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Stressmanagement- Dr. Gregor Wittke

Wie kann ich Stress am Arbeitsplatz kontrollieren und für mich nutzen?

Auch wenn es oft anders erscheinen sollte; Stress ist grundsätzlich eine gute Sache. Ohne unsere Stress-Fähigkeiten wären wir Menschen wären vermutlich längst ausgestorben. Noch mehr als für unseren heutigen Alltag war es für unsere Vorfahren lebenswichtig, bei Gefahr schnellstens Hormone wie Adrenalin auszuschütten, den Puls nach oben zu jagen, mehr Blut in die Muskeln zu pumpen, die Sinne zu schärfen und bereit zu sein für Angriff oder Flucht. Das leuchtet besonders ein, wenn wir uns vorstellen einem Bären oder einem kriegerischen Artgenossen gegenüber zu stehen. Weil wir heute solche Situationen in der Regel nicht mehr in dieser Form vorfinden, erzeugen wir heute vorzugsweise in unserer Freizeit sogar Situationen, in denen der Adrenalin-Kick einer rasanten Achterbahnfahrt das Leben erst wirklich spürbar macht.

Während sich unsere Gesellschaft kulturell weiter entwickelt hat, sind wir physiologisch unseren Vorfahren aus der Steinzeit noch immer sehr ähnlich. Daher reagieren wir noch heute auf manche Herausforderungen als wenn die Jahrtausende nicht vergangen wären.

So erleben wir heute immer wieder Situationen in denen wir instinktiv und spontan Energiereserven für körperliche Aktivität bereitstellen (die ursprüngliche Funktion von Stress), obwohl unser Leben und Arbeiten in kritischen Momenten heute in der Regel eher Kommunikations- oder gedankliche Problemlösungskompetenzen erfordern. Unkontrollierte Reaktionen im Stress können hier leicht mehr schaden als nützen.

Wie kann ich mein Stressverhalten erkennen und kontrolliert steuern? Um diese Frage zu beantworten, kläre ich zuerst, was Stress ist, wie er entsteht und woran wir Stress-Auslöser und Stresssymptome erkennen. Daraus lassen sich einige schnell umsetzbare generelle Stressbewältigungs-Strategien ableiten.

Stress ist ein Wort dessen Definition sich seit den 50er Jahren, als der ungarische Arzt Hans Selye den Begriff in die Medizin und die Psychologie einführte, immer weiter entwickelte. Ursprünglich kommt der Begriff Stress aus dem technisch-physikalischen Bereich. Er steht dort für die Anspannung und Verzerrung von Metallen und Glas. Selye übernahm den Begriff und beschrieb damit bildlich eine Leistung steigernde Anpassung des Menschen auf körperliche oder seelische - akute oder chronische - Belastungen.

Belastungen entstehen, wenn die Anforderungen einer Situation unsere Fertigkeiten und Fähigkeiten überschreiten. Besonders hohe oder lang andauernde Belastungen führen zu den typischen Stress-Symptomen.

Wie erkenne ich Überforderungs- und Stresssituationen? Besondere Situationen, Personen oder Einflüsse aus der Umwelt, die wir als bedrohlich empfinden, können Stress auslösen. Sie werden als Stressoren bezeichnet. Unsere Gedanken und unsere Körper reagieren dann auf die typische Art und Weise, die wir als Stress bezeichnen. Beispiele für solche Situationen im beruflichen Kontext sind z.B. Lärm in einem Großraumbüro oder eine bevorstehende Rede vor einem großen Publikum. Stress erleben wir aber auch im Privaten beispielsweise bei einer Auseinandersetzung mit der Partnerin oder dem Partner. Für unser persönliches Stresserleben ist letztlich die gefühlte Bedrohung ausschlaggebend.

Die Stressstärke wird bestimmt durch: - das Ausmaß der wahrgenommenen Bedrohung - das Ausmaß der zeitlichen und räumlichen Nähe der Bedrohung - das Ausmaß der (Un)berechenbarkeit der Situation

Eigenschaften typischer Stress-Situationen im Beruf: - sie stellen hohe Anforderungen - sie sind verbunden mit hohen eigenen Leistungs-Maßstäben - sie machen uns unsicher in Bezug auf unsere Fähigkeiten und Kompetenzen - sie haben schwerwiegende Konsequenz im Falle eines Scheiterns

In beruflichen Alltag reicht es schon, wenn der Chef uns kritisiert und durch hohe Anforderungen unter Druck setzt. Auch hier ist eine klassische Kampf- / Fluchtreaktion, wie der Körper sie bei Stress vorbereitet, wenig hilfreich für die eigene Karriere.

Wie reagieren wir auf Stress? Stress-Situationen lösen auf vier Ebenen Reaktionen aus, die wir nicht immer bewusst wahrnehmen.

- spezifische körperliche Reaktionen (z.B. Herzklopfen, zitterige Stimme etc.) - Gedanken (z.B. „Oh je, wenn ich jetzt einen Fehler mache dann …“) - Gefühle (z.B. Angst, Gefühl von Hilflosigkeit, Ärger etc.) - Verhalten, mit dem wir auf unsere Umwelt einwirken (Bewältigung / Bewältigungsversuche).

Warum reagieren Menschen unterschiedlich stark auf belastende Situationen? Ob eine Situation Stress auslöst oder nicht ist individuell sehr unterschiedlich. Jeder kennt vermutlich Situationen die selbst mit Leichtigkeit gemeistert werden, die Freunde oder Kollegen jedoch schnell unter Stress setzen oder haben umgekehrt beobachtet, wie andere Situationen locker angehen, die uns selbst in Stress versetzen. Bewertungen, Einstellungen und Grundüberzeugungen sowie Fertigkeiten, die wir im Laufe unseres Lebens gelernt haben spielen dabei eine besondere Rolle. Aus diesem Grund liegt hier ein wichtiger Ansatzpunkt, die Stressbewältigung zu verbessern und Stress zukünftig konstruktiver zu meistern.

Woran merken wir, dass wir uns in einer Überforderungs- bzw. Stresssituation befinden? Symptome im Denken:
• Konzentrations-, Gedächtnis- und Leistungsschwankungen,
• Gedankenkarussell / Tunneleffekt: Einengung der Wahrnehmung, Realitätsflucht Symptome der Gefühle:
• Angst, Unsicherheit,
• Gefühlsschwankungen, Unzufriedenheit
• Wut, Gereiztheit, Nervosität, Aggression,
• Evtl. sogar emotionaler Rückzug, Leeregefühl, depressive Verstimmung

Körperliche Symptome:
• Schlafstörungen, Schwitzen, Schwindel, Kurzatmigkeit,
• Herzrasen, Blutdrucksteigerung,
• Störung der Verdauung,
• Magen-Darm-Geschwüre,
• Abnehmende sexuelle Lust / Potenzprobleme,
• bei Frauen evtl. auch Menstruations- und Zyklusprobleme
• Muskelverspannung, Kopf- und Rückenschmerzen
• Erschöpfung, Müdigkeit
• Fahrige Gestik, Tics
• Fingertrommeln, Fußwippen, nachts Zähneknirschen

Solche Symptome können vorübergehend auftauchen und sich nach entsprechenden Erholungsphasen wieder legen. Bedenklich könnte es werden, wenn:
• die Symptome schon bei geringem Stress auftreten
• die Ausprägung stärker wird
• Sie immer mehr Zeit brauchen, um sich zu erholen
• Langzeitschäden feststellbar sind, beispielsweise ein erhöhter Blutdruck, Magengeschwüre u.a.

In einem solchen Fall ist professionelle, ggf. medizinische Unterstützung empfehlenswert. Es lohnt sich im beruflichen Bereich bei Leistungsschwankungen, Nervosität, Konzentrationsmängel oder einem Unsicherheitsgefühl frühzeitig aktiv zu werden. Denn diese Symptome können im geschäftlichen möglicherweise Nachteile bringen, die den Stress potentiell erhöhen. Spezialisten für Stressbewältigung können Ihnen helfen.

Schnelle Tipps gegen Stress - Dampf ablassen: Verausgaben Sie sich mal richtig beim Sport (1-2 x pro Woche). - Erholungsoasen: Reservieren Sie in Ihrem Terminkalender Platz zum Abschalten und Erholen. - Unterstützung annehmen: Delegieren Sie, nutzen Sie Ihr Team, holen Sie sich Unterstützung von außen. - Ansprüche reduzieren: Setzen Sie sich weniger unter Druck, es muss nicht immer alles perfekt sein. - Lachen: Humor ist das beste Heilmittel bei Stress und wirkt auch als Prophylaxe.

(Redaktion)


 


 

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3 Kommentare

von pocoloco
14.01.08 01:13 Uhr
Guter Artikel :-)

Klar, jeder hat so seine Erfahrung mit Stress und liest den Artikel wie einen Spiegel. ;-)
Die Sache mit dem Stress ist eine Gradwanderung:

ZU WENIG ist schlecht - wenn man ´kein Stress hat, dann macht man sich welchen (kein Stress ist auch Stress) :-)

ZU VIEL ist auch schlecht - Stress soll uns anfeuern, aber nicht ausbrennen lassen; heißt ja auch "Burnout"

Wo sind unsere Grenzen, was wollen wir wirklich im Leben, wo sind unsere Prioritäten? Sind einige Fragen. Manche Antworten wissen bzw. ahnen wir bereits (z.B. mehr Sport treiben).

Bei der Umsetzung kann Ihre professionelle Beratung, Dr. Wittke, sicherlich sehr wertvoll sein.

Saludos v. Q-damm
Alejandro Wagner

von Anonym
06.04.08 15:45 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, die von Ihnen angebotene Site erzeugt eine sehr hohe Last. Könnte evt. an der Werbung liegen?

von spree-babe
25.06.08 10:04 Uhr
das kennt doch jeder!

Stress ist ein geflügeltes Wort und betrifft jeden, egal ob in Beruf, Familie oder Verkehr. Über Stressbewältigung etwas zu erfahren und dann noch von so kompetenter Seite, finde ich extrem interessant. Da kann sich jeder etwas rausziehen, denn man fühlt sich sofort betroffen. So ein Seminar bzw. Vortrag darüber ist bestimmt sehr nützlich! Anonyme Kommentare empfinde ich in diesem Zusammenhang nur als dümmliche Sticheleien und feige. Komm raus und zeig dich - aber da kriegste Stress, was?!

 

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