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Zumindest montags. Denn die Deutsche Post hat sich entschlossen, sich das ohnehin nicht mehr so leichte Leben auf dem Briefmarkt aus eigener Kraft noch schwerer zu machen. "Einsparungen" ist auch hier einmal mehr das Stichwort – zu Lasten der montäglichen Postsendungen.

Der dadurch entstehende circus diaboli scheint der Post dennoch nicht offensichtlich. Als Grund für die Einsparungen äußert die Deutsche Post einen Rückgang bei den Briefsendungen. Durch das Abschalten von Briefzentren an Sonntagen und das Zusammenlegen von Verteilbezirken an Montagen könne man Millionen einsparen. Aber der Ärger der Post fängt schon wesentlich früher an:

Das Postmonopol ist schon seit 1998 keines mehr. Zumindest Briefzustellungen können seitdem auch von privaten Unternehmen vorgenommen werden. Dazu war für sie nur eine Lizenz erforderlich. Und davon wurden inzwischen schon mehr als 600 ausgeteilt. Seit 2007 dürfen auch Briefe über 50 Gramm Gewicht von eigenständigen Postunternehmen zugestellt werden. Die Auswahl auf dem Post-Markt ist groß. Und die Postkunden machen davon auch Gebrauch – wenn sie diese erstmal durchschaut haben. Schließlich sind diese Privatunternehmen, die oft nur lokale oder regionale Dienste anbieten, günstiger als die Deutsche Post, und oft auch schneller. Das macht sich gerade in kleineren Städten bemerkbar: Wenn man einen Brief innerhalb der Stadt verschicken will, wird dieser zunächst in das nächstgelegene Sortierzentrum an der Grenze zur Pampa gebracht, um dann wieder in die Stadt zurücktransportiert zu werden. Mehr Aufwand geht kaum.

Da dem Anschein nach die Einsparungen aber nun doch auf Kosten der Postkunden passieren und diese an Montagen gebietsweise vergeblich auf den Postboten wartet, ist es nicht abwegig, dass sich auf Dauer vor allem auch Geschäftskunden Deutschen Post abwenden und zuverlässigere Alternativen suchen. Das führt für die Post zu einem weiteren Umsatzrückgang, der wiederum Einsparungen mit sich bringt. Und die führen über kurz oder lang zu Stellenstreichungen. Daraus ergibt sicher weniger Service für die Kunden. Und so weiter.

Somit hat auf Dauer niemand etwas davon: Die Deutsche Post schrumpft, ihre Kunden müssen sich durch den Angebots-Dschungel kämpfen und ihre Angestellten, naja, die müssen sich bei den Privaten vorstellen.

Ein bisschen Kreativität und Wettbewerbsgeist kann man doch auch von der Post verlangen. Monopol ist out, und wenn sie nicht aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht, die Deutsche Post bald auch. Dabei wäre es doch ein Leichtes, mal auf sündhaft teure Werbekampagnen zu verzichten und stattdessen den Kunden günstigere Portopreise zu offerieren. Ebenfalls gilt es zu bedenken, dass der klassische Brief im privaten Sektor zwar starke Konkurrenz durch seinen elektronischen Verwandten bekommen hat. Im öffentlichen Leben zählt dennoch das Wort auf Papier am meisten. Wie sollte das anders zu seinem Adressaten kommen als mit der Post? So ist es schon etwas armselig, dass selbst Städte und Kommunen schon zu Alternativen greifen.

(Ricarda Eppler)


 


 

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