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Wahlkampf beta 2.0

Wer sich wundert, dass es so unmittelbar vor den Bundestagswahlen noch so wenig von Parteien und Politikern zu hören und zu sehen gibt, der ist noch nicht im Internetzeitalter des Wahlkampfes angekommen.

Schon vor Monaten haben die Parteien nach und nach mit ihren Gallionsfiguren Einzug bei studivz.net gehalten. Hier heißt es: Farbe bekennen und gut finden. Inzwischen tummeln sich dort ca. 350 Politiker und Parteien mit ihren Profilen. Politik zum Anfassen. Wenn da nicht für jeden etwas bei ist.

Jetzt spielen die großen Parteien im Kampf um die Bundesregierung ein weiteres Ass aus: Wahlkampf bei myvideo.de – unterstützt von facebook.de und N24. Das junge Wählerpublikum soll geweckt werden. Livechats mit Westerwelle und Trittin, Meinungsumfragen und dergleichen Dinge mehr – so präsentieren sich Bundestagsparteien der Öffentlichkeit. Für effektiven Wahlkampf braucht man sich heutzutage nicht mehr unter freiem Himmel der Menschenmasse zu stellen. Mit einem Laptop auf dem Sofa zu sitzen, reicht vollkommen.

 Doch Medienpräsenz allein ist nicht der Weg zum Wähler. Auf dem Wahlkampfchannel von myvideo.de präsentieren sich die Großen und ihre Vertreter klischeehaft. Die Linke setzt auf menschennahe Unsicherheit, die FDP auf einfache und prägnante Aussagen, die CDU präsentiert sich schlicht und seriös, die Grünen zeigen sich übersichtlich und organisiert. Die SPD ist nicht vertreten.

Hier trifft man auch auf Wahlkampf light. Nutzer werden dazu aufgerufen, Parteien zu propagieren, eigene Wahlwerbespots zu drehen. Wenn das nicht geschickt ist. Ein überzeugter Kunde ist ein wesentlich besserer Multiplikator als jede Werbung es sein könnte. Aber kann man unter solchen Umständen von ernsthafter Überzeugung reden? Schließlich findet sich hier ein latenter Wettbewerbsgedanke.

Letztendlich ist der Grundgedanke nicht ganz verkehrt. Hier geht es darum, junge Leute zur aktiven Auseinandersetzung mit Politik zu animieren. Gelegenheit um sich einzubringen, bekommt der Internetnutzer zu Genüge. Dennoch sollten die klassische Podiumsdiskussionen und die Wahlkampfmobile nicht abgewrackt werden. Gerade im Zeitalter hochtechnischer Kommunikationsmittel darf der direkte Kontakt nicht vernachlässigt werden. Auch, wenn man zugeben muss, dass das Internet die Möglichkeit bietet, Schwächen zu überspielen. Die Öffentlichkeit ist zwar nach wie vor da, aber nun einmal nicht räumlich, sodass Nervosität und Erklärungsnot leicht kompensiert werden können und Versprecher höchstens noch Tippfehler werden.

Ob die neue Generation Wahlkampf gute Arbeit tut, wird sich im September zeigen. Aber es bleibt fraglich. Schließlich gilt es dabei nicht nur die Gunst der jungen Wähler zu erhaschen. Einige der Filmchen im Internet sind eher ein mehr oder minder charmantes Bekenntnis zur Selbstironie. Und, wo machen Sie Ihr Kreuzchen? In diesem Sinne: gute Unterhaltung.

(Ricarda Eppler)


 


 

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2 Kommentare

von Deacon
10.08.09 21:24 Uhr
Die SPD ist vertreten

Hallo,

hier muss ich kurz wiedersprechen. Die SPD ist doch vertreten:
http://www.myvideo.de/channel/spdvision

von Ricarda Eppler
10.08.09 21:42 Uhr
Danke

Oh, mein Fehler. Danke für den Hinweis.

 

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