Sie sind hier: Startseite Berlin Finanzen
Weitere Artikel
  • 01.02.2017, 20:30 Uhr
  • |
  • München
Steuer 2017

Vom Unternehmer zum Steuerhinterzieher?

Ein innerbetriebliches Kontrollsystem schützt vor Rufschädigung! Unternehmer aufgepasst: Durch einen neuen Erlass des Bundesfinanzministeriums droht im Ernstfall der Vorwurf der Steuerhinterziehung. Zwar wird in dem Erlass angenommen, dass Firmen mit einem internen Steuerkontrollsystem nichts zu verbergen haben.

Der Knackpunkt liegt aber im Umkehrschluss, den die Finanzämter laut der Augsburger Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Scheidle & Partner, Mitglied bei HLB Deutschland, ziehen könnten. Denn in den Behörden herrsche zunehmend die Meinung vor, dass „bei Unternehmen, die kein Kontrollsystem haben, vermutlich nicht alles mit rechten Dingen zugeht“, mahnt Steuerberaterin Andrea Witte.

Ein innerbetriebliches Kontrollsystem – ein sogenanntes Tax Compliance Management System (TCMS) – kann Unternehmer im Ernstfall also vor dem Vorwurf der Steuerhinterziehung und damit vor Auseinandersetzungen mit der Finanzbehörde und einer möglichen Rufschädigung bewahren. Relevant wird die Frage nach einem solchen System zum Beispiel, wenn ein Unternehmen eine korrigierte Steuererklärung oder Steuervoranmeldung abgibt. Dies ist zwar grundsätzlich erlaubt, dennoch lässt dies die Finanzverwaltung laut der Augsburger Kanzlei in letzter Zeit immer häufiger aufhorchen und annehmen, es könnte sich um vorsätzliche Steuerhinterziehung handeln. Daher werde zunächst darauf geschaut, ob ein innerbetriebliches Kontrollsystem vorhanden ist.

Einfaches Merkblatt oft ausreichend

„Im Grunde kann sich also niemand einem solchen System entziehen, auch wenn es laut Gesetz keine Pflicht ist“, sagt Witte. „Die gute Nachricht: Form und Umfang dieses Kontrollsystems sind vom Gesetzgeber nicht definiert.“ Dies variiere unter anderem je nach Unternehmensgröße, Komplexität und Art des Kerngeschäfts. Was also für das eine Unternehmen ausreichend und sinnvoll ist, kann für ein anderes völlig unzureichend sein. „Von einem einfachen Dokument zum Ablauf der Buchführung in kleinen mittelständischen Unternehmen bis zu schriftlichen Arbeitsanweisungen, Mitarbeiterschulungen und einem umfangreichen Konzept in großen Betrieben reicht die Bandbreite möglicher interner Kontrollsysteme“, sagt Andrea Witte.

Ein passendes Kontrollsystem behält auch bei komplizierten Betriebskonstruktionen und ausländischen Niederlassungen den Überblick. Denn die Systeme fixieren schriftlich Zuständigkeiten, Abläufe und Prozesse, um im Zweifelsfall schnell eine Antwort zu liefern, an welcher Stelle und aus welchem Grund ein Fehler passiert ist und wie in diesem Falle reagiert wird.

Die Zahl der Fehlerquellen ist endlos

Außerdem sollen Kontrollsysteme der Finanzbehörde vermitteln, dass das Unternehmen redlich bemüht ist, seine Pflichten zu erfüllen und Fehler nicht billigend in Kauf nimmt. Denn je mehr Personen und Prozesse in die steuerlichen Belange eines Unternehmens eingebunden und je automatisierter die Abläufe sind, desto größer ist das Risiko ungewollter Fehler. So kann beispielsweise eine automatisierte fehlerhaft ausgeführte und automatisierte Buchung zu hunderten weiterer fehlerhafter Buchungen führen, bevor es jemand bemerkt. Die Zahl möglicher Fehlerquellen ist endlos.

„Unternehmer sind bestens beraten, wenn sie den gestiegenen Anforderungen der Finanzverwaltung nachkommen und ein für ihr Unternehmen angemessenes Kontrollsystem implementieren“, rät Witte abschließend: „Der damit verbundene Aufwand steht in keinem Verhältnis zu dem Imageschaden, den ein eingeleitetes Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung bei Kunden, Zulieferern und im eigenen Hause hervorrufen würde.“

(Redaktion)


 


 

Andrea Witte
Scheidle & Partner
Unternehmen
Kontrollsystem
Steuerhinterzieher
System
Fehler

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Andrea Witte" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: