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  • 10.03.2018, 12:20 Uhr
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  • Berlin
MEDIZIN / GESUNDHEIT

1 Jahr Cannabis auf Rezept - die große Bilanz von Leafly aus der deutschen Hauptstadt

Am 10. März wird das sogenannte Cannabisgesetz ein Jahr alt. Leafly.de, Deutschlands großes Wissensportal für Cannabis als Medizin, mit Redaktionssitz in Berin, zieht Bilanz mit Akteuren aus dem Gesundheitsbetrieb in Deutschland.

Baustellen gibt es reichlich: Von hohen Ablehnungszahlen und ebensolchen Preisen bis zu Lieferschwierigkeiten und verunsicherten Ärzten. Aber es gibt auch Erfolge: Geschätzt 13.000 Schwerkranke haben dank des neuen Gesetzes eine Kostenerstattung für die Behandlung mit Cannabis erhalten.

Seit dem 10. März 2017 ist es Ärztinnen und Ärzten, mit Ausnahme von Zahn- und Tierärzten, in Deutschland erlaubt, Cannabis auf Rezept zu verschreiben. Das sogenannte 'Cannabisgesetz' soll schwerkranken Patienten helfen. Demnach müssen die gesetzlichen Krankenkassen für die Behandlungskosten aufkommen - doch wie sieht die Praxis aus?

"Im Schnitt werden 61 Prozent der Anträge auf Kostenübernahme genehmigt - insgesamt wurden 13.593 Anträge gestellt. Damit ist die Genehmigungsquote im Vergleich zum letzten Sommer gestiegen, damals wurden weniger als 50 Prozent der gestellten Anträge genehmigt. Da der Verband der Privaten Krankenkassen (PKV) solche Daten nicht erhebt, kann hier kein Vergleich gezogen werden - die Privatpatienten erhöhen die Zahl der eingegangenen Anträge entsprechend", erklärt Sandrina Kömm-Benson, Chefredakteurin von Leafly.de.

Gründe für die Ablehnung liegen häufig im Formalen: "Unvollständige sowie nicht ausreichend begründete Anträge auf Kostenübernahme sind die häufigsten Gründe für negative Prüfergebnisse des Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK)", so eine Sprecherin der Techniker Krankenkasse. Bei der AOK wurden in den ersten Monaten nach der Einführung des Gesetzes rund 15 Prozent der Anträge auf Kostenübernahme aus formalen Gründen abgelehnt. In vielen Fällen wird abgelehnt, weil die 'medizinisch begründete und nachvollziehbare Einschätzung des Arztes' fehlt, so die AOK. Klar wehren sich die Krankenkassen gegen den Vorwurf, sie würden willkürlich entscheiden oder seien zu restriktiv in ihren Ablehnungen.

Schätzungen gehen davon aus, dass derzeit rund 13.000 Cannabispatienten in Deutschland eine Kostenübernahme für ihre Medikamente erhalten. Marktinsider der Pharmaindustrie sprechen aktuell von etwa 33.000 bis 35.000 Patienten, die Cannabis als Medizin erhalten könnten. Vor März 2017 gab es knapp 1.000 Patienten in Deutschland, die Medizinalhanf mit einer Ausnahmegenehmigung verwenden durften. Der Bedarf an Cannabisblüten wurde von der Bundesregierung von Anfang an als deutlich zu niedrig angesetzt.

So ist auch zu erklären, wie die Lieferengpässe bei den Cannabisblüten zustande kamen und kommen. Deutschland importiert aktuell 700 Kilogramm Cannabisblüten aus den Niederlanden. Weitere Blüten kommen aus Kanada. Doch die gelieferten Mengen reichen bei weitem nicht aus den Bedarf zu decken.

Auch die für 2019 geplante Ernte in Deutschland, die durch die Cannabisagentur ausgeschrieben wurde, ist in weitere Ferne gerückt. Rund 1,5 Tonnen wurden ausgeschrieben, gebraucht wird aber in etwa das Dreifache. Zudem befindet sich das Ausschreibungsverfahren derzeit noch im Anhörungsstatus am OLG Düsseldorf. Ein neuer Anhörungstermin ist für Ende März 2018 angesetzt. Wann also die Bewerber ihre Betriebe bauen und/oder in Betrieb nehmen können, bleibt abzuwarten. Ob so die Ernte von heimischen Medizinalhanf zu 2019 garantiert werden kann, ist mehr als fraglich. Engpässe sind programmiert. Hier muss nun im Interesse der Patienten schnellstens nachgesteuert und eine Entscheidung getroffen werden.

Grundsätzlich hat Cannabis als Medizin in Deutschland ein gutes Image. Laut einer repräsentativen Umfrage des Institutes Innofact AG unter 1.000 Personen sehen drei Viertel der Befragten (74 Prozent) die Gesetzesänderung im vergangenen Jahr als positiv. Bei älteren Menschen und Frauen ist die Akzeptanz sogar noch höher: 78 Prozent der weiblichen Befragten befürworten Cannabis als Medizin, 85 Prozent der 50-60-jährigen, sowie 79 Prozent der 60-69-jährigen schätzen Medizinalhanf positiv ein. Auch das Interesse an Cannabis als Medizin ist hoch: Knapp jeder Dritte meint, er würde eine Cannabis-Behandlung ausprobieren, sei aber unsicher, ob seine Krankenkasse die Kosten trägt. Und diese Unsicherheit ärgert die Deutschen: Drei Viertel sind der Meinung, dass die Krankenkasse die Cannabis-Therapie bezahlen sollte, wenn diese von einem Arzt oder einer Ärztin verordnet wird.

Fazit: Die Gesetzesänderung hat einige gute Dinge gebracht, aber auch Schwachstellen in der Praxis aufgedeckt. Wie können die weiterhin bestehenden Probleme angegangen werden? Die Lösungen müssen auf unterschiedlichen Ebenen gefunden werden:

Interessierte erhalten weitere Informationen unter www.leafly.de.

Über Leafly.de: Das Wissensportal Leafly.de gibt seit 4. Mai 2017 Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen rund um den Einsatz von Cannabis als Medizin in Deutschland. Nach der Gesetzesänderung im März 2017 herrscht bei Patienten, Angehörigen, Ärzten, Apothekern, Pflegepersonal und Forschern nach wie vor Unsicherheit durch fehlendes Wissen. Bei Leafly.de schreiben Experten und erfahrene Autoren rund um die Cannabis im medizinischen Kontext. Damit ist die Webseite das einzige Portal in Deutschland, das sich ausschließlich mit diesem Thema befasst. Mehr unter www.leafly.de.

(Redaktion)


 

 

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