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Nachwuchsförderung

GEW verlangt bessere Förderung Berliner Jugendlicher

Berufliche Ausbildung in Berlin soll stärker gefördert werden, um Fachkräftemangel zu beheben.

In Berlin gibt es einen Fachkräftemangel. Das ist schon längst bekannt. Eine naheliegende Lösung – die Ausbildung qualifizierter Nachwuchskräfte durch Betriebe selbst – wurde von der Wirtschaft schnell erkannt. Ausbildungs- und Förderprogramme starteten, Auszubildende wurden gesucht. Doch bald kam von den Betrieben die Beschwerde, dass viele Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können, weil viele junge Leute nicht ausbildungsreif seien.

Die Aus- und Weiterbildungsumfrage 2012 der IHK, an der sich bundesweit mehr als 14.000 und in Berlin 172 Unternehmen beteiligten, unterstreicht diese Auffassung. So konnten nach dieser Umfrage im Vorjahr 73 Prozent der Unternehmen, die Ausbildungsplätze anbieten, nicht alle von diesen besetzen. Als Hauptursache wird die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgängerinnen und -abgänger genannt, die 77 Prozent betragen soll und damit die gleiche Höhe erreicht wie in 2011.

Die Umfrage listet auch die Faktoren auf, die nach der Ansicht der Unternehmen die mangelnde Ausbildungsreife ausmachen: auf Platz eins stehen Defizite im mündlichen und schriftlichen Ausdruck, dicht gefolgt von der schlechten Rechenfähigkeit. Weiter zählen fehlende Motivation und Leistungsbereitschaft sowie Mangel an Disziplin und unklare Berufsvorstellungen zu den größten Ausbildungshemmnissen.

Laut der Umfrage treffen einige Berliner Ausbildungsbetriebe bereits jetzt Maßnahmen, um die Situation zu verbessern. So bieten 63 Prozent dieser Betriebe Nachhilfe für Jugendliche an, um die mangelnde Ausbildungsreife der Bewerber zu beheben.

Der Vorsitzende der Abteilung berufsbildende Schulen der Berliner Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Herbert Hannemann, vertritt eine andere Meinung. Er glaubt, dass es keine ausbildungsunreifen Menschen gibt. Seiner Meinung nach liege das Problem eher an der sinkenden Anzahl der Ausbildungsplätze und der Einstellung von Förderprojekten. Besonders stark betroffen seien junge Menschen mit Migrationshintergrund und aus sogenannten bildungsfernen Schichten, meint er.

Die GEW hat auch eine eigene Statistik über die berufliche Ausbildung. So hätten laut dieser zwar im Jahr 2011 fast 30 Prozent der Lehrlinge die Ausbildung abgebrochen, allerdings habe die Hälfte von ihnen lediglich den Betrieb oder die berufliche Richtung gewechselt und fahre mit der Ausbildung fort. Die andere Hälfte bleibe jedoch ohne neue Perspektiven. Die Jugendlichen würden in Maßnahmen gesteckt und erhielten dadurch das Signal, dass sie nicht gebraucht werden, sagt Hannemann.

Um diesen jungen Leuten zu helfen, fordert Hannemann eine bessere Förderung der beruflichen Ausbildung, die er im Vergleich zu allgemeinbildenden Schulen und Universitäten als zu wenig beachtet ansieht. Sein Vorschlag ist die Verbesserung der Berufseinstiegsberatung durch die Einrichtung der Anlaufstellen in den Bezirken, in denen Jugendliche mit den Mitarbeitern der Sozialbehörde, der Berufsverbände und Kammern und den Pädagogen sprechen können.

(Redaktion)


 


 

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