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  • 24.04.2018, 10:30 Uhr
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WIRTSCHAFT / WOHNEN

Studie zeigt: Das sind die günstigsten und teuersten Städte Deutschlands

Ist Berlin als Wohnort wirklich so günstig? Das wollte das Verbraucherforum mydealz.de wissen und hat die Lebensbedingungen in den 16 Landeshauptstädten und acht weiteren größten Städten Deutschlands verglichen.

"Berlin ist zwar arm, aber trotzdem sexy" urteilte Klaus Wowereit, damals seit zweieinhalb Jahren Regierender Bürgermeister, am 6. November 2003 in einem Interview mit "Focus Money" über seine Stadt. Heute sieht die Situation anders aus: Berlin ist nicht mehr ganz so arm, sondern baut seit einigen Jahren Schulden ab. "Sexy" ist die nicht mehr ganz so neue Hauptstadt aber unverändert: 3,71 Millionen Menschen leben aktuell an der Spree - so viele wie seit dem Jahr 1944 nicht mehr. Und jedes Jahr ziehen Tausende Menschen neu nach Berlin. 41.300 "Neuberliner" zählte das Amt für Statistik alleine 2017. Fragt man nach den Gründen, nennen viele Zugezogene die niedrigen Lebenskosten.

Das Ergebnis zeigt: Mieter leben in Berlin besonders günstig. Für Eigentümer ist die Hauptstadt aber vergleichsweise teuer. Wer in seiner eigenen Immobilie wohnt, ist andernorts besser aufgehoben: als Single in Münster, als Familie in Dortmund und Magdeburg. Auch sonst zeigten sich bei der Studie große Unterschiede: Von Stadt zu Stadt schwankten die mittleren Einkommen von Alleinverdienern der Steuerklasse 1 nicht nur um 829 Euro (52,3 Prozent). Auch die Kosten für den gleichen Lebensstil unterschieden sich drastisch, nämlich um 501 Euro (76,5 Prozent). Singles in Stuttgart haben nach Abzug aller Kosten so 658 Euro mehr in der Tasche als alleinstehende Potsdamer. Und das Monat für Monat. Bei Familien sieht es ähnlich aus. Doch woran liegt das genau? Eine Spurensuche.

Fürs "Dach über'm Kopf" zahlen Singles im Schnitt 30,1 und Familien 58,5 Prozent ihres Gehalts

Singles wohnen in Berlin und Gelsenkirchen am günstigsten zur Miete. 320 Euro Kaltmiete müssen Mieter in Berlin, zumindest laut Mietspiegel, für eine 50 m2 große Wohnung aufbringen. Hinzu kommen 109 Euro Wohnnebenkosten. Für 429 Euro, 22,7 Prozent des Haushaltsnettos, können Singles in Berlin also eine Wohnung mieten. Deutlich teurer wohnt es sich in Hamburg und Potsdam: 879 Euro, 41,2 Prozent ihres Einkommens, müssen Singles in Hamburg für eine 50 m2 große Wohnung ausgeben. In Potsdam ist die Warmmiete einer gleich großen Wohnung mit 791 Euro deutlich günstiger, fällt angesichts des niedrigeren Medianeinkommens aber mit 45,2 Prozent besonders stark ins Gewicht.

Ähnlich stark unterscheiden sich auch die Mietkosten, die Familien stemmen müssen: Für die Warmmiete eines 120 m2 großen Hauses müssen Familien mit einem Einkommen in Potsdam (97,7 Prozent des Einkommens, 1.984 Euro), Hamburg (86,9 Prozent, 2.163 Euro) und München (81,6 Prozent, 2.215 Euro) Großteile ihres Monatsnettos aufbringen. In Saarbrücken (56,9 Prozent, 1.311 Euro), Gelsenkirchen (53,5 Prozent, 1.013 Euro) und Berlin (49,4 Prozent, 1.089 Euro) wohnen sie vergleichsweise günstig. Auch hier übersteigen die Aufwendungen für die Miete aber bei weitem die Marke von 30 Prozent, zu der Experten als Obergrenze raten. Das Gleiche gilt für Familien mit zwei Einkommen. Einzig in Berlin und Gelsenkirchen hält sich die Miete für ein 120 m2 großes Haus annähernd im Rahmen. In den übrigen 22 Städten beträgt die Miete mit 1.680 Euro hingegen 50,7 Prozent des Einkommens. Den Spitzenwert erreicht Potsdam: Für die 2.076 Euro teure Warmmiete eines 120 m2 großen Hauses müssten Familien in Potsdam 71,7 Prozent ihres Nettos ausgeben.

Der Kauf einer Immobilie kann Wohnkosten senken

Der Kaufpreis für eine 50 m2 große Wohnung beträgt in den 24 Städten 201.032 Euro, der Kaufpreis für ein 120 m2 großes Haus 489.491 Euro. Von Stadt zu Stadt unterscheiden sich die Kosten fürs Wohnen im Eigenheim aber extrem. Singles mit Eigentumswohnung müssen in Münster, Kiel, Bremen und Dortmund nur ein Sechstel ihres Einkommens zur Deckung der Wohnkosten aufbringen. Familien mit einem Einkommen können als Eigentümer in Gelsenkirchen und Magdeburg  relativ günstig wohnen. Ähnlich sieht es bei Häusern aus: Berlin ist hier mit einer durchschnittlichen Kaltmiete von 768 Euro für 120 m2 und einer monatlichen Belastung von 34,9 Prozent beziehungsweise 24,6 Prozent des Familieneinkommens besonders günstig. München (1.912 Euro) ist in absoluten Zahlen, Potsdam in relativen Zahlen die teuerste Stadt. Zusätzlich unterscheiden sich auch die Wohnnebenkosten von Stadt zu Stadt deutlich. Singles müssen für Strom, Wasser, Straßenreinigung und Müllabfuhr monatlich 113 Euro ausgeben, 5,8 Prozent ihres Einkommens. Familien mit zwei kleinen Kindern müssen monatlich 287 Euro aufbringen, 12,6 Prozent beziehungsweise 11,1 Prozent ihres Nettos.

Familien geben gut ein Zehntel ihres Einkommens für die Kinderbetreuung aus

Die Kinderbetreuung bildet bei vielen Familien nach den Wohnkosten den zweitgrößten Kostenblock. Durchschnittlich 178,57 Euro muss die von mydealz beispielhaft konfigurierte Familie mit einem Kind unter und einem Kind über drei Jahren für die Halbtagsbetreuung und 295,51 Euro für die Ganztagsbetreuung ausgeben. Bei Familien mit einem Einkommen entspricht dies im Mittel 7,8 Prozent für die Halbtags- und 12,8 Prozent für die Ganztagsbetreuung. Bei Familien mit zwei Gehältern fällt die Kinderbetreuung mit durchschnittlich 5,5 beziehungsweise 9,0 Prozent ins Gewicht.

Um von A nach B zu kommen, geben Singles im günstigsten Fall 3,0, Familien 7,4 Prozent aus

"Wer Bahn fährt, spart" lautet sinngemäß ein altes Versprechen der Verkehrsbetriebe, das sich auch bei der Studie wieder bestätigt hat. Singles, die eine Monatskarte für "die Öffentlichen" im Jahres-Abo kaufen, zahlen in den 24 Städten im Schnitt nur 58,34 Euro, 3 Prozent ihres Monatsnettos.

Von Stadt zu Stadt schwanken die Kosten für Freizeitaktivitäten um 92 Prozent

Nach Abzug aller Kosten fürs Wohnen, die Kinderbetreuung und Mobilität haben Singles durchschnittlich 1.211 Euro, Familien mit einem Einkommen 97,81 Euro und Familien mit zwei Erwerbstätigen 1.137 Euro in der Tasche - Geld, das sie auch für Freizeitaktivitäten verwenden können. Um herauszufinden, wie viel Budget Singles und Familien in den 24 Städten für Freizeitaktivitäten benötigen, haben die Studienautoren von mydealz.de zwei Sets konfiguriert. Die für die Studie definierten Familien besuchen jeweils zwei Mal im Monat zu viert den Zoo und das Stadtbad. Der für die Studie konfigurierte Single geht vier Mal im Monat schwimmen, jeweils einmal ins Kino und zum Fußball ins Stadion und fährt zweimal nachts 5 Kilometer mit dem Taxi vom Club nach Hause. Singles mit diesem Lifestyle bezahlen in allen 24 Städten durchschnittlich 62,29 Euro und damit 3,2 Prozent ihres Monatsnettos. In Halle, Mainz und Schwerin zahlen Singles am wenigsten. In Erfurt, Leipzig und Hamburg zahlen sie am meisten. Zumindest in absoluten Zahlen. Gemessen am Gehalt, lebt es sich in Mainz, Wiesbaden und Stuttgart am günstigsten. Berlin liegt genau im Mittelfeld der 24 Städte: 67,23 Euro kosten die dem Preisvergleich zugrundeliegenden Freizeitaktivitäten in der Hauptstadt, was 3,6 Prozent des Mittleren Einkommens eines Berliner Singles entspricht.

Berlin ist die günstigste Stadt für Mieter, Magdeburg und Münster für Eigentümer

Die Frage, welches nun die günstige Stadt zum Leben ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Zum einem ist das Definitionssache, zum anderen fällt die Antwort je nach Lebenssituation verschieden aus. In absoluten Zahlen sind Gelsenkirchen, Schwerin und Berlin die günstigsten Städte für Singles, die zur Miete wohnen. Sie müssen hier monatlich nur zwischen 720 Euro und 750 Euro für einen Lebensstil ausgeben, der andernorts deutlich mehr kostet. Gemessen am Gehalt, ist Berlin hingegen die günstigste Stadt: Nach Abzug aller Fix- und Freizeitkosten bleiben Berlinern 60,2 Prozent beziehungsweise 1.140 Euro des Medianeinkommens. Als Eigentümer wohnen Singles, gemessen am Einkommen, in Münster am günstigsten (67,3 Prozent,1.379 Euro). Berlin findet sich angesichts der hohen Quadratmeterpreise nur auf Rang 18 von 24 wieder: Mit 940,50 Euro bleiben Singles in der Hauptstadt nach Abzug der Kosten noch 49,7 Prozent ihres Nettos von 1.893 Euro.

Immerhin können sich Singles mit durchschnittlichem Einkommen das Leben in allen 24 Städten leisten. Auf Familien mit einem Mittleren Einkommen trifft dies nicht unbedingt zu. Grund sind die hohen Kosten. Am teuersten lebt es sich für Familien mit einem Gehalt in München und Potsdam. 3.129 Euro müssten Familien mit einem Einkommen und zwei Kindern in München zum Leben aufbringen, 415,25 Euro mehr als sie einnehmen. In Potsdam steht nach Abzug aller Kosten sogar ein Fehlbetrag von 538,61 Euro unterm Strich. Günstig ist das Leben für Familien mit einem Einkommen in Berlin. Nach Abzug aller Kosten verbleiben 479,91 Euro und damit 21,8 Prozent des Einkommens in den Taschen der Beispielfamilie.

München sticht als teurer Wohnort hervor während Berlin günstig bleibt

Der Kauf eines Hauses bringt Familien mit einem Einkommen aufgrund der hohen Kaufpreise in den meisten Fällen kaum finanzielle Entspannung. Selbst mit 100.000 Eigenkapital übersteigen die monatlichen Kosten unter anderem in Hamburg, Potsdam und Wiesbaden das Einkommen deutlich. In München steht wegen des Kaufpreises von 1,1 Millionen Euro für ein 120 m2 großes Haus und der entsprechend hohen Kreditrate von 3.371 Euro am Monatsende ein Minus von 1.922 Euro (70,8 Prozent des Nettos) unterm Strich. In Städten wie Bremen, Gelsenkirchen und Dortmund zahlt sich der Hauskauf hingegen aus: Familien verbleibt hier jeweils ein gutes Drittel ihres Einkommens. Den größten Teil ihres Nettos haben Familien mit einem Einkommen in Magdeburg übrig. 791,13 Euro beziehungsweise 39,4 Prozent des monatlichen Nettos von 2.009 Euro verbleiben nach Abzug aller Kosten. Auch Familien mit einem vollen und einem halben Medianeinkommen haben in den meisten Städten als Eigentümer einen deutlichen besseren Stand. Einzig in Stuttgart und in München übersteigen die monatlichen Kosten die Einnahmen - in Stuttgart um 1,5 Prozent (57,05 Euro), in München um ein gutes Viertel (26,4 Prozent, 1.004 Euro). In allen anderen Städten steht am Ende jedoch ein Plus unterm Strich. Als Mieter können Familien mit zwei Einkommen in allen 24 Städten sehr gut leben. Nach Abzug der Kosten fürs Wohnen, die Kinderbetreuung und Mobilität sowie Freizeitaktivitäten bleiben ihnen zwischen 16,1 und 50,2 Prozent des monatlichen Einkommens. Besonders günstig leben sie in Gelsenkirchen (45,2 Prozent, 1.296 Euro) und Dortmund (45,2 Prozent, 1.296 Euro). Auch für Familien mit zwei Einkommen ist Berlin die günstigste Stadt. Von ihrem Einkommen von 3.119 Euro haben sie nach Abzug aller Kosten noch gut die Hälfte übrig.

Über mydealz: Mydealz ist eine Social-Shopping-Community mit Unternehmenssitz in Berlin. mydealz wurde im Jahr 2007 von Fabian Spielberger als Blog gegründet und ist heute mit 20,52 Millionen Visits und 14,97 Millionen App-Sessions pro Monat die größte deutsche Shopping-Community. 6,72 Millionen Konsumenten nutzen mydealz.de jeden Monat, um sich über aktuelle Angebote und Shopping-Trends zu informieren und Produkte zu den besten Konditionen am Markt zu finden. Seit 2014 ist mydealz Gründungsmitglied der Pepper.com-Gruppe, die als weltweit größte Shopping-Community 25 Millionen Verbraucher pro Monat erreicht und 12.000 Kaufentscheidungen pro Minuten beeinflusst.

(Redaktion)


 

 

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