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  • 08.07.2014, 13:35 Uhr
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  • Berlin
Rechte und Pflichten

Während der Arbeitszeit zum Zahnarzt

Ein Zahnarztbesuch ist für viele Menschen keine angenehme Angelegenheit – Schmerzen und vielleicht auch Angst vorm Zahnarzt sind oftmals nicht das einzige Übel. Doch was tun die Berliner, wenn Sie während der Arbeitszeit zum Zahnarzt müssen?

Dass die damit verbundene Fehlzeit, neben den Beschwerden auch noch zu Streit mit dem Chef führt, kann jedoch vermieden werden. Vorgaben im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und im Arbeitsvertrag regeln, wann Arbeitnehmer für einen Zahnarzttermin frei bekommen und ob der Arbeitgeber den Lohn fortzahlen muss. Um Konflikten vorzubeugen, sollten Angestellte sich über ihre Rechte und Pflichten informieren.

Wenn der Arbeitgeber den Arztbesuch untersagt

In Ausnahmefällen ist es tatsächlich rechtens, dass Arbeitgeber die Wahrnehmung von Arztterminen verbieten, ihre Angestellten auffordern, dafür Urlaub zu nehmen oder die Lohnfortzahlung für die Zeit der Abwesenheit verweigern. Um solche Unannehmlichkeiten zu umgehen, sollten Angestellte drei Voraussetzungen überprüfen, bevor sie ihren Vorgesetzten mit der Bitte um Freistellung konfrontieren:

  • Erstens sollte der Termin nicht aufschiebbar sein.
    Das ist z.B. bei akuten Schmerzen der Fall oder wenn der Zahnarzt keine Sprechstunde außerhalb der Arbeitszeiten des Patienten anbietet.
  • Zweitens sollte der Grund für den Arztbesuch bei der Person selbst liegen.
    Das heißt, es muss beim Arbeitnehmer ein konkretes Zahnproblem bestehen. Eine Empfehlung zur professionellen Zahnreinigungen wird vom Arbeitgeber kaum als Grund anerkannt werden.
  • Drittens sollte der Betroffene nicht selbst schuld an dem Problem sein.
    Das ist Auslegungssache. Kein Arbeitgeber wird Angestellten Vorwürfe machen, die zu viel genascht haben und deshalb nun unter Zahnschmerzen leiden. Wer jedoch etwa einem gefährlichen Extremsport nachgeht und ständig wegen Verletzungen bei der Arbeit fehlt, darf sich über Beschwerden nicht wundern.

Ausnahmeregelungen beachten

Wer sich bemüht, Arzttermine in seiner Freizeit zu erledigen, wird in der Regel mit der Kulanz des Arbeitgebers rechnen können, sofern sich gesundheitsbedingte Fehlzeiten ergeben. Im Normalfall wird man dann für einige Stunden freigestellt und erhält dennoch sein Gehalt gemäß der gesetzlich vorgeschriebenen Entgeltfortzahlungspflicht. Gleiches gilt für alle, die durch schwerwiegende Zahnprobleme richtig krank werden und für einige Tage das Bett hüten müssen. Hier greift das Lohnfortzahlungsgesetz: Der Arbeitnehmer erhält vorerst weiter sein Geld, sofern er vom Arzt offiziell arbeitsunfähig geschrieben ist. Wichtig ist jedoch, zu beachten, dass in bestimmten Fällen gesetzliche Regelungen durch Bestimmungen im Arbeitsvertrag ausgehebelt werden können. Vor allem Schichtarbeiter und Teilzeitkräfte werden oftmals strenger in die Pflicht genommen, ihre Arzttermine in die Freizeit zu verlegen. Schließlich haben sie mehr Möglichkeiten als reguläre Vollzeitkräfte, Zahnarztbesuche während der normalen Sprechzeiten zu erledigen. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Wenn eine Behandlung unbedingt morgens in nüchternem Zustand stattfinden soll und in die Arbeitszeit einer Teilzeitkraft fällt, muss der Arbeitgeber in der Regel freigeben und dennoch den Lohn zahlen. Für alle, die eine längere Zahnbehandlung mit starker Betäubung vor sich haben, gilt zudem: um Fehler bei der Arbeit zu vermeiden, am besten für den Rest des Tages krankschreiben lassen!

Gutes Verhältnis zum Chef bewahren

Ob ein Zahnarztbesuch in der Arbeitszeit gestattet und der Lohn dennoch bezahlt wird oder der Arbeitnehmer Urlaub einreichen muss, ist trotz Regelungen und Gesetzen oft ein Stück weit Auslegungssache. In jedem Fall sollte Chef und Angestelltem klar sein: Die Gesundheit steht an erster Stelle und ist die Voraussetzung dafür, dass der Arbeitnehmer seine Leistungen erbringen kann.

Öffnungszeiten beim Zahnarzt beachten

Viele Ärzte haben die Problematik bereits erkannt und bieten mittlerweile auch verlängerte Sprechstunden an. Die Zahnarztpraxis von Herrn Dr. Seidel in Berlin beispielsweise macht auch mal Ausnahmen und vergibt Termine, die der Arbeitnehmer auch nach seinem Feierabend einhalten kann. Zudem wird auch die Möglichkeit angeboten am Samstag in die Praxis zu bekommen und sich behandeln zu lassen.

(Redaktion)


 


 

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