanden. Die Förderinstrumente der IBB werden als guter Ansatz anerkannt. Außerdem erwartet die Kreativwirtschaft von der öffentlichen Hand weitere Investitionen in die bestehende, gute Infrastruktur von Öffentlichem Nahverkehr und Telekommunikation. Außerdem vermisst die Kreativbranche transparente Informationen über verfügbare Immobilien.


Berlins Bürgermeisterin und Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer, sieht die Ergebnisse der Studie als Einstieg in eine fundierte Diskussion über die Funktion der Kreativindustrie in der Stadtentwicklung: "Die lebendige, lebenswerte Stadt ist der Nährboden für die Berliner Kreativwirtschaft. Wir sorgen dafür, dass die Stadt funktions- und zukunftsfähig bleibt, denn Stadtentwicklung ist auch Wirtschaftsförderung.

Die hier vorliegende private, sehr hochwertige Studie wird weiter vertieft durch den Kulturwirtschaftsbericht des Senats, in dem z. B. die Rolle der Kreativwirtschaft in städtischen Veränderungsprozessen untersucht wird. Welche herausragende Funktion die Kreativwirtschaft in der Stadtentwicklung hat, werden wir gewiss in den nächsten Jahren an einem ganz prominenten Beispiel genau beobachten können: Die Kreativwirtschaft wird den ehemaligen Flughafen Tempelhof erobern."

Professor Dietrich Henckel, der Autor der Studie, erklärt: „Die Studie bietet eine breite empirische Fundierung, die die häufig anekdotische Evidenz zurechtrückt und eine gute Ausgangsbasis für weitere qualitative Untersuchungen. Solide empirische Daten sind eine wesentliche Grundlage guter Konzepte.“


(Redaktion)


 


 

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