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  • 09.05.2016, 12:24 Uhr
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  • Berlin
WIRTSCHAFT / FINANZEN

Einkommensmittelschichten schrumpfen in Deutschland und den USA etwa gleich schnell

Studie des DIW Berlin vergleicht die Anteile der BezieherInnen mittlerer Einkommen in den USA und in Deutschland im zeitlichen Verlauf. Die Anteile am Gesamteinkommen sinken in beiden Ländern.


 

In Deutschland und den USA schrumpfen die Mittelschichten. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Um rund sechs Prozentpunkte sank zwischen 1991 und 2013 in beiden Ländern der Anteil der Mittelschicht an der Gesamtbevölkerung. Zur Einkommensmittelschicht zählen alle Erwachsenen, deren gesamtes Haushaltseinkommen vor Steuern und Sozialabgaben zwischen 67 und 200 Prozent des Medians beträgt. Der Median trennt die einkommensstärkere von der einkommensschwächeren Bevölkerungshälfte. In Deutschland zählten vor allem die ausländischen BürgerInnen zu den AbsteigerInnen aus der Mitte der Einkommensverteilung. In den USA waren es überwiegend aus Lateinamerika eingewanderte Menschen, die abstiegen. Weiße US-BürgerInnen schafften hingegen überdurchschnittlich oft den Sprung in die Gruppe der hohen Einkommen. Der in den vergangenen Jahren zu beobachtende Beschäftigungsaufbau habe in Deutschland nicht zu einer Stabilisierung der mittleren Einkommen beigetragen, sagen die SOEP-Verteilungsexperten am DIW Berlin, Markus M. Grabka, Jan Goebel, Carsten Schröder und Jürgen Schupp.

Für ihre Studie haben die Forscher neueste Zahlen der im DIW Berlin angesiedelten Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) mit Daten aus den USA verglichen. Betrachtet wurden dabei die gesamten, realen Haushaltseinkommen inklusive Renteneinkünften und staatlichen Transfers. Durch das Ausklammern von Steuern und Sozialabgaben wurde sichergestellt, dass sich institutionelle Unterschiede wie auch Änderungen der Steuergesetze nicht verzerrend auswirken. Insgesamt war die Entwicklung in den USA extremer, da die relativen Einkommensverluste der AbsteigerInnen beziehungsweise die Einkommensgewinne der AufsteigerInnen aus der Mittelschicht deutlich größer waren als in Deutschland. Das Medianeinkommen in der Einkommensmitte stieg in den USA von rund 55.000 Dollar im Jahr 1970 auf etwa 77.000 Dollar im Jahr 2000. Bis 2014 ging es allerdings um etwa vier Prozent zurück. In Deutschland stieg es von 1991 bis 2000 um vier Prozent auf rund 31.000 Euro und sank im Folgenden bis 2013 um rund fünf Prozent auf 29.500 Euro.

Anteil der Einkommensstarken in Deutschland auf 33 Prozent gestiegen

Betrachtet man die Einkommensanteile der Mittelschicht am Gesamteinkommen in den USA, so lag dieser Anteil 1980 bei rund 60 Prozent, 1990 über 54 Prozent und 2014 noch bei 43 Prozent. Seit 2010 fällt der Anteil, der auf die einkommensstarken US-BürgerInnen entfällt, größer aus als der der mittleren Einkommensgruppe. Während der ganzen Zeit verharrte der Anteil der Einkommensschwachen bei rund zehn Prozent, während die Einkommensstarken ihren bis 2014 auf 49 Prozent steigern konnten. In Deutschland hingegen stellen die BezieherInnen mittlerer Einkommen über den gesamten Untersuchungszeitraum die größte Gruppe. Allerdings konnte die Gruppe der Einkommensstarken ihren Anteil am Gesamteinkommen von 23 Prozent im Jahr 1991 auf 33 Prozent im Jahr 2010 steigern; bis 2013 veränderte sich dieser nicht mehr. Der Anteil der mittleren Einkommen am Gesamteinkommen hingegen sank seit 1991 von rund 67 Prozent um mehr als zehn Prozentpunkte ab.

In beiden Ländern waren es besonders die 30- bis 44-Jährigen, die aus der mittleren Einkommensschicht herausfielen. In Deutschland sank ihr Anteil seit 1983 um rund 15 Prozentpunkte. Auffällig ist den DIW-Forschern zufolge, dass der Bevölkerungsanteil der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren vor allem in der unteren Einkommensgruppe zunahm, während der Anteil der 30- bis 44-Jährigen sowohl in der unteren als auch in der oberen Einkommensgruppe anstieg.

Stichwort SOEP

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist eine Multi-Kohortenbefragung, die seit 1984 durchgeführt wird. Für die unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft am DIW Berlin geleitete Studie werden zur Zeit jedes Jahr in Deutschland etwa 30.000 Personen in fast 15.000 Haushalten von TNS Infratest Sozialforschung (München) in persönlichen Interviews befragt. Beispielsweise geben diese Auskunft zu persönlichen Einstellungen und politischen Ansichten, Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung oder Gesundheit. Da jedes Jahr in etwa dieselben Personen befragt werden, können langfristige psychologische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und soziale Entwicklungen aufgezeigt werden.

(Redaktion)


 

 

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