Sie sind hier: Startseite Berlin Aktuell
Weitere Artikel
Entwicklung Ostdeutschlands

Ostdeutschland: große wirtschaftliche und soziale Fortschritte, aber noch erhebliche Strukturdefizite

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sieht die ostdeutschen Bundesländer als besser gerüstet für die globale Wirtschaftskrise als Westdeutschland. "Die Lehre aus der Krise könnte sein, dass wir in der Wirtschaftspolitik nicht mehr ausschließlich auf den einen, angelsächsischen Weg setzen, sondern auf die Unterschiedlichkeit der Systeme," sagte Schäuble bei der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute (ARGE).

Die Konferenz in Berlin stand unter dem Motto "20 Jahre wirtschaftlicher Neuaufbau in Ostdeutschland". Auch der Vorsitzende der ARGE, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Klaus F. Zimmermann zog eine positive wirtschaftliche Bilanz der deutschen Einheit: "Was ökonomisch realistischerweise machbar war, wurde auch weitgehend erreicht."

Gleichwohl gebe es noch erhebliche Strukturprobleme. "Die Industriedichte ist immer noch geringer als im Westen. Vor allem fehlt es an höherwertigen Arbeitsplätzen. In der Industrie kam es oft nur zur Ansiedlung nachgelagerter Funktionen. Und bei den Dienstleistungen gibt es einen eklatanten Mangel an höherwertigen Aktivitäten - wie Software-Entwicklung, Unternehmensberatung oder Werbung", so der ARGE-Vorsitzende und DIW-Chef. Allerdings sei das nichts Spezifisches für Ostdeutschland, denn generell finden sich solche Aktivitäten nicht in dünn besiedelten Regionen: "Niemand kann erwarten, dass der Bayrische Wald bei der Wirtschaftskraft zu München aufschließen kann - dasselbe gilt für große Teile Ostdeutschlands."

Der Wirtschaftswissenschaftler Harald Uhlig von der University of Chicago sprach von einem langsamen wirtschaftlichen Niedergang Ostdeutschlands: "Der Osten blutet großflächig aus." Er verwies auf die anhaltend hohe Migration von Ost nach West. "Die Zukunft des Ostens wandert ab," sagte Uhlig. "Jedes Jahr verschwindet etwa ein Prozent der Bevölkerung zwischen 18 und 29 Jahren - und auf dem Lande hat sich die Abwanderung im Osten von Jahr zu Jahr noch beschleunigt.

Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Hartmut Schauerte, verwies auf den Erfolg des Mittelstands in den neuen Bundesländern: "Es gibt in Ostdeutschland eine höhere Mittelstandsdichte als im Westen - und das, obwohl durch die NS- und die DDR-Zeit der Mittelstand in der Wurzel zerstört worden war", sagte Schauerte, der auch Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung ist.

Zur ökonomischen Geschichte der Wiedervereinigung sagte Bundesinnenminister Schäuble, die DDR sei nicht ökonomisch zusammengebrochen: "Sie hatte nur solange Bestand, solange die Sowjetunion das wollte." Er erinnerte an die Dynamik der damaligen Situation, die der Politik keine Alternative zu der schnellen Wirtschafts- und Währungsunion gelassen habe: "Das Tempo wurde nicht von der Politik gemacht, sondern von den Menschen auf den Straßen." Nach dem Mauerfall seien täglich 2000 Übersiedler aus der DDR in die Bundesrepublik gekommen.

(Redaktion)


 


 

Ostdeutschland
wirtschaftliche Entwicklung
soziale Fortschritte
Strukturdefizite

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Ostdeutschland" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: