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Lehren aus der Finanzkrise

Zertifikatsschaden - Wenn sich das „Kreditrisiko des Emittenten“ realisiert

Ob Banken und Finanzdienstleister, die Zertifikate verkaufen, für verlorene Anlagegelder haften, ist vor Gericht meistens ein Kampf um Sprache. Richter und Rechtsanwälte sitzen dann weniger über komplexen Produkt- und Weltwirtschaftsmechanismen, sondern über der sehr anschaulichen Frage, ob die dünne Linie zwischen erlaubter Schönfärberei und Fehlinformation übertreten wurde.

Am aktuellen Beispiel: Dem Anleger wird ein „Best Start Express EURO STOXX 50 Zertifikat“ von Lehman Brothers angeboten. Das heißt eigentlich: „Kaufen Sie einen Zahlungsanspruch gegen eine holländische Besloten Vennootschap (entspricht ungefähr einer GmbH), dessen Höhe von der Entwicklung des EURO STOXX 50 Index abhängt.“ Der Anleger trägt dabei das „Kreditrisiko des Emittenten“. Das heißt eigentlich: „Ob der Zahlungsanspruch gegen die holländische Besloten Vennootschap (Lehman Brothers Treasury Co. B.V.) am Ende der Laufzeit tatsächlich bezahlt wird, hängt davon ab, ob diese dann das Geld dazu hat. Ob sie das Geld dazu hat, hängt nicht zwingend von der Entwicklung des EURO STOXX 50 ab, sondern davon, dass sich diese Gesellschaft oder ihr Konzern nicht bis dahin mit sonstigen Geschäften in die Insolvenz spekuliert hat.“

Es ist bereits heute absehbar, dass es – wie beim Platzen der Blase des „Neuen Markts“ – wieder Gerichte beschäftigen wird, wie viel „Klartext“ eine Bank beim Beraten ihrer Kunden reden muss. Vor allem wird dabei in den Mittelpunkt des Interesses rücken, dass die Bankenwelt nicht erst seit diesen Tagen davon weiß, dass aufgrund von Risikogeschäften – z.B. Subprime-Kreditkäufen – ein deutlicher Anstieg des „Kreditrisikos des Emittenten“ zu verzeichnen war. Man könnte auch sagen, das Risiko ist von einem abstrakten zu einem konkreten geworden. 

Und: Dass ein solches Risiko konkret geworden ist, können die beratenden Experten in Banken früher erkennen als die beratenen Anleger. Wann genau dies war, wird eine der wesentlichen Fragen sein, wenn demnächst wieder zu Gericht gesessen wird. Es wird darum gehen, dass Kapitalanlagen zwar von erwachsenen Menschen und oft über allzu „blindes“ Vertrauen zur eigenen Bank gekauft werden, diese Bank sich das Vertrauen aber gern für das eigene Geschäft zunutze macht und daher das Vertrauen auch durch richtige und vollständige Beratung rechtfertigen muss. 

Stichwort eigenes Geschäft: Die beratende Bank bekommt eine Provision als Belohnung für den Verkauf des Zertifikats an den bei ihr um eine Empfehlung bittenden Kunden. Verkehrte Welt, aber üblich. Immerhin muss die Bank den Kunden über die Provision informieren, damit dieser zumindest den Schluß ziehen kann, dass ihm vielleicht nicht das beste Produkt, sondern das mit der höchsten Beraterprovision verkauft wird. Warum eine Bank für das vielleicht halbstündige Verkaufsgespräch bei einem Zertifikat von 100.000,00 € eine Provision von 2.800,00 € bekommt? Die Antwort könnte bald heißen: Weil sie dem Kunden haftet.

G&P Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Prinzregentenufer 3
90489 Nürnberg

Tel.: 0911-588885-0
Fax: 0911-588885-10

www.gplaw.de

Ansprechpartner: RA Robert Nentwich
RAin Christine Scharvogel, LL.M.
RA Dr. Philipp Massari, LL.M.

(Redaktion)


 


 

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