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Interview mit Jonathan Imme

Palomar5- Berliner Initiative startet sechswöchiges Innovationscamp zur Arbeitswelt von morgen

Die 2009 in Berlin gegründete Initiative bildet ein Netzwerk aus jungen kreativen und motivierten Menschen, die aktiv die Arbeitswelt von morgen mitgestalten. Ziel von Palomar5 ist es, sich von alten Denkmustern zu lösen und neue Strukturen zu entwickeln, die den Bedürfnissen und Möglichkeiten der digitalen Generation entsprechen. Jonathan Imme, Sprecher von Palomar5, spricht im Interview über das anstehende Innovationscamp und die Zukunft der Arbeit.

Palomar5 plant ein sechswöchiges Innovationcamp, um neue, unkonventionelle Antworten auf die Fragen zu finden, wie wir in Zukunft arbeiten. Heißt, dass Ihre Generation mit der heutigen Arbeitswelt unzufrieden ist. Was missfällt Ihnen?

Jonathan Imme: Wir sind ein junges Team, alle um die 25 Jahre alt, und einige von uns haben bereits in Unternehmen gearbeitet. Dabei haben wir gemerkt, dass wir mit unseren Vorstellungen von Arbeit anders unterwegs sind, als die Generation davor. Das liegt daran, dass wir mit dem Internet und der digitalen Kultur aufgewachsen sind, unsere Arbeitsprozesse anders steuern und auch eine andere Form der Kollaboration entwickelt haben. Wenn man aber in tradierten Unternehmen Ideen einbringen will, wird man abgeblockt. Wir hätten uns gewünscht, dass unsere Ideen aufgegriffen, umgesetzt und praktisch ausprobiert werden.

Sie stört, dass Sie Ihre Ideen nicht einbringen können und die Wünsche der Digital Natives wenig Gehör finden. Was vermissen Sie am meisten in den tradierten Unternehmen?

Jonathan Imme: Wir vermissen Transparenz in der Kommunikation und Geschwindigkeit in der Informationssuche: Wir, also die digitale Generation, ist an Google gewöhnt und man bekommt ganz schnell die Informationen ausgespukt, die man braucht. Und das erwarte ich auch von dem Unternehmen, in dem ich arbeite. Wenn ich etwas wissen will, mich aber erst durch die Hierarchien hoch und runter fragen muss und ich trotzdem nichts erfahre, weil es sich dann um Internas handelt, bin ich demotiviert. Meine Intention ist doch, dass ich für das Unternehmen etwas Gutes will, mich engagiere, ein Projekt nach vorne bringen will. Aber warum wird die Motivation blockiert? Wir merken immer mehr, dass in dem Denken Welten aufeinanderprallen.

Sind das die Gründe, warum Sie und Ihre Mitstreiter aus Unternehmen ausgestiegen sind?

Jonathan Imme: Wir wollen uns nicht als frustrierte Konzernmitarbeiter darstellen, aber natürlich waren wir unzufrieden. Ich habe in Medienunternehmen gearbeitet, die sich selbst gerne als hipp darstellten und ihre flachen Hierarchien betonten. Doch ich war schockiert, wie traditionell und unflexibel diese jungen Firmen unterwegs sind.

Es gibt doch sicherlich Unternehmen, die für Ihre Bedürfnisse aufgeschlossen sind. Wie sieht es denn mit positiven Beispielen aus?

Jonathan Imme: Es gibt natürlich Firmen, die ganz viel richtig machen und einige Unternehmen setzen zumindest einiges von dem um, was wir uns wünschen, wie zum Beispiel Google. Wenn ich von uns spreche, spreche ich natürlich von unserer Generation. Doch ich kenne im eigenen Umfeld auch Menschen, die froh darüber sind, dass sie von 9 bis 5 Uhr arbeiten. Die freuen sich, dass sie fest angestellt sind, die ordnen sich unter, trennen strikt ihr Privatleben vom Beruf und wollen auch nichts anderes.

Haben Sie eine Ahnung, wie man künftig die beiden Parallelwelten, also das „old Business“ und die „Digital Natives“ unter einen Hut bekommt?

Jonathan Imme: Die Aufgabe der Unternehmen wird es sein, sich möglichst flexibel zwischen den beiden Parallelwelten zu bewegen, denn sie werden Mitarbeiter auf beiden Feldern beschäftigen. Wenn sich Firmen nicht an die neue Arbeitswelt anpassen, wird es künftig noch viel mehr eigenständige, kreative Cluster geben, die Unternehmen zuarbeiten, sich aber aus dem Corporate Context lösen werden.

Was ist daran so schlimm?

Jonathan Imme: Die Frage, die sich daraus ergibt ist, wie man unter den heutigen Bedingungen mit großen Unternehmen effektiv zusammen arbeitet. Wir wollen mit dem Innovationcamp den einen oder anderen Impuls geben, um in den Köpfen der Entscheider in der deutschen Wirtschaft etwas zu bewegen.

Stichwort: Innovationcamp. Worin unterscheidet sich Ihr Veranstaltungsformat zu Think-Tanks oder Barcamps?

Jonathan Imme: Es gibt viele Barcamps, Konferenzen oder Think-Tanks, aber es gibt keine Spielwiese in einem internationalen Set-up über mehrere Wochen. Das war für uns der Antrieb, Möglichkeiten zu schaffen, dass Teilnehmer eigene Ideen zu der Zukunft der Arbeitswelt entwickeln, weiterdenken, sich austauschen, aber auch vieles praktisch umsetzen. Wir wollen die Ideen erlebbar machen – egal ob in Form von Software, Szenario -Spielen oder prototypischen Modellen. Unsere Erfahrung ist, dass Barcamps durch die zeitliche Begrenzung dort aufhören, wo es eigentlich spannend wird.

Sechs Wochen lang zusammen in der Berliner Malzfabrik leben und arbeiten, klingt spannend. Welche Vorbereitungen sind nötig, um eine solche Mammutveranstaltung zu organisieren?

Jonathan Imme: Wir starten jetzt gerade mit der Akquisition der Teilnehmer: Man kann sich bis zum 15. August 2009 auf unserer Website mit Text, Bild oder einem Video bewerben. Wir legen großen Wert auf einen interdisziplinären Mix aus jungen Wissenschaftlern, Entrepreneurs, Querdenkern, Künstlern und Programmierern. Unser Ziel ist es, Leute aus allen fünf Kontinenten zu versammeln. Um das Innovationcamp auf die Beine zu stellen, haben wir es eine Woche lang mit zwölf Leuten aus China und den USA vorher ausprobiert. Dabei haben wir gemerkt, dass ein solches Camp einen wunderbaren fruchtbaren Boden bietet. Diese ersten Erfahrungen haben uns bestärkt.

In der Berliner Malzfabrik werden sechs Wochen jenseits von alten Denkmustern Arbeitsprozesse entwickelt, die den Möglichkeiten der digitalen Generation entsprechen.

Sie haben die Telekom AG als Sponsor für Ihr Innovationscamp gewonnen. Warum beteiligt sich ein Konzern an dem Projekt?

Jonathan Imme: Telekom will ein Verständnis dafür entwickeln, wie sich ein Konzern an die junge Generation anpassen muss und wie man die Strukturen innerhalb des Unternehmens dafür verändert. Natürlich will sich die Telekom auch als Unternehmen positionieren, das für die junge Generation offen ist, mit ihnen in den Dialog tritt und an den Fragen der Arbeitswelt von morgen arbeitet. Man will aber auch wissen, ob unser Camp ein Innovationsformat darstellt, das man für eigene Prozesse übernehmen kann.

Was wäre Ihr persönlicher Wunsch als Ergebnis des sechswöchigen Innovationscamps?

Jonathan Imme: Ich habe keinen persönlichen Favoriten. Uns geht es primär darum, einen spannenden Rahmen für das Camp zu schaffen und die Energien zu katalysieren.

Aber nach den sechs Wochen ist Ihr Projekt doch wohl nicht zu Ende. Was passiert mit den Ergebnissen?

Jonathan Imme: Im Anschluss an das Innovationssamp veranstalten wir einen zweitägigen Summit, zu dem wir Entscheider aus der Wirtschaft und Medienvertreter einladen, um ihnen die Ergebnisse vorzustellen. Wir wollen aber auch, dass sie in die temporäre Arbeitswelt eintauchen, Funken überspringen, wir Impulse setzen und vielleicht die ersten Pilotprojekte idealerweise mit den Camp-Teilnehmern starten. Wir wünschen uns, dass die ersten Projekte 2010 umgesetzt werden.

(Redaktion)


 


 

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