Sie sind hier: Startseite Berlin Lokale Wirtschaft Unternehmen
Weitere Artikel
Umwelt

NABU kritisiert Kreuzfahrtindustrie

Der Naturschutzbund Deutschland erhöht den Druck auf die Kreuzfahrtindustrie. Der Einsatz umweltfreundlicher Abgastechniken für Schiffe wird gefordert.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) stellt die Kreuzfahrtindustrie an den Pranger und wirft ihr umweltschädliches Verhalten vor. An den Abgasen der Kreuzfahrtschiffe würden jährlich 50.000 Menschen sterben, erklärte die Umweltorganisation am Freitag in Berlin. Ein Schiff stoße so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw, sagte NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger. Umweltfreundliche Abgastechniken seien zwar vorhanden, würden aber nicht verwendet. Die vom NABU kritisierte Reederei AIDA wies die Vorwürfe zurück.

Die Umweltschützer zogen Bilanz ihrer Kampagne "Mir stinkts! Kreuzfahrtschiffe sauber machen", die am 6. Mai 2011 gestartet worden war. Damit wollte der NABU auf die Umweltauswirkungen von Kreuzfahrten aufmerksam machen. Im Dezember 2011 zeichneten die Umweltschützer TUI Cruises und AIDA mit dem Negativpreis "Dinosaurier des Jahres" aus.
AIDA: Kein praktischer Einsatz von Rußpartikelfiltern

Das Schweröl, mit dem nach wie vor die meisten Schiffe betankt würden, sei sehr schlecht abbaubar, sagte Axel Friedrich, ehemaliger Abteilungsleiter im Umweltbundesamt. Ein "großes Gefährdungspotenzial" sieht er insbesondere bei den Schiffen, die in Küstenähe unterwegs sind.

AIDA widersprach den Anschuldigungen. Man sei der "falsche Adressat", sagte ein Sprecher der Reederei mit Sitz in Rostock. AIDA verfüge über die jüngste und modernste Flotte, die es gebe. Die NABU-Behauptung, der Einsatz von Rußpartikelfiltern stehe kurz bevor, könne er nicht nachvollziehen. "Es gibt keinen praktischen Einsatz", sagte der Sprecher. Marinegasöl als Alternative zum Schweröl sei weltweit nur begrenzt verfügbar. Von TUI Cruises war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Kritik auch an der Bundesregierung

Auch die Bundesregierung blieb von der Kritik des NABU nicht verschont. Das Forschungsschiff "Polarstern", das in arktischen Gewässern unterwegs ist, fahre ebenfalls ohne umweltfreundliche Abgastechniken. Das gelte auch für Polizei- und Zollschiffe, sagte Friedrich. "Es ist unverständlich, warum die Bundesregierung nicht mit gutem Beispiel vorangeht."

Das für die "Polarstern" zuständige Bundesforschungsministerium bestätigte zwar das Fehlen eines Partikelfilters bei der "Polarstern". Es handle sich bei dem Forschungsschiff um ein älteres Modell. Derzeit werde die Möglichkeit geprüft, für alle Schiffe nachträglich entsprechende Filter einzubauen, sagte ein Sprecher. Die neueren Forschungsschiffe würden mit Abgasfilter ausgerüstet.

Der NABU sieht die Kreuzfahrtindustrie beim Umweltschutz weiterhin in der Pflicht. Sie müsse anfangen, damit die Handelsschiffe nachzögen, sagte Oeliger. Ein Lichtblick ist zumindest im Aussicht: Im Mai 2013 soll mit der "MS Europa 2" von Hapag-Lloyd das weltweit erste Kreuzfahrtschiff mit einem Stickoxidkatalysator die Meere befahren.

(dapd/ Martin Motzkau)


 


 

Kreuzfahrten
Schiff
NABU
Einsatz
AIDA
Forschungsschiff Polarstern
Umweltschützer
Bundesregierung
Sprecher

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Kreuzfahrten" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: