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Urheberrecht

Was Online-Redakteure beim Publizieren wissen müssen

Wie lange darf ein Teaser sein? Wann müssen Textstellen als Zitat kenntlich gemacht werden? Darf man fremde Bilder als Zitat verwenden? Die aktuelle Diskussion um das Leistungsschutzrecht macht es wieder deutlich: Online-Redakteure wissen oftmals nicht, was sie publizieren dürfen und was nicht. business-on.de hat mit IT-Fachanwältin Kathrin Berger die wichtigsten Fakten zusammengestellt.

business-on.de: Nachrichtenportale wie meinestadt.de oder shortnews.de, aber auch Suchmaschinen wie Google veröffentlichen Auszüge aus fremden Artikeln (Teaser) mit der entsprechenden Verlinkung zum Originalartikel. Wie lang darf ein Auszug (Teaser) maximal sein?

Kathrin Berger: Es gibt keine Faustregel dafür, wie lang so ein Teaser sein darf. Es kommt darauf an, ob der genutzte Text besondere Formulierungen enthält, die sich vom Alltäglichen abheben und damit die urheberrechtlich geforderte „Schöpfungshöhe“ erreicht. 

Das Landgericht München hat in einem Urteil vom 03.06.2011 (21 O 8455/11) entschieden, dass auch ein auf 35 bis 50 Wörter beschränkter Artikel urheberrechtlich geschützt sein kann. 

Möglich ist andererseits aber auch, dass ein Text mit 15-20 Wörtern so wenige Besonderheiten aufweist, dass er nicht urheberrechtlich geschützt ist, und daher ohne weitere Voraussetzungen verwendet werden darf. 

Der Bundesgerichtshof nimmt nur bei einzelnen Wörtern oder knappen Wortfolgen an, dass diese im Normalfall nicht urheberrechtlich geschützt sind (BGH, Urt.v. 01.12.2010, 1 ZR 12/08 – „Perlentaucher“). Auch hier kann jedoch im Einzelfall etwas anderes gelten – wie gesagt: eine Faustregel gibt es leider nicht.

business-on.de: Dürfen veröffentliche Teaser auf andere Artikel auch Bildmaterial des Originalartikels enthalten?

Kathrin Berger: Fotos sind immer urheberrechtlich geschützt. Die Übernahme in einen Teaser ohne vorher die Nutzungsrechte eingeholt zu haben, ist daher – jedenfalls in dem Fall der von Ihnen angeführten Nachrichtenportale - nicht gestattet.

business-on.de: Darf ich Bildmaterial aus dem Originalartikel verwenden, wenn ich inhaltlich ausdrücklich auf das Thema des Originalartikels eingehe ?

Kathrin Berger: Wenn eine eigene inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Originalartikel erfolgt und es für das Verständnis sinnvoll ist, ein Bild aus dem Originalartikel dazu zu sehen, dann darf dieses auch verwendet werden. 

Das bedeutet aber nicht, dass unbesehen sämtliche Bilder genutzt werden dürfen – die Ausnahme für die Bildnutzung gilt nur, soweit die eigene Kommentierung des Originalartikels sich auch auf das Bild bezieht.

Kathrin Berger: Zu unterscheiden ist hier: die Verlinkung auf Texte oder Bilder stellt keine Urheberrechtsverletzung dar. Erst wenn das Bild auf der eigenen Website genutzt wird, liegt ein Kopieren vor. Die Rechtslage bei dem Einbinden fremder Inhalte per Framing ist noch nicht abschließend geklärt.

business-on.de: Die 1:1 Übernahme von Textpassagen ist erlaubt, wenn Sie als Zitat kenntlich gemacht werden. Was heißt das genau? Sind Anführungsstriche, Quellenangabe und Link erforderlich?

Kathrin Berger: Erste Voraussetzung dafür, dass eine Textpassage oder ein Bild als Zitat verwendet werden dürfen, ist, dass der zitierte Text oder das Bild als Belegstelle oder als Grundlage für selbständige Ausführungen dienen. Nicht ausreichend ist es, wenn der Text oder das Bild nur dem Nutzer leichter zugänglich gemacht werden sollen oder eigene Ausführungen erspart werden sollen.

Zudem muss beachtet werden, dass es nur in gewissem Umfang erlaubt ist, zu zitieren. Auch hier gibt es keine Faustregel. Der zulässige Umfang eines Zitates bestimmt sich nach dem Zitatzweck, also danach inwieweit eine 1:1-Übernahme sachgerecht ist. 

Ein kleines Beispiel kann das am besten veranschaulichen: Ein Presseartikel darf zitiert werden, wenn eine kritische Auseinandersetzung mit dem Artikel erfolgt. Bezieht sich die Kritik nur auf einen bestimmten Teil des Artikels, so darf nur dieser Teil zitiert werden, nicht der gesamte Artikel (so z.B. LG München, Urt. v. 27.07.1994, 21 O 22343/93).

Wie Sie richtig bemerken, muss das Zitat kenntlich gemacht werden. Es muss also die Quelle angegeben werden (z.B. aus welcher Zeitschrift das Textzitat stammt), außerdem muss der Urheber genannt werden (also bei einem Text der Autor, bei einem Foto der Fotograf). 

Um den zitierten Teil eines Textes genau zu kennzeichnen bieten sich Anführungsstriche an. Die Kennzeichnung kann aber auch durch eine Absetzung durch eine andere Schriftart erfolgen – wichtig ist, dass deutlich wird, dass es sich um ein Zitat handelt. Zudem muss angegeben werden, ob Kürzungen oder Änderungen vorgenommen wurden.

Eine Verlinkung auf das Original ist nicht unbedingt erforderlich, bietet sich im Internet aber natürlich an.

business-on.de: Fremde Bilder dürfen i.d.R. nur mit ausdrücklicher Erlaubnis veröffentlicht werden (bspw. Bilder von Wikipedia). Wenn ich Bilder ohne Erlaubnis veröffentliche: Macht es dann juristisch einen Unterschied ob die Quelle genannt wird oder nicht? Mit welchen Konsequenzen habe ich in Deutschland zu rechnen?

Kathrin Berger: Wenn die Übernahme von Fotos nicht z.B. als Zitat gerechtfertigt ist, muss man sich die Nutzungsrechte einräumen lassen. Nutzt man ein Bild ohne die entsprechenden Nutzungsrechte zu haben, drohen Abmahnungen, mit denen Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden. Hat man das Foto genutzt, ohne den Urheber zu nennen, dann kann sich der Schadensersatzanspruch sogar noch verdoppeln.

(Kathrin Berger)


 


 

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