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  • 09.08.2017, 12:28 Uhr
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MARKETING / IT

Marc Trömel: „Soziale Medien im Allgemeinen führen zu einer Fragmentierung und Popularisierung der Gesellschaft.“

Die sozialen Medien beeinflussen das Wahlverhalten. Kürzlich veröffentlichte Vico, das führende deutsche Unternehmen im Bereich Social Media Monitoring, eine Studie über die größten Influencer unter den Spitzenkandidaten.

Business On hat sich mit Marc Trömel, Geschäftsführer von Vico, über dieses Thema unterhalten

Business-on.de: Die sozialen Medien beeinflussen die Wahlentscheidung. Doch wie genau passiert das und wie können deutsche Politiker das für die Bundestagswahl nutzen?

Marc Trömel: Man muss hierbei zwischen den Auftritten der Politiker in Sozialen Medien und Sozialen Medien im Allgemeinen unterscheiden. Soziale Medien im Allgemeinen führen zu einer Fragmentierung und Popularisierung der Gesellschaft. Dies beeinflusst die Wahlentscheidung dahingehend, dass Nischenthemen schnell ihren Weg in den Mainstream finden und rund um diese Nischenthemen Gruppen entstehen, die die Themen weitertreiben. Hieraus können Bewegungen entstehen, die stark genug sind eine Wahl zu beeinflussen. Politiker können schnell sehr erfolgreich sein, wenn sie sich an die Spitze dieser Gruppen stellen. Diese Effekte haben wir bei Trump, Marcon, Le Pen, Brexit oder auch bei der AFD deutlich gesehen. Die sozialen Medien dienen den Politikern als Hauptkanäle, um mit diesen Gruppen zu kommunizieren. Hierbei liegt der Vorteil der Sozialen Medien darin, dass man im permanenten direkten Kontakt mit dem Spitzenpolitiker sein kann, der dadurch erlebbar wird. Dies führt zu einer stärkeren Bindung und Aktivierung der Anhänger. 

Business-on.de: Christian Lindner ist laut einer aktuellen Studie ihres Unternehmens der größte Influencer aller Bundestags-Spitzenkandidaten im Netz. Was macht er richtig?

Marc Trömel: Er ist authentisch, offen und dauerhaft präsent. Ob er dieses Auftreten bewusst so gewählt hat, oder ob es die einzige Möglichkeit war, die vergleichsweise geringe Präsenz in den Massenmedien auszugleichen, bleibt dabei unbeantwortet. Zugleich behandelt er Themen, die von den anderen Parteien nicht bedient werden. Auf diese Weise konnte er seine Basis in den Sozialen Medien schnell ausbauen. Besonders hervorzuheben ist, dass die FDP mit Hilfe von Social Media Monitoring Themen identifiziert, die sie dann für Kampagnen nutzt. Beispielsweise erreichte ihre Startup Brexit Kampagne, die über Social Media angelegt war eine Reichweite von über 200 Millionen.

Business-on.de: Können Sie sich vorstellen, dass Christian Lindner durch seinen Auftritt in den sozialen Netzwerken einen Überraschungssieg bei der Wahl hinlegt?

Marc Trömel: Wenn ihm dies gelingt, dann nicht alleine durch seinen Auftritt in den sozialen Netzwerken. Er hat prinzipiell das Potential für einen Überraschungssieg. Er ist unverbraucht, kann mit den Sozialen Medien umgehen, zeichnet ein positives Zukunftsbild, baut seine Basis schnell weiter aus und legt in den Umfragen zu. Aktuell bekommt er aber noch zu wenig Aufmerksamkeit in den Massenmedien. Wenn er aber vermehrt beginnt Nischenthemen aufzugreifen, die im Netz bereits den Status einer Bewegung erreicht haben, dann kann er durch Polarisierung noch deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und Aufmerksamkeit ist die wohl bedeutsamste Währung, wenn es um den Wahlsieg geht.

Business-on.de: Wann kann der Auftritt in den sozialen Medien negative Auswirkungen für einen Politiker und seinen Wahlerfolg haben? Gibt es Negativbeispiele?

Marc Trömel: Fehlende Authentizität ist Gift für den Auftritt in den sozialen Medien. Wer immer nur die festgelegten Werte und Botschaften seiner Partei wiederholt, der langweilt und wirkt wie eine Marionette, die keine eigene Meinung hat und darum am Ende auch nichts bewegen kann. Es fehlen dem Politiker dann auch die Widersprüche, die kleinen Fehler, die Überzeichnungen und die Emotionen, die erst dazu führen, dass Diskussionen rund um seine Person entstehen und somit Aufmerksamkeit erzeugen. Der zweite Fehler ist nicht zu wissen wer seine Zielgruppe auf Social Media ist. Man kommuniziert nicht mit den Massenmedien, sondern mit seinen Anhängern. Man führt einen Dialog.

Business-on.de: Ihr Unternehmen, VICO, bietet Social Media-Monitoring-Anwendungen an. Wie würden Sie Parteien oder Politiker mit Ihren Lösungen beim Wahlkampf unterstützen? Haben Sie bereits Kunden aus der Politik?

Marc Trömel: Im ersten Schritt muss ein Abgleich zwischen den Werten und Botschaften einer Partei und eines Politiker mit den verschiedenen fragmentierten Gruppen und Themen in Social Media durchgeführt werden. Dadurch ergibt sich eine strategische Positionierung, die die Ableitung von Themencontainern ermöglicht. Diese müssen auf der einen Seite beobachtet werden, um zu verstehen wie sich die Kommunikation entwickelt. Auf der anderen Seite ist eine darauf aufbauende Redaktionsplanung notwendig, die aus den aktuellen Ereignissen spannende und relevante Kreationen erzeugt. Danach muss beobachtet und gemessen werden, wie sich das Verhalten der Nutzer im Netz verändert. Die Maßnahmen müssen darauf kontinuierlich angepasst werden. Am Ende steht eine Bewegung, die die Partei trägt und von der Partei getragen wird.

Um auf den zweiten Teil der Frage zu antworten. Wir würden auch Parteien oder Politiker unterstützen, allerdings sicher nicht jede und jeden. Aktuell betreiben wir unsere politischen Analysen vor allem für andere Institutionen und für Kommunikationszwecke.  

Business-on.de: Wie lassen sich die Lösungen von VICO in die Geschäftswelt übertragen? Welche Vorteile bietet VICO für Unternehmen?

Marc Trömel: Unternehmen werden durch uns in die Lage versetzt neue Wege bei der Produktoptimierung zu gehen und Kommunikations-Innovationen schnell zu erkennen und zu nutzen. Viele Produktverbesserungen, Kommunikationskonzepte und Kampagnen gehen auf unsere Leistungen zurück. Konkret unterstützen wir insbesondere bei der Einführung neuer Produkte, bei der Markenkommunikation und in Krisensituationen. Wir arbeiten vor allem für Konzerne und den größeren Mittelstand. Von diesen wird geschätzt, dass wir sie im Bereich Social Media von der Technologie für das Social Media Monitoring, über die statistische und inhaltliche Auswertung, bis hin zur Ableitung und Umsetzung von Kommunikationsmaßnahmen aus einer Hand begleiten können.

Mehr Informationen auf der Homepage von Vico (www.vico-research.com)

(Redaktion)


 

 

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