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Künstlersozialabgabe, Daniel Vogel

Sind Profisportler Künstler?

Diese Frage klingt zunächst wie der Stoff aus populären Sportmagazinen. Sicher eignet sich dieses Thema auch, um in den Feuilletons einschlägiger Zeitungen erörtert zu werden. Angesichts der zu erwartenden Darbietung eindrucksvoller ‑Ballkünste bei der bevorstehenden Fußball-Europameisterschaft lässt sich über die Sache gewiss trefflich streiten. Mit ‑Nein hat allerdings vor wenigen Tagen das Bundessozialgericht diese Frage beantwortet. Zumindest in (sozial-)rechtlicher Hinsicht. So entschieden die Kasseler Richter, dass auf Honorare von Profisportlern für die Mitwirkung in Werbespots keine Künstlersozialabgabe entrichtet werden muss (Urteil vom 24.01.2008; Aktenzeichen: B 3 KS 1/07 R).

Im zu entscheidenden Fall hatte eine Gesellschaft geklagt, welche die Persönlichkeitsrechte von Profisportlern vermarktet. Die beliebten Profiboxer Vitali und Wladimir Klitschko traten durch die Ver­mittlung der klagenden Gesellschaft seit dem Jahr 2003 in verschie­denen Fernsehwerbe­spots für Papiertaschentücher und Kindersnacks auf. Hierfür enthielt die Klägerin von den Produzenten der Werbespots ein Entgelt, welches sie nach Abzug einer Vermittlungsprovision als Honorar an die Klitschko-Brü­der zahlte. Die beklagte Künstlersozial­kasse war der Auffassung, bei der Mitwirkung von Profisportlern an Werbespots handele es sich um eine selbstständige Tätigkeit im Bereich der darstellenden Kunst. Zur Begründung trug die Beklagte vor, es handele sich um nach einem Drehbuch gestaltete Szenen, in denen die Profisportler als Darsteller aufträten. Daher hatte sie die Klägerin ver­pflichtet, auf die den Klitschko-Brüdern gezahlten Hono­rare die Künstlersozialabgabe nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz zu zahlen.

Die Sache landete letztlich beim Bundessozialgericht, welches der Klage stattgab. Profisportler werden durch die Mitwirkung in Werbespots nicht zu Künstlern. Die werbetreibende Wirtschaft engagiert Profisportler nicht wegen ihrer darstellerischen Fähigkeiten als Werbeträger, sondern wegen ihrer Be­kanntheit in weiten Teilen der Bevölkerung und ihrer Vorbildfunk­tion gerade bei jüngeren Konsumen­ten. Es gehört mittlerweile zum Berufsbild von Profisportlern, in der Wer­bung aufzutreten und so ihre Persönlich­keitsrechte zu vermarkten. Ob allerdings auf ein Honorar die Künstlersozialabgabe auch dann nicht zu zahlen ist, wenn ein Profi­sportler eine Rolle in einem Kino- oder Fernsehfilm übernimmt, war nicht zu entscheiden.

(Vgl. zum Ganzen: Medieninformation Nr. 4/08 des Bundessozialgerichts vom 24.01.2008)

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(Daniel Vogel)


 


 

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