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Krise in Berlin

Wowereit: Keine Entwarnung in der Krise für Berlin

In einer Produktionshalle von Mercedes-Benz in Marienfelde ist noch reichlich Platz für einen neuen Maschinenpark. Nur aus dem hinteren Bereich, wo bereits Komponenten für die neue Generation von Motoren hergestellt werden, dringt Produktionslärm. Von dieser Geräuschkulisse fühlt sich am Donnerstag Werksleiter Thomas Uhr ein wenig gestört. Schließlich will er eine Ansprache halten anlässlich der Inbetriebnahme einer neuen Solaranlage auf dem Dach der Produktionshalle.

Aber der Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zeigt sich ob des Lärms keineswegs irritiert. Für ihn sind die lauten Maschinen in der Zeit der Wirtschaftskrise Musik in den Ohren: «Wir freuen uns über den Geräuschpegel, denn so wissen wir, dass hier produziert wird«, sagt der Regierungschef.

Die neue Photovoltaikanlage, die jährlich soviel Energie erzeugt, wie 100 Familienhaushalte verbrauchen würden und damit einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz leistet, wird ohne jeden Pomp eingeweiht. Der Daimler-Konzern leidet unter Auftragseinbrüchen. Im Werk in Marienfelde sind von 3000 Beschäftigten 2000 in Kurzarbeit. Das Programm läuft zum Ende des dritten Quartals aus. Wie dann verfahren werde, stehe noch nicht fest, sagt eine Sprecherin.

Ein repräsentatives Beispiel für den Wirtschaftsstandort Berlin in der Krise. Nach Angaben der regionalen Arbeitsagentur waren in der Hauptstadt in den vergangenen sieben Monaten in 2100 Betrieben rund 30 000 Kurzarbeiter registriert. Genaue Angaben seien nicht möglich, da die aktuelle Statistik am 1. September veröffentlicht werde.

Wowereit warnt vor voreiligem Optimismus. Auch wenn einige Anzeichen auf eine mögliche Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Situation hindeuteten, gebe es für Berlin nach wie vor keinen Grund zur Entwarnung. »Wir wären nicht gut beraten, so zu tun, als sei die Krise vorbei, und wir müssten hier nichts mehr tun und könnten uns zurücklegen.«

Auch bei der SKF Lubrication Systems, Weltmarktführer von Zentralschmiertechnik, wurde die Produktion um 30 Prozent reduziert. »Bei fast allen unseren Abnehmern, ausgenommen Windkraftradherstellern, verzeichnen wir enorme Auftragseinbrüche, sagt Vorstandschef Frank Bechthoff. SKF nutze die Kurzarbeitszeit, um die Betroffenen fortzubilden. Derzeit nehme ein Drittel der Belegschaft an Weiterbildungen teil. «Wir wollen insgesamt die Hälfte fortbilden», sagt der SKF-Chef. Hinter SKF verbirgt sich die frühere Willy Vogel AG, die vom SKF-Konzern gekauft wurde und seit Juli den neuen Firmennamen trägt.

Die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg, Margit Haupt-Koopmann, bezeichnet die Qualifizierungsangebote innerhalb des Kurzarbeitsprogramms der SKF als vorbildlich. Das Interesse von Berliner Unternehmen an Weiterbildungen während der Kurzarbeit sei zwar generell da, sagte Haupt-Koopmann. «An der Umsetzung hapert es aber.» Viel zu wenig Betriebe bildeten ihre Mitarbeiter während der Kurzarbeitsphase fort. Auch Wowereit appellierte an die Unternehmen, die Möglichkeiten der Fortbildung wahrzunehmen. Gut ausgebildete Fachkräfte fehlten zunehmend.

(Redaktion)


 


 

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