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  • 15.08.2017, 15:20 Uhr
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WIRTSCHAFT / AIRBERLIN

airberlin stellt Insolvenzantrag: Fluggäste am Boden und Steuergelder nach oben - Experten kritisieren „abgekartetes Spiel“

airberlin hat heute beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, um die bereits eingeleitete Restrukturierung fortzuführen. Exoerten kritisieren "abgekartetes Spiel" und den Einsatz von Steuergeldern.

In einer Presssemitteilung verkündet Air Berlin (mit Sitz in der Hauptstadt): „Die Bundesregierung, die Lufthansa und weitere Partner unterstützen die airberlin bei ihren Restrukturierungsbemühungen. Die Bundesregierung unterstützt airberlin mit einem Brückenkredit, um den Flugbetrieb auch langfristig aufrecht zu erhalten.“

Das bedeutet:

•          Alle Flüge der airberlin und NIKI finden weiterhin statt

•          Die Flugpläne bleiben gültig

•          Gebuchte Tickets behalten ihre Gültigkeit

•          Alle Flüge sind weiterhin buchbar

Die Verhandlungen mit Lufthansa und weiteren Partnern zum Erwerb von Betriebsteilen der airberlin sind weit fortgeschritten und verlaufen erfolgsversprechend. Diese Verhandlungen können zeitnah finalisiert werden. Thomas Winkelmann, CEO airberlin: „Wir arbeiten unermüdlich daran, in dieser Situation das Beste für das Unternehmen, für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter zu erreichen.“

Hintergrund des heute erfolgten Schrittes ist die Mitteilung der Etihad, dass sie nicht mehr beabsichtigt, airberlin finanziell zu unterstützen, so Air Berlin in der heutigen Pressemiteilung auf Ihrer Homepage www.airberlin.de

Die Westdeutsche Zeitung publiziert auf dem Pressportal heute einen Kommentar

Air Berlin: Insolvenz als abgekartetes Spiel (Kommentar von Annette Ludwig):

„Die Insolvenz von Air Berlin kam mit Ansage. Seit Jahren hing die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft am Tropf des Aktionärs Etihad. Ohne das Geld aus dem Emirat wären die Flieger längst am Boden geblieben. Doch eine erfolgversprechende strategische Neuausrichtung war noch immer nicht in Sicht. Etihad hat die Lust am deutschen Partner verloren und wollte kein Geld mehr verbrennen. Einen neuen möglichen Investor störten die immensen Schuldenberge, die Air Berlin im Laufe der Jahre angehäuft hat. Und so könnte man im Zusammenhang mit der Air-Berlin-Pleite auch von einem abgekarteten Spiel sprechen. Lufthansa, die größte deutsche Fluggesellschaft, hatte längst ein Auge auf den Konkurrenten geworfen. Dass ausgerechnet der neue Chef von Air Berlin, Thomas Winkelmann, von der Lufthansa kam, dürfte kein Zufall gewesen sein. Die Teil-Übernahme von 38 geleasten Air-Berlin-Flugzeugen war nur ein Vorgeschmack darauf, was kommen könnte. Die Gelegenheit für die Lufthansa, sich einen ungeliebten Konkurrenten einzuverleiben, schien günstig - wenn da nicht dieser Schuldenberg gewesen wäre. Die Insolvenz löst das Problem, und der Weg ist frei für eine Teilübernahme durch die Lufthansa. So einiges an diesem abgekarteten Spiel stinkt zum Himmel. Air Berlin ist nicht unverschuldet in Not geraten, sondern durch jahrelange Managementfehler. Etihad hat dann zwar viel Geld in das Unternehmen gesteckt, doch jetzt, wo sich eine Lösung mit der Lufthansa anbahnte, lässt der Partner die deutsche Airline plötzlich fallen wie eine heiße Kartoffel. Zugesagte Millionenbeträge wurden einfach nicht überwiesen. Die Insolvenz? Unausweichlich. Ein Segen für die Lufthansa. Ein mieses Spiel. Das wird noch mieser, denn jetzt kommen die Steuerzahler mit ins Boot. Air-Berlin-Flieger mitten in der Urlaubszeit, dazu knapp sechs Wochen vor der Bundestagswahl am Boden? Millionen gestrandeter Passagiere weltweit? Unmöglich. Und so zückt die große Koalition in schöner Einigkeit flugs 150 Millionen Euro Steuergeld. Damit die Urlauber und die Mitarbeiter, also die Wähler, vorerst beruhigt sind. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) zeigt sich derweil hoffnungsvoll, das Geld irgendwann wiederzusehen. Es ist nicht Sache des Staates, privatwirtschaftliche Misswirtschaft aufzufangen. Den so vielen unrühmlichen Kapiteln der Air-Berlin-Geschichte wird ein letztes hinzugefügt. (Quelle: Presseportal, Presse WZ)

(Redaktion)


 

 

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