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Kolumne von Alexandra Schwarz- Schilling

Wozu sind wir kreativ?

Kreativität ist ein Wort mit Ausstrahlung. Kreativwirtschaft ist ein Begriff, der einigen Glamour hat. Verbindet man traditionell mit dem Begriff Kreativität hauptsächlich künstlerische Tätigkeiten, wie singen, tanzen, malen und musizieren, so bedeutete kreatives Arbeiten in den 80iger und 90iger Jahren hauptsächlich in der Werbung tätig zu sein. Heute ist mit Kreativwirtschaft überwiegend Film- und Fernsehproduktion gemeint und es ist erneut fraglich, warum der Begriff Kreativität so einseitig benutzt wird.

Wollen wir nicht alle kreativ sein und sind es in der Regel auch, nur nennen wir es nicht so? Der Begriff „Kreative“ scheint irgendwie einer bestimmten Spezies vorbehalten zu sein. Das ist schade und auch falsch. Kreativität ist eine Qualität, die den Mensch per se auszeichnet.

Kreativität ist die Fähigkeit Neues zu erschaffen, das einen Sinn hat oder einen Nutzen stiftet. Dabei ist das Neue oft gar nicht wirklich neu, sondern besteht aus bereits Bekanntem, das aber neu zusammengesetzt wurde. So ist zum Beispiel ein neues kulinarisches Rezept durch die Zusammensetzung von Zutaten oder Zubereitung der Ingredienzien neu. Die Zutaten selber sind meist lange bekannt. Bestimmte Zubereitungsarten ebenfalls, aber eben nicht in dieser spezifischen Kombination. Kreativität bedeutet also hauptsächlich sich zu trauen bekannte Dinge neu zusammenzusetzten. Als Kinder waren wir alle kreativ und haben in unserem Spiel genau das ständig getan. Wir haben kombiniert, was das Zeug hält und aus einem umgekehrten Stuhl wurde ganz schnell ein Auto oder eine Burg.

Als Erwachsene verlieren wir oft den Glauben an unsere kreativen Fähigkeiten und überlassen das Feld anderen. Dabei sind wir natürlich immer noch kreativ. Immer wenn wir etwas improvisieren oder spontan lösen, sind wir mit unserer Kreativität in Kontakt und merken es auch. In der Realität sind wir alle die ganze Zeit kreativ, unabhängig davon, ob wir davon eine Ahnung haben oder nicht. Wir können also lernen unsere Kreativität bewusst einzusetzen und zum Sprudeln zu bringen.

Kreativität können wir vor allem dazu nutzen uns auszumalen, was wir erleben wollen. Da kreativ sein, den schöpferischen Prozess meint, in dem sich Neues manifestiert, ist es wichtig, dass wir diese unsere Fähigkeit dazu nutzen uns vorzustellen, wie das Leben aussehen würde, das wir wirklich haben wollten. Wir verbringen sehr viel Zeit und Aufmerksamkeit mit den Dingen, die wir eigentlich nicht wollen. Unsere Aufmerksamkeit ist jedoch vergleichbar mit einem inneren Scheinwerfer oder einer Lupe: Worauf wir ihn richten, das wird heller – besser sichtbar - und größer. Die Gefühle, die wir dabei erleben, das wir genau diesem Gegenstand, der auch einfach ein Gedanke sein kann, unsere Aufmerksamkeit schenken, gibt uns Auskunft darüber, ob das, woran wir denken, uns gut tut oder nicht. Die Gedanken, die wir denken und die Gefühle, die wir dabei empfinden, erschaffen sehr viel von dem, was wir erleben. Deshalb sind wir die ganze Zeit kreativ. Wir erschaffen sehr viel von unserem Erleben, ohne das uns dieser Prozess bewusst ist.

Deshalb beginnt der freudvolle, bewusste, schöpferische, also kreative Prozess damit, zu spüren, was wir fühlen. Ob wir uns wohlfühlen oder unwohl fühlen. Stellen wir fest, dass wir uns unwohl fühlen, ist unsere erste Aufgabe das anzuerkennen und dann langsam unsere Gedanken auf etwas zu richten, was sich richtig und gut anfühlt. So beginnen wir langsam andere Gedanken und in ihrem Schlepptau auch andere Gefühle zu kreieren. In diesem Prozess, wenn wir als Richtschnur unsere Gefühle nehmen, merken wir sehr schnell, was wir wollen und was wir nicht wollen. Das ist das Wichtigste um unser ganzes kreatives Potential zu entfalten: Zu wissen, was man will, also ein Ziel zu haben. Dann kommt der kreative Prozess von selbst ins Fließen. Tief in unserem Inneren wissen wir alle wie sich etwas gut und richtig anfühlt und wie es sich von etwas unterscheidet, was sich schmerzlich und falsch anfühlt. Diesem Gespür gilt es zu trauen. Dieses Gespür gilt es zu kultivieren. Dadurch kommen wir stärker mit unserem Körper in Kontakt, denn unsere Gefühle teilen sich über den Körper mit. Dort erleben wir sie als konkrete körperliche Empfindung. Wir haben allerdings verlernt darauf zu achten. Es gilt unsere Aufmerksamkeit - unseren Scheinwerfer – wieder vermehrt darauf zu richten. Trauen wir uns also zu fühlen - und entwickeln wir die Absicht uns gut zu fühlen, dann wird uns langsam immer deutlicher, was wir wollen und was wir nicht wollen. Je bewusster uns ist, was wir wollen, desto mehr kann sich unser kreatives Potential entfalten. Dieses Potential haben wir alle, es ist nicht einigen Wenigen vorbehalten. Trauen wir uns also es mehr zu benutzen.

(Alexandra Schwarz- Schilling)


 


 

Alexandra Schwarz- Schilling
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2 Kommentare

von ReefRider
08.08.08 09:29 Uhr
Achtzig-iger?

Kreativität ist in jüngster Zeit - vor allem web 2.0 sei dank (sei Dank?) - die Fülle von Ingredenzien (oder waren es eher Ingredienzen?), die dem einfallsreichen und ehrgeizigen Schreiberling im Netz zum Autor machen. Oder zum Autoren? Ach was! Fort mit störender Interpunktion und lästiger Ortografie (Ortographie?), lang lebe die Legasthenie! Wer braucht Grammatik?! Es gibt zur Not doch immer ein änglüsches Wortm das(s) ich zweck- und sinnentfremden kann! Und ansonsten bleibt die Frage: Wie lange, brauch ich noch bis, ich endlich soweit bin auch abenteurlichsten, Komma-Setzungen, zu verstehen???

von Damballa Wedo
11.08.08 05:04 Uhr
Super Bericht

Ich bin sehr kreativ, stelle Kunstwerke her, und ich stellte mir die Frage. Wie mache ich das eigentlich? Erst einmal setze ich ein Ziel, was ich erschaffen will. Dann wird Schritt für Schritt ein Problem nach dem anderen gelöst. Bei meinem derzeitigen Werk, wofür ich zwei Jahre brauchte, und das diesen Monat fertig wird, handelt es sich um ein Bild, das aus Stoff und Perlen besteht. 10 cm tief, mit Acryl Glas davor, 1,80 Meter lang und 1,30 Meter hoch. In der Mitte ein Stern, aus Holz und verstärkter Pappe, und darauf weisse Borten beklebt und mit Perlen bestückt. Klebetechniken erfunden, Probleme bei der Herstellung gelöst. Doch ich denke mir, der eigentliche Motor zur Kreativität ist die Liebe zum Werk. Nur durch die Liebe kann das Gefühl entstehen, das hier in diesem Bericht erwähnt wird.

 

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