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Kolumne von Alexandra Schwarz-Schilling

Ziel erreicht – und dann?

Wozu setzen Menschen sich Ziele? Ziele spornen an, Ziele machen messbar, sie geben eine Ausrichtung und sie geben unserem Leben einen Sinn. Tatsächlich ist wahre Zufriedenheit eine Folge davon, zu wissen, was man will und seinen Fokus darauf zu richten. Dies ist nicht etwa gleichzusetzen mit dem Erreichen von Zielen. Da gibt es einen kleinen aber feinen Unterschied, den zu beachten sich lohnt.

Viele Menschen setzen unbewusst die Erreichung ihrer „Haben“ – Ziele (Position, Gehaltsstufe, Auto, Haus, Partner/ Partnerin) mit „Seins“- Qualitäten wie Zufriedenheit und Glück gleich. Das erhoffte Glücksgefühl stellt sich jedoch auch nach Erreichen des Ziels bestenfalls für kurze Zeit ein, dann greift der Motor nach dem nächsten Ziel zu streben. Das Erreichte erscheint schnell selbstverständlich. Gerade Menschen, die sich nach Zufriedenheit und Gelassenheit sehnen sind im Alltag durch Unzufriedenheit getrieben und sorgen so unbewusst dafür, dass das Glück immer in der Zukunft lockt, aber nicht wirklich im Hier und Jetzt erfahren wird. Das Glück ist immer genau da, wo ich nicht bin. Wenn ich erst dies und jenes erreicht habe, dann werde ich glücklich sein – hoffen wir. So jagen viele Menschen ein Leben lang Zufriedenheit und Erfüllung hinterher.

Zufriedenheit und Erfüllung sind Qualitäten, die nur ihm Hier und Jetzt erschaffen und erfahren werden können. Sie entstehen beim Tun, nicht durch Ergebnisse. Deshalb sind sie unabhängig vom Erreichen irgendwelcher Ziele. Dieses kleine Missverständnis hat enorme Auswirkungen. Dadurch, dass wir unser Glück und unsere Zufriedenheit automatisch an Zielerreichung in der Zukunft knüpfen, befürchten wir umgekehrt, dass wir Versager sind, wenn wir unsere Ziele nicht erreichen. Dies führt dazu, dass wir Ziele entweder gar nicht oder nicht klar und eindeutig formulieren, sondern uns jede Menge Hintertüren offen lassen, um eben nicht eindeutig daran gemessen werden zu können.

Unklare Zielformulierung drückt sich entweder in Stichpunkten aus, anstatt in ganzen vollständigen Sätzen, in denen „Ich“ als Subjekt vorkommt. Weit verbreitet sind Formulierungen wie „würde gerne, will, könnte, hätte“. Auch werden Ziele oft in der Zukunft formuliert, anstatt in der Gegenwart, was ihre Erreichung stark erschwert oder es werden vage Zeiträume angegeben wie etwa „in 2 Jahren“ (in zwei Jahren ist z.B. immer bzw. nie), anstatt eines konkreten Datums. Bei solchen vagen Formulierungen sind die Hintertüren so weit offen, dass die ganze Energie, die nötig wäre um sich auf den Weg zu machen (und auf diesem Weg bereits Zufriedenheit und Erfüllung zu erfahren) durch genau diese Hintertüren abfließt. Die Konsequenz sind untergründige Unzufriedenheit und Unschlüssigkeit. Man hat jede Menge Gründe, dass Glück in eine vage Zukunft zu verlagern, wenn überhaupt.

Klar formulierte eindeutige Ziele, in der Gegenwartsform abgefasst, mit konkretem Datum und „Ich“ als Subjekt konfrontieren uns mit uns selbst. Wir hören auf rumzueiern und überlegen uns: „Was will ich wirklich?“ Dann dienen Ziele als Inspiration, als Wegweiser und können so ihre eigentliche Kraft entfalten. Mit geschlossenen Hintertüren haben wir unsere gebündelte Energie zur Verfügung. Dann haben wir erstmals die Chance wirklich unseren Fokus darauf zu richten und dabei Zufriedenheit zu erfahren.

(Alexandra Schwarz- Schilling)


 


 

Alexandra Schwarz-Schilling
Coaching
Glück
Zufriedenheit
Ziele
Zielsetzung

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5 Kommentare

von medium-berlin
09.03.08 19:34 Uhr
du hast ja ein ziel vor den augen....

...damit du in der Welt dich nicht irrst sang ich froh als Jungpionier um Jahre später herauszufinden, daß der Weg das Ziel ist nachdem mir andere den Glauben an die eigenen Ziele genommen hatten. Mein Ziel heute? Tun was ich für richtig halte und mir dafür kein schlechtes Gewissen einreden lassen. Mit dieser Einstellung taugt man in der Leistungsgesellschaft jedoch höchstens zum Außenseiter und Aussteiger aber nicht zum Leistungsträger.

Deshalb drängt sich mir aber vor allem in der ökonomisierten Welt die Frage auf - wer macht die Ziele? Oder ums ganz konkret zu machen. Wie mit dem Weniger zufrieden geben in einer Gesellschaft, die nur vom MEHRwert getrieben wird? "chef ich habe heute die Ziele nicht erreicht weil Sie zuviel von mir in der kurzen Zeit erwarten." Welcher Arbeitnehmer erntet für soviel Ehrlichkeit verständnis und die Antwort "Gut Ding will Weile haben."? Geld regiert die Welt und nicht Vernunft!

Wie auf das eigene Glück besinnen, wenn von hinten und vorn schon wieder getrieben wird? Oder ums mal knallhart zu sagen. Persönliche Ziele und materiellen Erfolg miteinander zu verknüpfen ist für die wenigsten Menschen möglich weil Sie materiell abhängig sind in ihrer Entscheidungsgewalt von den Zielen anderer. Diese Menschen haben höchstens die Möglichkeit sich einen faulen Kompromiß schön zu reden und ihre Ziele an den Möglichkeiten auszurichten, die ihnen gewährt werden! Sowas nennt man dann aber nicht Zufriedenheit sondern verdrängung und die kann krankhaft werden!

Ich finde den Beitrag von Frau Schilling Klasse und möchte jedes Wort dick unterstreichen und ich weiß auch, daß es Unternehmen gibt, die sich so eine Denkweise leisten wollen und können. Zuviele tun es jedoch nicht und das ist die grausame Realität bei aller schönen Theorie.

von RyoBerlin
09.03.08 21:52 Uhr

"Mein Ziel heute? Tun was ich für richtig halte und mir dafür kein schlechtes Gewissen einreden lassen. "

Richtig so...

Immer dieses "Was willst Du in 10 Jahren erreichen" ... leistungsdruck ist Psychologisch geseheng arnicht gut darum iss ja mittlerweile jeder 2. Stadtmensch in Psychologischer behandlung.. überall druck und stress man muss dies und das erreichen....

Da bleib ich doch bei essenzielleren Zielen wie anderen Helfen, das tun was anderen nicht schadet, den Menschen klar werden lassen was richtig und was falsch ist. Das sind vernünftige Ziele und nicht sowas wie ich werde zur schule gehen dann abi machen dann studiere ich x jahre einf ach und direkt danach arbeite ich in dem bereich bekomme ne/n partner/in 2 1/2 Kinder nen Haus nen Hund 2 Autos werd Großvater, geh in Rente, Sterb im Pflegeheim *G*

von medium-berlin
09.03.08 22:10 Uhr
zum nachdenken

"wer glaubt am ziel zu sein, hat verloren!"

von Caro
11.03.08 21:22 Uhr
Danke...

... für Ihre gelungenen Artikel, Frau Schwarz- Schilling. Sie schreiben informativ und kurzweilig.Nebenbei nehme ich immer sehr viel für mich selbst aus Ihren Artikeln mit.

Ich freue mich schon bald wieder von Ihnen zu lesen.

von Victoria
11.07.08 15:31 Uhr
Nicht später sondern jetzt

Vielen Dank für die Ratschläge. Ich hab mir immer eine perfekte Zukunft ausgedacht. Aber als ich den Artikel durchgelesen habe, wusste ich : Es ist Zeit für taten nicht für Träume. Nachdem ich dieses Komentar fertig hab, werde ich mir meine Ziele aufschreiben und umsetzen. Ich bin erst 12 also kann ich noch vieles verändern. Aussehen, Schule und Haushalt werden die Haupttehmen sein. Und morgen mach ich mich am ersten Punkt zu schaffen.

 

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