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Werderaner Weinlese hat begonnen

Die Weinlese auf dem Werderaner Wachtelberg hat begonnen. Der Winzer Manfred Lindicke produziert zum ersten Mal Wein in seiner eigenen Kelterei.

Das Gerät sieht aus wie ein Fernrohr. Manfred Lindicke richtet es allerdings nicht auf den Horizont, sondern untersucht damit seine Weinreben. "Mit dem Refraktometer misst man den Zuckergehalt der Trauben", erläutert der Winzer, der seit mehr als 15 Jahren zusammen mit seiner Frau auf dem Werderaner Wachtelberg Wein anbaut. Anhand der Ergebnisse erkennt der erfahrene Obstbauer, ob die Trauben reif sind. Und Lindicke steckt mitten in der Weinlese.

Mit dem Ertrag ist der Winzer bislang eher unzufrieden. So hätten die Helfer etwa von der Weißweinsorte Müller-Thurgau nur neun Tonnen und damit ein Viertel weniger Wein gelesen als erhofft. "Der Frost im Frühjahr hat mehr kaputt gemacht als gedacht", sagt Lindicke. Sechs Rot- und Weißweinsorten bauen er und seine Frau auf knapp sechs Hektar an. Noch bis Mitte Oktober nehmen die Arbeiter nach und nach alle Reben ab und verarbeiten sie in der neuen hauseigenen Kelterei zu Wein und Most weiter.

Hauseigene Kelterei erspart den Transport nach Sachsen-Anhalt

Einer der Erntehelfer ist der 30-jährige Sören Siegmund. Seit Anfang des Jahres arbeitet der studierte Weinbauer auf dem Hof der Lindickes. Das Schwierige bei der Lese, sagt er, sei der Blick für die Trauben. Begehrt sind solche, die mit dem Schimmelpilz Botrytis cinerea befallen sind. Dieser wird auch Edelfäule genannt und sorgt für einen hohen Zuckergehalt in den Beeren, die dann zu Most oder Federweißem weiterverarbeitet werden können.

In dieser Saison werden alle Weine zum ersten Mal in der hauseigenen Kelterei produziert. Große silberne Maschinen stehen in einer Halle auf dem Hof der Familie, in denen die Trauben ausgepresst und weiter verarbeitet werden. In großen Tanks können sie schließlich gären.

Gut eine halbe Million Euro habe die gesamte Anlage gekostet, sagt Manfred Lindicke. Vorher wurde die Ernte jedes Jahr nach Sachsen-Anhalt gebracht. Dort war die nächste Kelterei, die Qualitätsweine produziert. Die Transportwege waren auf Dauer jedoch zu lang. "Der Wein erlitt zu große Qualitätsverluste", sagt der Winzer. In die neue Kelterei in Werder bringt nun auch ein benachbarter Weinbauer seine Trauben.

Wein ist in Brandenburg ein Nischenprodukt

In Brandenburg gibt es noch ein weiteres großes Weinanbaugebiet. Es befindet sich in Schlieben (Landkreis Elbe-Elster) und wird von einem Weinbauverein betrieben. Darüber hinaus kamen in den vergangenen Jahren mehrere Nebenerwerbs- oder Hobbyweinbauern dazu, wie der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Jens-Uwe Schade, sagt.

Dazu gehören auch die Rebstöcke, die von den Mosaik-Werkstätten für Behinderte auf dem Potsdamer Klausberg wiederbelebt wurden. Dieses Jahr kann dort zum ersten Mal geerntet werden. Friedrich der Große (1712-1786) hatte den Weinberg 1769 anlegen lassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Anlage verwildert.

Auf 25 Hektar wird in Brandenburg Wein angebaut

Die verfügbaren Rebflächen werden vom Bund für jedes Bundesland festgelegt. In Brandenburg stehen den Weinbauern etwa 30 Hektar zur Verfügung. Davon sind laut Schade etwa 25 Hektar bebaut und die restlichen fünf Hektar vergeben. Sollten diese nicht bis Ende Juli 2013 bebaut sein, fielen sie zurück in die Reserve und könnten an andere Bundesländer vergeben werden. "Wein ist in Brandenburg eher ein Nischenprodukt, auch wenn in guten Jahren immer wieder Qualitätsweine hervorgebracht werden", sagt Schade.

Eigentlich hat der Weinbau im Land eine jahrhundertealte Tradition. Doch in der DDR wurde er fast vollständig durch den Obst- und Gemüseanbau verdrängt. Erst nach der Wende widmeten sich die Bauern wieder verstärkt dem Anbau der Trauben, etwa in Werder.

Während Lindicke auf dem Wachtelberg seine Trauben untersucht, produziert Ivan Jardan ein paar Meter weiter mit handbetriebenen Maschinen den süßen Federweißen. Der Weinbauer aus Moldawien arbeitet ebenfalls für die Familie. Er schüttet die Beeren in eine sogenannte Quetsche, in der sie zerdrückt werden. Der dabei entstehende Saft kommt mit den Beerenresten in die Presse, wo sie unter Hochdruck vollständig ausgepresst werden. Jardan hält ein Glas unter den Ausfluss und probiert: "Perfekt!"

(dapd/ Matthias Arnold)


 


 

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