Sie sind hier: Startseite Berlin Aktuell Berliner Koepfe
Weitere Artikel
  • 16.02.2018, 13:44 Uhr
  • |
  • Berlin
MEDIEN

Endlich! Türkei lässt den Journalisten Deniz Yücel frei

Überraschend wird Deniz Yücel nun doch aus türkischer Untersuchungshaft entlassen. Die Weltkollegen feiern im Berliner Axel Springer-Haus und das Auswärtige Amt ist erleichtert.

Yücels Arbeitgeber, die  Zeitung "Welt", meldete aus dem Axel-Springer-Haus in Berlin soeben die Freilassung des Journalisten am heutigen Freitag auf ihrer Website. Sein Anwalt Veysel Ok teilte auf Twitter mit: "Und endlich gibt es für meinen Mandanten Deniz Yücel ein Entlassungsbefehl." Die Bundesregierung bestätigte die Freilassung. "Jetzt müssen wir natürlich abwarten, was in den nächsten Minuten, Stunden passiert", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Gestern gab es noch Dementis, aber nun wurde offiziell die Freilassung von Yücel von einem türkischen Gericht nach der Vorlage einer Anklageschrift durch die Staatsanwaltschaft angeordnet. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, dass die Istanbuler Staatsanwaltschaft eine Anklageschrift vorgelegt habe, in der 18 Jahre Haft für den "Welt"-Korrespondenten gefordert werden. Das Gericht habe die Anklageschrift angenommen und Yücel dann aus der Untersuchungshaft entlassen.

Die Bundesregierung hat sich seit Monaten für eine Freilassung Yücels eingesetzt, mit wenig Erfolg. Die Kollegen von der Welt haben unermüdlich berichtet und auch andere Journalisten und Medien haben bis zuletzt die Freilassung gefordert. Auch die Kanzlerin hatte zuletzt  ein faires  Verfahren angemahnt. Außenminister Gabriel hat sich zweimal mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan getroffen, um eine Beschleunigung des Verfahrens zu erreichen. Gabriel rechnet nun fest damit, dass Yücel nach seiner Freilassung sehr bald das Land verlassen darf. Die "Welt" meldet, dass ihm keine Ausreisesperre auferlegt wurde.

Am 14. Februar wurde in zahlreichen Veranstaltungen darauf hingewiesen und ermahnt, dass der Journalist inzwischen ein Jahr ohne Anklage im Gefängnis festgehalten wird. Amnesty International und andere Menschenrechtsorganisationen kritisierten dies scharf – und auch die zu „lasche Haltung“ der Bundesrepublik Deutschland gegenüber der Türkei. "Die türkische Regierung hat immer Wert darauf gelegt, dass sie keinen politischen Einfluss auf die Gerichtsentscheidung nehmen werde", betonte Gabriel. Er dankte ausdrücklich dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavosoglu, mit dem er ebenfalls mehrfach über den Fall Yücel gesprochen hat. Außerdem dankte Gabriel Kanzlerin Angela Merkel, "für ihr Vertrauen in die Arbeit des Auswärtigen Amtes in diesem schwierigen Fall". 

Ulf Poschardt, Chefredakteur WELT: „Wir sind unendlich glücklich und dankbar, dass Deniz nach einem Jahr hinter Gittern hoffentlich bald auf freiem Fuß ist. Unser Dank gilt Deniz für seine unerschütterliche Stärke und den Humor in düstersten Stunden, seiner Frau, seiner Familie, seinen Freunden und dem fantastischen, mutigen Anwalt Veysel Ok. Aber auch der Bundesregierung. Wir freuen uns für Deniz und denken an alle Kollegen, die dafür hinter Gittern sind, weil sie tun, was wir alle so gerne tun wollen: Journalisten sein, kritisch, unbestechlich, hartnäckig, leidenschaftlich.“

Verwendete Quellen: Die Welt, t-online, zapp, rbb, Presse Axel Springer

(Redaktion)


 

 

Journalist
Deniz Yücel
Yücel
DieFreilassung
Axel Springer SE
Istanbuler Staatsanwaltschaft
Auswärtige Amt
Haft

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Journalist" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: