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Landwirtschaft

Von der Rübe zum weißen Kristall

In Brandenburgs einziger Zuckerfabrik ist die diesjährige Rübenkampagne angelaufen. Die Kampagne läuft noch bis Januar 2013.

Weißer Dampf strömt aus den beiden Türmen der Zuckerfabrik im Mühlberger Ortsteil Brottewitz (Landkreis Elbe-Elster). Ein süßlicher Geruch liegt in der Luft. Seit wenigen Tagen läuft die Rübenverarbeitung in Brandenburgs einziger Zuckerfabrik. Bis Mitte Januar arbeiten die Maschinen rund um die Uhr. Sie produzieren täglich aus etwa 6.000 Tonnen Rüben rund 750 Tonnen Weißzucker.

Auf dem Rübenhof wird ein großer Lastwagen entladen. Die kegelförmigen Wurzelrüben bilden einen etwa 20 Meter hohen Berg. Von hier aus werden sie auf ein Förderband geladen, durchlaufen verschiedene Stationen zur Reinigung und gelangen anschließend direkt zur Verarbeitung. Holger Wiesner kontrolliert bei seinem routinemäßigen Rundgang sorgsam Maschinen und Abläufe. Er arbeitet seit 1993 in dem Brottewitzer Traditionsunternehmen, dessen Gründung auf das Jahr 1873 zurückgeht.

"Wir erwarten in diesem Jahr eine gute Saison", sagt der Betriebsleiter mit Blick auf die Rübenkampagne, wie die Zuckerproduktion im Fachjargon heißt. Seit Mitte September laufe die Produktion auf Hochtouren. Zu den derzeit rund 90 Stammkräften seien dafür planmäßig 20 Saisonarbeiter eingestellt worden. Das Werk in Brottewitz gehört seit 1991 zur Südzucker AG.

Viele Schritte vom Rohsaft zum fertigen Zucker

Die aufwendige Zucker-Produktion beginne mit dem Zerkleinern der Rüben zu Schnitzel, erklärt Wiesner. Anschließend wird der Zucker im Extraktionsturm bei 70 Grad Celsius aus den Rübenzellen gelöst. Dadurch entsteht der Rohsaft. In einem weiteren Verarbeitungsschritt wird Kalk und Kohlensäure hinzugegeben, um die Nicht-Zuckerstoffe zu binden und auszufällen. "Übrig bleibt ein klarer Dünnsaft mit rund 16 Prozent Zuckergehalt", schildert Wiesner das Verfahren.

In den folgenden Arbeitsschritten wird das Konzentrat weiter eingedickt und später gekocht, bis sich Kristalle bilden. In einer Zentrifuge trennt sich dann durch Schleudern der Sirup von den Kristallen. Die letzten Sirup-Reste werden mit heißem Wasser weggespült. Während der Erntemonate werden nach Unternehmensangaben rund 70 Prozent der Rüben zu Weißzucker verarbeitet, die weiteren 30 Prozent bleiben als lagerfähiger Dicksaft.

Sechs Kilo Rüben für ein Kilo Zucker

Dieser wird erst im Frühjahr bei der Dicksaftkampagne zu kristallinem Weißzucker verarbeitet. "Für ein Kilo Zucker werden rund sechs bis sieben Kilogramm Rüben benötigt - je nach Zuckergehalt", sagt Wiesner. Die Zulieferer kämen aus Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Angebaut werde auf etwa 9.500 Hektar.

In ganz Brandenburg wurden im vergangenen Jahr 519.000 Tonnen Zuckerrüben geerntet, wie die Experten beim Amt für Statistik ermittelt haben. Die größten Anbaugebiete befinden sich in den Landkreisen Uckermark und Märkisch-Oderland. Die Landwirte in diesen Regionen versorgen den Angaben zufolge überwiegend die Zuckerfabrik der Nordzucker AG im niedersächsischen Uelzen. Zahlen zur diesjährigen Ernte liegen den Statistikern noch nicht vor.

In Brottewitz wird ausschließlich Zucker für die weiterverarbeitende Industrie hergestellt, vorrangig in 25- und 50-Kilogramm-Säcken und in sogenannten Big Bags zwischen 500 und 1.500 Kilogramm. Noch ist das Lager fast leer. "Aber das wird sich in den kommenden Wochen ändern", sagt Versandleiter Frank Matthiesen. Der Zucker aus Brandenburg gehe über Bahn und Straße überwiegend an Großhändler. Die bekannten Ein-Kilogramm-Tüten für die Supermärkte werden in Brottewitz nicht hergestellt.

(dapd-lbg/ Lars Hartfelder)


 


 

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