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Interview Brigitta Gabrin,multicult20.eu

Radio Multikulti ist Geschichte, aber www.multicult20.eu lebt im Internet weiter

Der Entschluss des RBB, ausgerechnet Radio Multikulti – das Vorzeige-Integrationsprogramm – einzustampfen, traf viele überraschend. Der Sturm der Entrüstung war dementsprechend stark und bis zuletzt hofften Unterstützer und Hörer, dass der RBB sich noch umstimmen ließe. Dem war nicht so. Seit Jahresbeginn senden 15 ehemalige Multikulti-Mitarbeiter unter multicult20.eu im Internet weiter. Business-on.de sprach mit der Verantwortlichen über das neue Angebot.

Business-on.de: Seit Silvester 2008 ist Radio Multikulti abgeschaltet. Wann fiel der Entschluss, das Programm im Internet weiterleben zu lassen?

Brigitta Gabrin: Erst Ende November 2008, denn bis dahin hatten viele von uns noch die Hoffnung, dass der RBB seine Entscheidung Radio Multikulti zu schließen rückgängig macht und sich auf das vom HörerInnen-Unterstützerkreis geforderte einjährige Moratorium einlässt.

Business-on.de: Momentan gehen Sie ab 16 Uhr auf Sendung. Wie sieht Ihr aktuelles Programm aus?

Brigitta Gabrin: Wir haben nur in den ersten Januar Tagen ab 16 Uhr live gestreamt, um uns vorzustellen. Zurzeit läuft ein Musikprogramm mit täglich 3-4 Stunden moderierten Sendungen und wir arbeiten unser Programmschema aus. Zum Relaunch unserer Website starten wir dann am 1. Februar 2009 mit 2x2 Stunden Live-Streaming, morgens und am späten Nachmittag, und mit mindestens sechs weiteren Stunden aktueller Weltmusik sowie thematischen Sendungen. Hinzu kommen dann natürlich Übernahmen von anderen Radios.

Business-on.de: Wann planen Sie, rund um die Uhr zu senden, und welche Voraussetzungen müssten dafür erfüllt sein?

Brigitta Gabrin: Um ein Vollprogramm liefern zu können, wie es der Großteil unserer Hörer über UKW-Frequenz gewohnt ist, brauchen wir natürlich vor allem eines: eine gesicherte Finanzierung.
Und einige Kollegen bräuchten außerdem die Sicherheit, dass sie sich ehrenamtlich in unserem Projekt engagieren dürfen und trotzdem als freie Autoren oder Moderatoren auch weiterhin noch beim RBB und Funkhaus Europa erwünscht sind.

Business-on.de: Finanziert wird das Projekt derzeit durch Spenden. Welches Geschäftsmodell planen Sie in Zukunft für multicult20.eu?

Brigitta Gabrin: Ein gemeinnütziger Träger und darunter eine betriebswirtschaftliche GmbH, das wird das Modell sein. Wir sind gerade mit unserem Anwalt dabei, auszuloten, was für unsere spezielle Situation am Passendsten ist.

Business-on.de: Welche Bedeutung hat ein Multikulti-Sender für die Region Berlin?

Brigitta Gabrin: Wir sind davon überzeugt, dass unser Projekt Berlin/Brandenburg als internationalen Medienstandort in Deutschland stärken wird. In Berlin und Brandenburg leben Menschen aus 180 Nationen. Die Multikulturalität ist ein Standortfaktor der Hauptstadtregion, der sich auch in den Medien widerspiegeln muss. Nach unserer Überzeugung reicht es nicht, wenn die multikulturelle Metropole mit einem Programm beschallt wird, das aus Nordrhein-Westfalen kommt. Dabei gehen wichtige multikulturelle Themen aus den Berliner Kiezen verloren. Völlig unberücksichtigt blieben dabei ja Migranten in den neuen Bundesländern wie aus Brandenburg, die häufig aus anderen Staaten kommen als Zuwanderer in den alten Bundesländern und deshalb auch andere Probleme haben.

Hinzu kommt, dass wir auch Radio für Zuwanderer in deren Muttersprachen machen. Dabei konzentrieren wir uns nicht wie andere Sender auf die Hörer aus den traditionellen Anwerbestaaten. Wir sind z.B. bundesweit der einzige Sender, der ein vietnamesisches Programm im Angebot hat, also für eine Hörergruppe, die vor allem in den neuen Bundesländern wohnt und für die in NRW kein Bedarf mit einer Hörfunksendung erkannt wurde. Hier leisten wir eine Grundversorgung. Wir senden darüber hinaus in Persisch, Albanisch, Kurdisch und in südslawischen Sprachen. In Zukunft kommen weitere Sprachen hinzu.

Business-on.de: Wie sind die Reaktionen auf Ihr aktuelles Angebot?

Brigitta Gabrin: Wir sind technisch in der Lage, 1050 Livestreams gleichzeitig zu versenden. In der Silvesternacht ist innerhalb der ersten Stunde der Server zusammengebrochen, weil uns noch mehr Hörer anwählen wollten. Seitdem reichen die technischen Möglichkeiten aus. Wir rechnen mit einer Erhöhung der Hörerzahl ab Februar 2009, wenn wir ein neues Programmschema präsentieren.

Business-on.de: Die Radiolandschaft in Berlin-Brandenburg gehört im europäischen Vergleich zu einer sehr stark umkämpften. Welche Chancen sehen Sie langfristig, um wieder eine eigene Radiofrequenz zu besetzen?

Brigitta Gabrin: Abgesehen davon, dass wir optimistisch sind − denn ohne Optimismus kann man so ein Projekt nicht starten −, gehen wir davon aus, dass wir in ein bis zwei Jahren auch eine ULW-Frequenz bekommen. Über eine Fensterlösung zu einem zeitnahen Zeitpunkt wollen wir jetzt schon mit der MABB (Ann. d. Red.: Medienanstalt Berlin-Brandenburg) verhandeln.

Frau Brigitta Gabrin, Business-on.de dankt Ihnen für dieses Gespräch.

(Niels Petersen)


 


 

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1 Kommentar

von daisy
19.01.09 18:09 Uhr
große freude

was für wunderbare nachrichten dieser mutigen Moderatorin,vielen Dank und toi , toi, toi

 

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