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  • 30.01.2015, 12:34 Uhr
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Networking

Berliner Unternehmerinnen-Projekt feiert 10-jähriges Jubiläum

Im Jahr 2005 ging „unternehmerinnen.org“ unter Nutzung von Web 2.0-Funktionen online – als eines der ersten Frauenprojekte überhaupt.

Zu diesem Zeipunkt boten lediglich LinkedIn und der XING-Vorläufer OpenBC selbstständigen Frauen professionelle Plattformen, auf denen sie sich vernetzen und austauschen konnten. So blickt das Projekt heute auf zehn Jahre als Vorreiter zurück. Aus aktuellem Anlass haben wir daher mit der Gründerin Ilona Orthwein gesprochen.

 

Business-on.de: Ihr Unternehmerinnen-Projekt feiert 2015 sein 10-jähriges Jubiläum. Welche Bilanz ziehen Sie aus den vergangenen zehn Jahren?

Ilona Orthwein: Wir sind 2005 als eines der ersten Frauenprojekte online gegangen unter Nutzung von Web 2.0-Funktionen. Das Web 2.0 gibt es erst etwa seit der Jahrtausendwende. 2005 waren Facebook & Co. noch nicht da bzw. noch völlig unbekannt. Es gab einige andere Projekte wie LinkedIn und OpenBC und auch frauenspezifische Plattformen, die interaktiv genutzt werden konnten wie femity.net. Dass es uns noch gibt, ist vermutlich dem zu verdanken, dass wir sehr beharrlich am Ball geblieben und unser Projekt durch die Umlagefinanzierung mit kleinen Mitgliedsbeiträgen einerseits, durch ein die Zielgruppe ansprechendes und ihren Bedürfnissen gemäßes Angebot aus Selbstpräsentation, Austausch und Information andererseits, immer weiter angepasst und ergänzt haben. Heute sind wir in den wichtigsten sozialen Medien präsent, betreiben eine Austauschgruppe mit fast 1.000 Frauen bei Facebook und haben im Monat ca. 500.000 Besucher/innen auf unserem Hauptportal. Über unser Projekt sind viele Synergien entstanden, selbständige Frauen sind bekannter geworden, Kooperationen kamen zustande etc. Während in den Anfangsjahren die Live-Vernetzung durch von uns organisierte  Unternehmerinnenabende in verschiedenen deutschen Städten im Fokus stand, hat sich das Networking (zur Networking Definition) mit Ausbreitung der Internetmedien und mobilen Geräte durch die zunehmende Teilhabe von Frauen im Social Web entsprechend ins Internet verlagert.

Business-on.de: Wie sehr – nach Ihrer Einschätzung – gehören Unternehmerinnen fest zur deutschen Wirtschaftslandschaft?

Ilona Orthwein: Etwa ein Drittel aller Selbständigen sind Frauen. Zu fordern, es müssten einfach mehr, besser 50 %, sein, ist aus meiner Sicht zu platt und geht auch an der Situation der selbständigen Frauen vorbei. Allzu selten wird diese nämlich thematisiert. Eine der wenigen, die das tut, ist Prof. Dr. Claudia Gather hier in Berlin. Ihre Studien zeigen, dass eine erschreckende Zahl der selbständigen Frauen so wenig verdient, dass diese davon nicht autonom leben können. Mir sind Zahlen bekannt von etwa 40 % Solo-Selbständige, die unter 1.100 € pro Monat verdienen und  ebenso über 20 % weiblichen Selbständigen mit Beschäftigten - dabei sprechen wir von Vollzeit-Selbständigen. Wer nicht von seiner Beschäftigung leben und fürs Alter vorsorgen kann, dem bringt eine solche Arbeit maximal ideellen Zugewinn, aber zu dem Preis, jeden Moment in die Armut abrutschen zu können, insbesondere bei Alter und Krankheit . Ein solches unternehmerisches Prekariat  - auch ca. 20 % der männlichen Selbständigen leben so - brauchen wir doch eher nicht, oder?

Business-on.de: Laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg gründeten 2013 Frauen rund 2.500 Einzelunternehmen . Wie bewertet Ihr Projekt die aktuelle Geschäftslage?

Ilona Orthwein:Ich habe keine Studien dazu gemacht, erlebe aber auch als Beraterin immer wieder die Probleme von Einzelgründungen. Es heißt zwar oft "small is beautiful", manchmal sollte es aber besser heißen "too small to survive" als Pendant zu "too big to fail". Einzelunternehmer /innen sind oft in einem "Selbst und Ständig" derart gefangen, das sie rasch überfordert und eine zu geringe Kapitalausstattung tut ein Übriges, verhindert z. B. einen ordentlichen Marketing- und Vertriebsaufbau. Was wir von Unternehmerinnen.org tun:  Wir versuchen seit 10 Jahren gerade die Unternehmerinnen aus dem kleinen Mittelstand durch unser Projekt zu unterstützen. Wir helfen Ihnen so bekannter zu werden, sich zu vernetzen, wichtige Informationen zu bekommen bzw. auszutauschen und auch Ansätze für Lobbyarbeit mit der Politik zu finden, z. B. durch Kontakte zu regionalen, aber auch Bundespolitiker/innen, um so die Anliegen dieser Frauen entsprechend zu platzieren.

(Text: Vivecca Frank)

(Redaktion)


 

 

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